Ein Produkt der mobus 200px

(sfa/bl) Es ist ein Mädchenprojekt der besonderen Art: Nebst dem Reiten auf Ponys und dem Umgang mit verschiedenen Tieren, Workshops in der freien Natur zur Auseinandersetzung mit den Sinnen sowie zur Sensibilisierung der Fremd- und Selbstwahrnehmung, geht es um die Förderung von Chancengleichheit und Selbstvertrauen, aber auch um das Aufzeigen beruflicher Perspektiven. Nachdem das «GirlsCamp», ein Gemeinschaftsprojekt der offenen Jugendarbeit von JAM! (Möhlin) und schjkk (Rheinfelden), in den Frühlingsferien aufgrund der Coronapandemie abgesagt werden musste, kann es diese Woche – in kleinerem Rahmen – doch noch stattfinden.

Das Angebot richtet sich an Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren und wird in diesem Jahr zum fünften Mal durchgeführt. Ursprünglich sollte das GirlsCamp in den Frühlingsferien stattfinden. Auf Grund von Corona wurde das Lager nun auf die Herbstferien verschoben. Die Jugendarbeitenden seien sich einig gewesen, dass man den Kindern trotz allem ein Erlebnis bieten wolle, sagt Bettina Ludwig von der Offenen Jugendarbeit (JAM!) Möhlin. «So haben wir uns entschieden, das GirlsCamp von vier Lagertagen auf zwei Einzeltage zu reduzieren.» Denn ohne die Übernachtungs- und Versorgungssituation, die die Einhaltung der Schutzmassnahmen zusätzlich schwierig gemacht hätten, sei das Projekt bezogen auf die Ziele realisierbar.
Als gemeinsames Projekt des schjkk Rheinfelden und der Jugendarbeit Möhlin fand das Angebot erstmals 2016 unter dem Namen «Ausflug ins Paradisli» statt. Die Jugendarbeit Kaiseraugst war ab 2019 erstmals dabei. Die Jugendarbeiterinnen von schjkk Rheinfelden und Jam! Möhlin, alle als Teil der Interessensgemeinschaft offene Jugendarbeit (IGOJA) Fricktal, sind die Organisatorinnen des Projektes.

Was läuft alles im «GirlsCamp»?
Im Vordergrund des Mädchenprojekts stünden nebst dem Reiten und dem Umgang mit den Tieren Workshops in der freien Natur, zur Auseinandersetzung mit den Sinnen sowie zur Sensibilisierung der Fremd- und Selbstwahrnehmung, sagt Bettina Ludwig. «Ziel ist es unter anderem, den Selbstwert der Mädchen positiv zu stärken. Dies geschieht nicht zuletzt dadurch, dass sie in Austausch gehen können mit Altersgenossinnen und auch berufliche Perspektiven aufgezeigt bekommen. Beim gemeinsamen Kochen wird auf eine ausgewogene und regionale Küche geachtet. Geschlafen wird ganz unkompliziert in einem Heuschober.»
Seit 2017 findet das GirlsCamp auf dem Gadi-Hof in Frick statt. Die Betreiber des Hofs, Familie Böller, veranstalten erfolgreich regelmässig eigene Erlebnistage. So sind die Tiere mit Kindern und Jugendlichen vertraut. Zudem sei der Gadi-Hof strukturell gut angebunden und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos zu erreichen. «Nicht zuletzt ist die Organisation und das Miteinander mit der Familie Böller seit Jahren positiv und unkompliziert. Man spürt die Freude an den Tieren, an den Kindern und die grosse Flexibilität auf dem Hof immer von neuem», freut sich Bettina Ludwig.

Das «GirlCamp» ist auch bezüglich der Teilnehmerzahl geschrumpft. Unter den neuen Bedingungen haben sich 8 Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren aus Rheinfelden, Möhlin und Kaiseraugst angemeldet. Aber warum eigentlich ein reines Mädchenprojekt? Bettina Ludwig: «Wir haben festgestellt, dass die offenen Angebote im Bereich der Erlebnispädagogik häufig durch die Teilnahme von Jungen dominiert werden. Das GirlsCamp bietet Raum, in welchem sich die Mädchen ungehemmt entfalten können. Das Thema Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz spielt dabei eine zentrale Rolle, denn Teenager haben häufig mit psychischen als auch physische Selbstzweifeln zu kämpfen. Durch die gemeinsame Zeit auf dem Hof, bei der alle Tätigkeiten selbstständig bestritten werden, wird den Mädchen und jungen Frauen die Möglichkeit gegeben, die eigenen Stärken und Fähigkeiten zu entdecken und zu festigen.»
Die Mädchen werden durch Fachpersonen sowie angehende Fachpersonen betreut. «Neben den Mädchen selber sind die sekundäre Zielgruppe Jugendarbeiterinnen mit dem Auftrag, Mädchenarbeit zu betreiben. Durch das Projekt haben die Frauen die Möglichkeit, einen Workshop in grösserem Rahmen anzubieten und Kompetenzen in diesem Bereich zu sammeln. Auch in Ausbildung stehende Frauen können so konkrete Erfahrungen in der Arbeit sammeln», erklärt die Jugendarbeiterin.

Und die Jungs?
Wie sieht es eigentlich mit Angeboten für die Jungs aus? «Ein «BoysCamp» gibt es nicht», gibt Bettina Ludwig zu. Die Jugendarbeit sei aber immer offen für Anfragen. So biete das Jam! beispielsweise die «Boys Night», bei welcher ein Abend mit Übernachtung im Jugendhaus, allein für Jungs, organisiert werde. Dieses Angebot stehe aber auch den Mädchen zur Verfügung. Des Weiteren gebe es diverse Sportprojekte, wie zum Beispiel das «Midnight Sports» in Rheinfelden oder auch das «Bunt Kickt Gut», welche hauptsächlich von Jungs besucht würden.

Corona hat in der Jugendarbeit vieles verändert
Leider habe Corona auf den Jugendarbeitsalltag einen grossen Einfluss, bedauert Bettina Ludwig. «Jugendarbeit ist in erster Linie Beziehungsarbeit. Distanzregeln und Maskenpflicht sind dabei alles andere als förderlich. Zudem müssen bestehende und neue Projekte unter Beachtung der Vorgaben überprüft, geplant und durchgeführt werden. Leider werden viele pädagogische Angebote durch die Schutzmassnahmen in ihrer Wirkungsweise erheblich eingeschränkt.» Die Jugendarbeitenden übernehmen deshalb viel Verantwortung bei ihrem Bemühen, die richtige Balance zu finden zwischen der Umsetzung der Corona-Schutzmassnahmen und dem Ermöglichen einer unbeschwerten Freizeiterfahrung für die Kinder und Jugendlichen.

Unser Bild: Regenwetterprogramm: Gestern Dienstag waren die Mädchen im Jugendhaus RJZ in Rheinfelden und verweilten sich mit dem Knüpfen von Freundschaftsbändern und dem Herstellen von Naturkosmetik, bevor es heute auf den Gadi-Hof in Frick ging. Foto: Sonja Fasler Hübner
Sie haben noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich jetzt!

Loggen Sie sich mit Ihrem Konto an