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(eing.) Kürzlich ist im umfangreichen Jahrbuch der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau als ein Hauptbeitrag vom ehemaligen Aargauer Regierungsrat und Publizisten Silvio Bircher eine originell und noch nirgends geschriebene Geschichte der politischen Parteien des Aargaus erschienen.

Silvio BircherDer Autor

Silvio Bircher studierte Staats- und Volkswirt-schaft an der Universität St. Gallen. Chefredaktor beim «Freien Aargauer», Gross-, National- und Aargauer regierungsrat 1969 bis 1999. Seither freier Publizist, Autor verschiedener politischer Bücher, Politexperte bei Tele M1. Silvio Bircher wohnt in Aarau.

Sie umfasst sämtliche Parteien, beginnt bei der Gründung der vier historischen Parteien Freisinn-Liberale, KK-CVP, Arbeiterpartei-SP und BGB-SVP, zeigt die Wechselbäder in der Entwicklung zwischen den beiden Weltkriegen, das Auftreten neuer Partien wie Landesring, Jungbauern, nationale Front, Partei der Arbeit, später der Überfremdungsparteien, der 68er-Bewegung, der Grünen, Grünliberalen und BDP, die Querbeziehungen zu den schweizerischen Parteien und ihrer genauen Stärkeverhältnisse und Sitzzahlen in den Parlamenten von 1918 bis heute auf. Besonders attraktiv stellt der erfahrene Polit-Kenner und Buchautor Silvio Bircher zahlreiche politische Auseinandersetzungen und Politker der letzten Jahrzehnte dar.
Nachfolgend eine Passage im Originalwortlaut, beginnend bei der ersten Aargauer Proporz-Grossratswahl, bei welcher der Freisinn seine Mehrheit verlor:

