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Blumenwiese vor der Mahd in Mellikon. Foto: Pro Natura Aargau

(pd) Das Konzert vor der Mahd ist bald vorbei. Doch nicht überall: Ab dem 15. Juni dürfen extensiv bewirtschaftete Wiesen zwar gemäht werden. Einige Bauern mähen ihre Wiesen zugunsten der Natur später und lassen Rückzugsstreifen ungemäht stehen.» freut sich Matthias Betsche, Präsident Pro Natura Aargau. «So können Landwirte für den Erhalt der Artenvielfalt im Aargau viel Gutes tun. Sie helfen, wie z.B. Biolandwirt Roli Nussbaum in Densbüren, Insekten und Vögeln, die Mahdsaison unbeschadet zu überstehen. Denn die Tiere verlieren nicht auf einen Schlag die gesamte Nahrung und Deckung».

Fröhlich zirpt und summt die Wiese: In unseren Wiesen-Landschaften erklingt derzeit ein wunderschönes Konzert der Natur – bis zum 15. Juni, denn ab dem 15. Juni wird gemäht.
Laut Bundesamt für Umwelt dürfen extensiv bewirtschaftete Wiesen weder gedüngt noch mit Pestiziden behandelt und nicht vor dem 15. Juni gemäht werden, damit sich die Tier- und Pflanzenwelt länger ungestört entwickeln kann. Bauern erhalten dafür Direktzahlungen.
Matthias Betsche, Präsident Pro Natura Aargau, ruft alle Landwirte auf, dem Vorbild einiger Kollegen zu folgen, indem sie zugunsten der Natur später mähen und Wiesen-Streifen stehen lassen: «Studien zeigen auf, dass sich die Zahl der Wildbienen deutlich erhöht, wenn beim Mähen 10 bis 20 Prozent der Wiese ungemäht belassen werden. Nach zwei Jahren fanden sich gemäss diesen Studien in diesen Wiesen doppelt so viele Heuschrecken und eine um ein Viertel höhere Artenvielfalt als in jenen ohne diese Rückzugsflächen».
Erfolgt die Mahd einen ganzen Monat später als üblich, also am 15. Juli, gibt es sogar fünfmal mehr Heuschrecken als auf herkömmlich genutzten Flächen, wiesen die Forscher nach. Davon profitieren Tiere wie Vögel und Fledermäuse, deren Bestände im Agrarraum in den letzten Jahrzehnten markant rückläufig waren.
Matthias Betsche, betont, wie wichtig der Schutz der Wiesen-Landschaften für die Natur im Aargau ist: «Für den Schutz und die Erhaltung von in der Schweiz gefährdeten Tierarten kommt dem extensiv genutzten Wiesland im Aargau eine grosse Bedeutung zu. So ist zum Beispiel die Hälfte der im Kulturland vorkommenden einheimischen Brutvogelarten vom Aussterben gefährdet. Unter den Schmetterlingen sind gesamtschweizerisch sogar drei Fünftel aller Arten durch die Grünlandintensivierung vom Aussterben bedroht oder in weiten Landesteilen ausgestorben».
Die Mahd ist für die Erhaltung des Lebensraumes Wiese ein notwendiger Eingriff. Gleichzeitig ist sie aber auch ein gravierender Eingriff für die Tiere, die auf dieser Wiese leben. Matthias Betsche, Präsident Pro Natura Aargau erklärt: «Mit der Mahd verschwinden für die Tiere Futterpflanzen und Deckung auf einen Schlag, und das Mikroklima verändert sich. Ein späterer Schnittzeitpunkt, gestaffeltes Mähen und der Einsatz von schonender Mähtechnik können negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt verringern».
Die Tagfalter reagieren schnell auf Änderungen der Bewirtschaftung. Am meisten Arten fliegen in der zweiten Junihälfte und im Juli. Altgrasstreifen, welche nur jedes zweite Jahr geschnitten werden, stellen bei der Mahd wichtige Überlebens- und Rückzugsgebiete für die Tiere dar. Wildbienen und Heuschrecken gedeihen markant besser, wenn ein Teil des Grases stehen gelassen oder die Wiese später gemäht wird.
Die spätere Mahd fördert die Verbreitung der typischen Heuwiesenpflanzen wie Salbei, Esparsette, Margerite, Wiesenknopf und Orchideenarten. Bodenbrütende Vögel wie Feldlerche, Wachtel, Wachtelkönig, Braunkehlchen, Kiebitz und Schafstelze haben eine erhöhte Chance, dass ihre Brut nicht vermäht wird. Schmetterlinge wie zum Beispiel Bläulinge, Widderchen oder Perlmutterfalter, aber auch viele Käfer, Heuschrecken, Wanzen und Spinnen sind auf eine späte Nutzung angewiesen, damit sie ihren Entwicklungszyklus beenden können.

Unser Bild: Blumenwiese vor der Mahd in Mellikon. Foto: Pro Natura Aargau
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