Ein Produkt der mobus 200px

(pd) Am 16. Juli ist im Zoo Basel eine Vari-Familie eingezogen. Die quirlige fünfköpfige Schar besteht aus zwei jungen Männchen, einem Weibchen und den Eltern der drei. Die vom Aussterben bedrohten Schwarzweissen Varis gehören zu den Lemuren, einer Primatengruppe, die nur auf Madagaskar vorkommt.

Es ist nicht zu überhören: Der neu angekommenen Vari-Familie gefällt es auf der Insel im Zoo Basel: Alle fünf rufen und heulen gerne im Chor. Das sehr laute Geschrei ist eine Mischung aus Grunzen, Quieken, Bellen und Heulen und hat schon manchem Besucher einen kurzen Schrecken versetzt. Den eher niedlich aussehenden Tieren würde man einen solchen Lärm kaum zutrauen.

Sprechen mit Duft

Varis festigen mit ihren Rufen den Zusammenhalt der Gruppe, markieren ihr Revier und warnen sich gegenseitig vor Fressfeinden. Die «Vari-Sprache» besteht aus vielen verschiedenen Lauten mit unterschiedlichen Bedeutungen. Das beeindruckende Laut-Repertoire ist bis heute noch nicht vollumfänglich erforscht. Varis kommunizieren aber nicht nur über Rufe, sondern wie alle Halbaffen auch mit Duftmarken – dies im Unterschied zu den sogenannten «echten» Affen. Die Weibchen reiben die Duftdrüsen am Hinterteil zum Markieren an Objekte. Bei Männchen sitzen diese Drüsen an Nacken, Schnauze und Brust, weshalb sie die zu markierenden Objekte regelrecht umarmen.

Bereits 2016 zogen zwei männliche Varis auf die damals neue Insel im Zoo Basel. Geplant war, dass die beiden von Weibchen aus dem Zuchtprogramm EEP (EAZA Ex-situ Programm) für Schwarzweisse Varis, Gesellschaft bekommen und für Nachwuchs sorgen. Aber es kam anders: Im Zuchtprogramm fanden sich keine passenden Weibchen für die beiden Junggesellen. Sie verliessen den Zolli deshalb Ende Mai und leben heute im Zoo Apenheul in Apeldoorn (NL) in einer Männchengruppe. Die im Juli angekommene Familie stammt aus dem Vallée des Singes in Romagne (FR).

Aussergewöhnliche Jungenaufzucht

Varis gebären bis zu fünf Junge auf einmal. Bei anderen Primatenarten sind ein bis zwei die Regel. Als einzige Primaten bauen Varis ein Nest für ihren Nachwuchs. In den ersten zwei bis drei Lebenswochen tragen sie die Jungen auf der Futtersuche nicht wie andere Affenarten mit, sondern lassen sie im Nest zurück. Später tragen sie die Jungen –ähnlich wie Hunde oder Katzen es tun – im Maul herum und nicht wie für Primaten typisch an der Brust oder auf dem Rücken. Geht die Mutter auf Futtersuche, parkt sie die Kleinen in einem Baum. Die Jungen wachsen sehr schnell. Bereits nach drei Monaten sind sie recht selbständig und nach sechs Monaten ausgewachsen.

Varis haben kein typisches Sozialsystem und auch keine strengen Hierarchien. Man findet alle Kombinationen von Männchen und Weibchen in einer Gruppe. Typisch ist ein ausgeprägtes System von «Kommen und Gehen». In Kontakt bleiben sie – auch wenn sie sich nicht sehen – über ihre Duftmarken und die weitherum hörbaren Laute.

Varis fressen vor allem Früchte. Im Zoo gibt es fast nur Gemüse, da dieses eher der Zusammensetzung wilder Früchte entspricht. Dort zeigen sie ein spezielles Verhalten: Sie hängen sich kopfüber an Äste, um an unter den Ästen hängende Früchte zu gelangen.

Lebensraum der Varis schwindet

Laut IUCN (International Union for Conservation of Nature) sind Varis aufgrund von Lebensraumverlust und Bejagung vom Aussterben bedroht. Das EEP versucht Programme zum Austausch von Tieren, die in Madagaskar, in Zoos oder Auffang-Stationen leben, zu etablieren. Ziel ist es, in europäischen Zoos eine breit abgestützte Reserve-Population aufzubauen. Für die Zukunft kommen Schwarzweisse Varis für Auswilderungen zur Stabilisierung der wilden Populationen infrage.

Die Vari-Eltern im Zoo Basel sind 14 (Mutter) und 13 (Vater) Jahre alt. Die beiden jungen Männchen sind im April dieses Jahres geboren und ihre ältere Schwester 2017.

Teilen Sie diesen Artikel
Sie haben noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich jetzt!

Loggen Sie sich mit Ihrem Konto an