«Im Aargau wurde eine erste Proporzinitiative von der Arbeiterpartei (später Sozialdemokratische Partei, SP) schon 1908 eingereicht, vom Volk aber mit 62 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Die katholisch-konservative Volkspartei (KK, später CVP) unterstützte das Anliegen, die Freisinnigen (FDP) wandten sich entschieden dagegen. 1919 nahm die SP den nächsten Anlauf. Das Volk stimmte diesmal im September 1920 der Initiative relativ knapp mit 24 788 Ja- gegen 20 196 Nein-Stimmen zu.Das nötige Wahlgesetz folgte auf dem Fuss, wobei auch im Kanton der Landesstreik und ein starker öffentlicher Druck mithalfen. Auch die neu gegründete BGB (Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei; Anmerkung der Redaktion) unterstützte den Proporz. 1921 fand die historisch bedeutsame erste Proporz-Grossratswahl mit damals 200 Mandaten statt. Davon gewannen die vier gros­sen Parteien 187 Sitze, nämlich SP 51, KK 47, BGB 46, FDP 43 Sitze. Fünf kleinere Parteien erzielten 13 Sitze: Fortschrittliche Bürger- und Bauernpartei 5, Grütli­aner 3. EVP 2, Volkspartei 2, Radikale Partei 1.
Sowohl 1921 wie 2017: neun Parteien im Grossen Rat
Einschneidend gestaltete sich dieses Ergebnis für die Freisinnigen: Sie verloren 97 Mandate sowie die Vormachtstellung im Kanton. Bei der letzten Majorzwahl von 1917 mit total 213 Mandaten verfügten die Freisinnigen mit 140 Sitzen noch über die absolute Mehrheit. Die KK zählten 55 Grossräte, die SP 18. Noch nicht vertreten war damals die BGB. Sie verbuchte deshalb den grössten Gewinn mit 46, gefolgt von der SP mit 33 Sitzen. Die KK verloren 8 Mandate. Zum Vergleich: 1917 teilten sich die drei Grossen die Sitzen im Grossen Rat. 1921 gelangten neun Parteien ins Parlament. Drei davon waren allerdings eng liiert mit SP, FDP, KK oder BGB.
Interessant fällt ein Vergleich mit heute aus. Die 140 Grossratsmandate für die Legislatur 2017/2020, gewählt am 23. Oktober 2016 – erstmals zusammen mit den Regierungswahlen – verteilten sich wie folgt: SVP 45, SP 27, FDP 22, CVP 17, Grüne 10, GLP 7, EVP 6, BDP 4, EDU 2. Somit sind erneut, wie damals 1921, neun Parteien im Kantonsparlament vertreten. Auf die elf Bezirke verteilt entfallen auf Baden 30, Aarau und Bremgarten je 16, Zofingen 15, Lenzburg 12, Brugg 11, Rheinfelden 10, Kulm 9, Laufenburg, Muri und Zurzach je 7 Grossratssitze.
Dank Poporz grosses Vorrücken der BGB und SP beim Bund...
Bei den Wahlen in den Nationalrat vor 1919 erreichten unter dem Mehrheitswahlrecht, teils dank entsprechender Wahlkreisgeometrie, der Freisinn und in ihren Stammlanden auch die KK Vormachtstellungen. Von den damals noch 189 Nationalratssitzen entfielen in der letzten Majorzwahl von 1917 auf Liberale/Radikale 115, KK 42, SP 20, Bauern 4, Diverse 8 Sitze. Anstrengungen zur Einführung des Proporzes erfolgten mit gescheiterten Volksinitiativen von 1900 und 1910. Am 13. Oktober 1918 stimmten Volk und Stände der Einführung schliesslich mit Zweidrittelmehrheit zu. Dank vorgezogener Wahlen als Folge der Landesstreikforderung gelang die Umstellung bereits 1919: Freisinn und Liberale sanken massiv auf zusammen 69 Sitze; die KK blieben mit 41 etwa gleich; die SP konnte die Sitzzahl auf 41 verdoppeln; auf Diverse entfielen 8. Die erstmals lose auftretende BGB gewann auf Anhieb 30 Sitze. Wohl war die Hegemonialstellung der Freisinnigen gebrochen, aber der Bürgerblock von FDP, KK und BGB verfügte immer noch über eine solide Mehrheit. 5 der 7 Bundesräte gehörten zum Freisinn, nachdem diese den KK 1891 mit dem Luzerner Josef Zemp den ersten Bundesrat und 1919 einen zweiten zubilligten. Zehn Jahre später kam die BGB auf Kosten der FDP mit dem Berner Ruedi Minger zu ihrem ersten Bundesrat. Der SP gelang dies erst 1943 mit dem Zürcher Ernst Nobs, nachdem sie zuvor 11 Nationalratssitze gewonnen hatte.
... und im Aargau je drei Nationalräte für die vier Parteien
1919 entfielen von den 189 Parlamentssitzen auf den Aargau 12 Nationalräte. Die vier Parteien FDP, KK, SP und BGB stelten je drei Volksvertreter. Im Ständerat vertraten zwei Freisinnige den Aargau. Dieser setzte sich bei damals 44 Sitzen aus FDP 23, KK 17, BGB 1, SP 0, Diverse 3 zusammen.
Für die Legislatur 2015/2019 entfallen auf den Aargau als viertgrössten Kanton 16 Nationalratssitze. Diese verteilen sich auf SVP 7, FDP 3, SP 2 und CVP, GLP, Grüne und BDP je 1. Im Ständerat wirken je eine Sozialdemokratin und ein Freisinniger. Im heutigen 200-köpfigen Nationalrat stellt die SVP mit 65 Mitgliedern die stärkste Fraktion. Es folgen SP mit 43, FDP mit 33, CVP mit 27, Grüne mit 12, GLP und BDP mit je 7 und Diverse mit 6 Mandaten.»

Die neue Schrift «Die Aargauer Parteien, von den Gründungsjahren bis zur Gegenwart» von Silvio Bircher ist Ende Dezember als Separatdruck bei «Hier und Jetzt», Verlag für Kultur und Geschichte GmbH, Baden, erschienen.

 

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