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(pd) In der Schweiz wachsen schätzungsweise 100 000 Kinder mit einem alkoholkranken Elternteil auf, hinzu kommen diejenigen, deren Eltern an einer anderen Sucht leiden. Diese Kinder verschweigen ihre Not aus Loyalität zu den Eltern, sie sind aber oft einsam und leiden massiv unter der Situation. Mit der 2019 erstmals in der Schweiz durchgeführten Aktionswoche soll dieses Tabu gebrochen werden, damit den Kindern geholfen werden kann.

Während dieser von Sucht Schweiz koordinierten Aktionswoche führen zahlreiche Organisationen in zwölf Kantonen 38 öffentlichkeitswirksame Aktionen durch. Wenn ein Elternteil alkoholabhängig ist, leidet die ganze Familie darunter: die betroffene Person, aber auch der Partner oder die Partnerin sowie die Kinder. Für die Kinder bedeutet dies oftmals, dass das Familienklima angespannt, konfliktbeladen und unberechenbar ist. Sie sind täglich mit Angst, Scham, Schuldgefühlen, Unsicherheit und nicht zuletzt mit Isolation konfrontiert.
«Mittags ist es unterschiedlich: Manchmal ist niemand zu Hause, dann muss ich mein Mittagessen alleine zubereiten mit dem, was da ist. Manchmal ist meine Mutter zu Hause, aber schon total betrunken und hört laute Musik, telefoniert, oder schreit mich grundlos an. Ich habe von Anfang an Angst, weil ich nicht weiss, was jetzt noch alles kommt…» (Suna Lommen)

Besondere Risikogruppe
Kinder von alkoholabhängigen Eltern stellen eine besondere Risikogruppe dar, später selbst zu erkranken. Im Vergleich zu Kindern aus Familien, die keine Suchtproblematik aufweisen, haben Kinder von alkoholabhängigen Eltern ein sechsmal höheres Risiko eine Sucht oder eine psychische Erkrankung zu entwickeln.
«In der Freizeit, in der andere sich treffen, spielen, irgendwo hingehen, mache ich den Haushalt. Ich putze, wasche, kaufe Kleinigkeiten ein. Ich muss selber für meine Hygiene schauen. Selber schauen, wann ich frische Kleider anziehe. Dabei habe ich aber nur zwei Pullover im Winter zur Verfügung.» (Suna Lommen)
Kinder aus suchtbelasteten Familien lieben ihre Eltern und wollen sie schützen. Umgekehrt wollen auch suchtkranke Eltern gute Eltern sein und verheimlichen aus Angst und Scham ihre Krankheit. Deshalb wird die schwierige familiäre Situation meist geheim gehalten und die Kinder tragen die Last dieses Geheimnisses während der ganzen Kindheit. Ihr Leiden wird deshalb oft nicht erkannt.

Aus dem Schweigen ausbrechen
Mit dieser nationalen Aktionswoche soll das Tabu gebrochen und die Öffentlichkeit für die Situation und die Bedürfnisse dieser Kinder sensibilisiert werden. Es soll ein Klima geschaffen werden, in dem Eltern, Kinder, Nahestehende und Fachleute aus dem Schweigen ausbrechen und Unterstützung suchen und finden können.
Die Erkennung und Unterstützung der gefährdeten Kinder stellt eine grosse Herausforderung dar. Das soziale Umfeld sowie Fachleute wissen bei einem vermuteten Suchtproblem oft nicht, wie sie reagieren sollen. Suchtfachstellen wie diejenige der Aargauischen Stiftung Suchthilfe (ags) richten ihr Beratungsangebot deshalb auch an Menschen aus dem näheren Umfeld sowie an Fachpersonen aus Berufsgruppen, die mit Kindern in Kontakt sind.
«In der Kindergruppe der ags habe ich gelernt, dass ich nicht Schuld bin, wenn mein Papa trinkt.» (Kevin Suter*)
Um dem spezifischen Leid von Kindern aus suchtbelasteten Familien zu begegnen, stellt die ags seit Jahren Angebote zur Verfügung. Das Beratungsangebot im Aargau, welches sich direkt an Kinder und deren Eltern richtet, ist vielfältig. Da gibt es zum einen professionell geführte Kinder- und Jugendgruppen. Sie bieten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, in Spiel und Gespräch zu erkennen, dass sie nicht alleine sind, etwas über Sucht zu erfahren, wieder mehr Selbstvertrauen zu gewinnen und Entlastung für ihre familiäre Situation zu erleben.

Familien gezielt unterstützen
Das Kursangebot «Gemeinsam stark» richtet sich an Eltern und Kinder, die von einer Sucht oder einer psychischen Krankheit betroffen sind. Familien werden gezielt unterstützt, Wege zu finden über die Erkrankung oder die Sucht zu reden und gestärkt zu werden. Weiter im Angebot steht der Kurs «Eltern vor allem – Eltern trotz allem». An vier Abenden können sich Mütter und Väter in einem geschützten Raum austauschen, in ihrer Elternrolle unterstützt werden und Ideen bekommen, wie die Widerstandkraft ihrer Kinder gestärkt werden kann. Ergänzend zu den Gruppenangeboten können jederzeit Einzelgespräche auf den jeweiligen Beratungsstellen von Kindern sowie Erwachsenen vereinbart werden. Die Beratungen sind kostenlos und vertraulich.
*Name geändert


Angebote für Kinder und deren Umfeld unter: www.suchtberatung-ags.ch
(Rubrik Informationen/Sucht & Familie)
Suchtberatung ags, Rheinfelden, Hermann Keller-Str. 9, 4310 Rheinfelden, Tel. 061 836 91 00,
www.kinder-von-suchtkranken-eltern.ch

Bild: Die nationale Aktionswoche gibt Betroffenen eine Stimme. Foto: zVg
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