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Die Bewunderung und Neugier von Pfarrer Kai Hinz für und auf Edgar Wallace geht wohl ein wenig über das übliche Mass hinaus. Foto: Jörn Kerckhoff

«Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu werden» (it`s impossible not to be thrilled by Edgar Wallace) – mit diesem Satz wurden in den 1960-er Jahren eigentlich die neuen Filme des Kultkrimi-Autoren beworben, in denen die dunklen Seiten Londons zutage traten. Kaum jemand ist jedoch so sehr von Edgar Wallace gefesselt wie Kai Hinz, Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde Möhlin.

JÖRN KERCKHOFF

Mit etwa zwölf Jahren begann die Leidenschaft des Pfarrers und hat Ausmasse angenommen, die wohl mehr als die gewöhnliche Verehrung eines Superstars sind. Am Freitag bot Kai Hinz Einblicke in das Leben von Edgar Wallace und in seine eigene Edgar-Wallace-Schatzkammer, die sich im Laufe der Jahrzehnte mehr und mehr füllte. Hinz war auf Einladung der Veranstaltungsreihe «FreiTagsZeit» der reformierten Kirchgemeinde Wegenstettertal im Kirchgemeindehaus Zuzgen zu Gast.
«Cocktails meet Crime» lautete der Titel der Veranstaltung, was schon deutlich macht, dass es ein Abend mit einem gewissen Stil war – passend zu Edgar Wallace, der ebenfalls ein Genussmensch war. Die Besucher konnten sich bei Cocktails den Ausführungen von Kai Hinz über den Autor, der Literaturgeschichte schrieb, hingeben. «Mit zwölf oder 13 Jahren bekam ich einen Edgar-Wallace-Krimi aus der Büchersammlung meiner Mutter in die Hände. Sicher nicht ganz die richtige Lektüre für einen Jungen in diesem Alter, aber ich habe ihn verschlungen und wollte mehr von diesen Geschichten», erzählte Hinz von seiner ersten Begegnung mit dem britischen Autor.

Ein entscheidender Moment im Leben
Der Junge von damals konnte natürlich noch nicht wissen, welche Leidenschaft dieser Moment in ihm auslösen würde, als er das Buch in die Hände nahm. Edgar Wallace hat mit seinen Büchern viele gefesselt, aber Kai Hinz wollte irgendwann nicht nur die Bücher lesen, sondern den Autoren, der 1875 in Greenwich geboren wurde und 1932 in Hollywood starb, richtig kennenlernen.

Einfach Penelope Wallace angerufen
Die Gelegenheit dazu bot sich Hinz, der in seinem ersten Leben in der freien Wirtschaft tätig war, als er im Jahr 1978 erstmals in London war und dort einfach mal im Telefonbuch einer der berühmten roten Telefonzellen den Namen Wallace nachschlug und dort auf Penelope Wallace stiess, die jüngste Tochter des Mannes, der mit Werken wie «Der Hexer», «Der Frosch mit der Maske» oder «Das indische Tuch» unzählige Leser und später Filmfans in den Bann zog. Hinz rief Penelope Wallace einfach an, daraus entstand tatsächlich eine Freundschaft, die bis zum Tod der Wallace-Tochter im Jahr 1997 anhielt. Es gab offensichtlich eine ganze Reihe Momente im Leben von Kai Hinz, die ihn immer mehr in das Wallace-Universum trieben.
Von Penelope Wallace erfuhr Kai Hinz vieles aus dem Leben des Mannes, der literarisch unzählige Menschen auf mysteriöse Art ermordete, und erbte von ihr auch zahlreiche Exponate des Autors. In seinem Besitz befinden sich mehrere Erstausgaben von Wallace-Büchern, seine Geburtsurkunde, sein Testament und sogar das Bett des Kult-Autors. Eine Reihe seiner Sammlerstücke brachte Hinz zu seinem Vortrag mit und präsentierte sie dem staunenden Publikum.

Tatjana Hinz leidet lächelnd
Etwa 200 Kartons füllte Hinz‘ Edgar-Wallace-Sammlung beim letzten Umzug der Eheleute Hinz. «Sehr zum Leidwesen meiner Frau», gestand Kai Hinz am Freitag. «Bei einem Hobby wie meinem muss eine Frau wohl ziemlich leiden», erzählte der spätberufene reformierte Pfarrer – erst mit über 50 Jahren begann er sein Theologiestudium und ist seit September 2019 als Pfarrer in Möhlin tätig – seinem Publikum. Das entlockte seiner Frau Tatjana ein Lachen und heftiges Kopfnicken. Er komme an keinem Antiquariat vorbei, immer wieder begebe er sich dort auf die Suche nach Büchern von Edgar Wallace. Mit Erfolg: Eines Tages habe er Erstausgaben zweier seltener Wallace-Bücher in einem Antiquariat in London gefunden und für ganze 15 Pfund erstanden – ein echter Glücksfall.

