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(pd) Bei Aushubarbeiten in Läufelfingen kamen Ende 2019 zwei Handvoll Münzen aus den 1850er Jahren zum Vorschein. Das Besondere daran: Alle waren zerschnitten. Eine Metallanalyse zeigte nun, dass es sich um Fälschungen handelt, die durch staatliche «Rappenspalterei» aus dem Verkehr gezogen werden sollten.

Der Aufmerksamkeit und der Neugier des Poliers A. Trösch ist ein spannender Neufund aus Läufelfingen zu verdanken: Ihm fielen während der Aushubarbeiten in der Flur Hüslimatt plötzlich Münzen in der Baggerschaufel auf. Gut zwei Handvoll klaubte er aus dem Erdreich. Die Anwohner Daniel Mohler und Ulrich Kohler-Mohler, die auf den Fund aufmerksam gemacht wurden, meldeten ihn korrekt der Archäologie Baselland. Rund 170 Schweizer 20-Rappenstücke und zwei 10-Rappenstücke der 1850er Jahre sind erhalten geblieben.

Spezielle Behandlung

Das Besondere dabei: alle Münzen waren zerschnitten. Merkwürdig ist auch, dass es sich um zwei unterschiedliche Arten von Münzen handelt: Einige Stücke sind gegossen, während der Grossteil der Münzen geprägt ist. Was hat das zu bedeuten? Um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, wurden am Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern 48 ausgewählte Stücke auf ihre Metallzusammensetzung analysiert. «Echte» Schweizer 20- und 10- Rappenstücke der 1850er Jahre bestehen aus Billon, enthalten also noch etwas Silber. Ganz anders die Läufelfinger Funde: keine Spur vom Edelmetall. Die Münzen bestehen aus billigeren Legierungen von Kupfer und Zinn respektive Kuper, Zinn und Nickel, so genanntes «Neusilber». Es sind demnach alles Fälschungen!

Wer den Rappen nicht ehrt…

Doch hat es sich überhaupt gelohnt, solche «Zwanzgerli» und «Zehnerli» zu fälschen? Ja! Um 1860 verdiente ein Textilarbeiter 17 Rappen pro Stunde, eine Textilarbeiterin sogar nur 10. In der Metall- und Maschinenindustrie gab es 25 Rappen die Stunde. Ein Kilogramm Weissbrot kostete 40, ein Liter Milch 12 Rappen, für 500 Gramm Butter waren 90 Rappen fällig und für 1 Pfund Ochsenfleisch ein halber Franken. Für ein Paar einfache Schuhe musste man Fr. 5.50 bezahlen. Der Wert von rund 34 Franken, den die erhaltenen zerschnittenen Fälschungen darstellen, war also eine beachtliche Summe!

«Rappenspalten» im staatlichen Auftrag

Die geprägten Fälschungen sind von hoher Qualität: Es wurden nur Jahrgänge hergestellt, die es auch offiziell gab – Stempelschnitt und Prägung sind ausgezeichnet. Irgendjemand hat sie dennoch entlarvt und gemäss den Vorgaben des Bundes gehandelt: Entdeckte oder vermutete Fälschungen waren durch amtlichen Zahlstellen, darunter Gemeindeverwaltungen, Poststellen und Verkehrsbetriebe, zurückzuhalten und zu zerschneiden. Doch: Wer hat die Münzen eingezogen und entwertet? Wurden sie einem unglücklichen Bauern oder Gastwirt abgenommen, der übers Ohr gehauen wurde, oder der Person, die sie unauffällig in Umlauf setzen wollte? Recherchen, ob in den Archiven ein Falschmünzer-Fall belegt ist, sind angelaufen.

 

Bilder: Caroline Heitz und Markus Peter bei der Metallanalyse am pXRF-Analysegerät im Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern; Eines der hervorragend geprägten, gefälschten 20 Rappenstücke mit dem Jahrgang 1850. Nach dem Einzug wurde es zerschnitten. Fotos: zVg
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