Die Bewunderung und Neugier von Pfarrer Kai Hinz für und auf Edgar Wallace geht wohl ein wenig über das übliche Mass hinaus. Foto: Jörn KerckhoffJedes vierte verkaufte Buch ein Wallace
Ähnlich wie die Tatsache, dass Edgar Wallace zu dem berühmten Autor wurde, der er war – in einem Jahr war jedes vierte in England verkaufte Buch ein Wallace. Das war auch seinem enormen Fleiss zu verdanken. Das Theaterstück «On the spot», für das wohl der berühmte Gangster Al Capone die Vorlage lieferte, schrieb und vervielfältigte Edgar Wallace innerhalb von nur drei Tagen – und das ohne die heutigen technischen Möglichkeiten. Überhaupt waren die meisten Bücher von Edgar Wallace zunächst für das Theater konzipiert, erst später wurden sie zu Drehbüchern umgeschrieben. Der Spruch «Hallo, hier spricht Edgar Wallace» gefolgt von einer Maschinengewehrsalve wurde zum Markenzeichen der Verfilmungen und garantierte leere Strassen.

Als unehelicher Sohn einer Schauspielerin geboren
Zu erwarten war diese Karriere allerdings nicht. Edgar Wallace wurde als unehelicher Sohn der Schauspielerin Mary Jane Richards geboren. Diese gab in der Geburtsurkunde einen Walter Wallace als Vater an, der jedoch vermutlich überhaupt nicht existierte. Der wirkliche Vater war offenbar ein Schauspielkollege von Mary Jane Richards, dem sie diese Tatsache allerdings verschwieg. Bereits mit neun Tagen wurde Edgar von einem Ehepaar adoptiert, das ebenfalls zur damaligen Unterschicht gehörte. Aus der Schule machte sich der junge Edgar nicht viel, wie er in seinen Memoiren verrät. Mit 18 Jahren ging er zum Militär, später arbeitete er als Reporter, wobei er manche «Fakten» offenbar erfand, statt sie zu recherchieren – «Er war mehr ein Geschichtenerzähler als ein ernsthafter Reporter», erklärte Kai Hinz dazu. Nachdem Wallace eines Tages beim «Daily Mirror» gefeuert wurde, war es wieder ein glücklicher Umstand, dass er der Verlegerin des «Weekly Tale Tellers» (Der wöchentliche Geschichtenerzähler) begegnete. Dort konnte er zunächst seine Afrika-Romane, die seine Erlebnisse während der Burenkriege widerspiegeln, veröffentlichen.

Ein Vermögen verdient und ein Vermögen verjubelt
Wallace war eine Mischung aus Genie und Wahnsinn. Er arbeitete wie ein Besessener, verdiente auch ein Vermögen, mit dem er sich unter anderem einen Landsitz und mehrere Rolls Royce leistete. Gleichzeitig liebte er aber auch das süsse Leben. Wallace gab regelmässig Gesellschaften mit bis zu 200 Gästen, wettete auf Pferde und verschleuderte so auch ein Vermögen. Nach seinem frühen Tod im Jahr 1932 hinterliess er seiner Familie vor allem einen Berg an Schulden, alle Besitztümer gingen verloren. Eventuell war der Kummer darüber auch ein Grund, warum seine zweite Frau Ethel Violet nur ein Jahr nach ihrem berühmten Mann starb. Dabei waren die Schulden dank der Tantiemen aus seinen Buchrechten aber tatsächlich nach kurzer Zeit bereits getilgt.

Das Drehbuch zu King Kong geschrieben
Seinen wahrscheinlich grössten Erfolg, die Premiere des Films «King Kong», zu dem Wallace das Drehbuch geschrieben hatte, erlebte er nicht mehr. Der Film kam im Jahr 1933, ein Jahr nach dem Tod des Autors, in die Kinos. Wallace litt unter unentdecktem Diabetes und starb 1932 an einer Lungenentzündung, mit nur 56 Jahren.

Ein Pfarrer, der nicht frei von Sünde ist
«In der Bibel heisst es, dass man sich nicht Schätze sammeln soll auf Erden, sondern im Himmel», zitierte Hinz am Ende des Abends aus dem Matthäus-Evangelium, «da bin ich wohl etwas vom Weg abgekommen.» Hinz, der eine Schutzmaske mit der Aufschrift «Ich gehöre zu Gottes Bodenpersonal» trägt, nimmt sich selbst nicht zu ernst. Seine späte Erkenntnis, dass der Beruf des Pfarrers der einzig richtige für ihn ist, dagegen sehr. «Ich habe vielleicht eine etwas lange Leitung und meine Irrfahrt hat ein paar Jahrzehnte gedauert», gesteht der Mann, der sich seit zwei Jahren den himmlischen Belangen widmet, der aber weiterhin zu seinen irdischen Bedürfnissen steht. Mit viel Applaus wurde Hinz für seine Ausführungen zu Edgar Wallace bedacht, die er wie einen gut gemixten Cocktail servierte und immer wieder mit einem flotten Spruch garnierte.

Bilder: Die Bewunderung und Neugier von Pfarrer Kai Hinz für und auf Edgar Wallace geht wohl ein wenig über das übliche Mass hinaus. Fotos: Jörn Kerckhoff
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