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«Unser oberstes Ziel ist es, dass Wandernde ein einwandfrei signalisiertes Wegnetz vorfinden und dieses ohne Hilfsmittel benutzen können», heisst es auf der Homepage des Vereins Aargauer Wanderwege. Aber wer sorgt eigentlich dafür, dass die Wege immer in einem Top-Zustand sind? Hauptverantwortlich dafür ist Peter Müller aus Frick. Als Werkmeister ist er das ganze Jahr über auf dem 1650 Kilometer grossen Wegnetz unterwegs, mäht, schneidet Sträucher, bessert Wege aus, setzt neue Tritte und Signalisationen, damit die Wanderer unbeschwert ihrer Passion frönen können.

SONJA FASLER HÜBNER

Es ist halb acht Uhr morgens. Peter Müller ist in seinem Magazin im ehemaligen Autobahnwerkhof A3 in Frick und hat längst den VW-Bus, der das Logo der Aargauer Wanderwege trägt, «bepackt». Nun kann es losgehen. Heute Morgen steht das Setzen eines neuen Wegweisers in einem Waldstück auf dem Schinberg ob Ittenthal an. Hier, etwa auf halbem Weg zur Schinberghöhe, hat das hiesige Forstteam ein Stück des Waldes abgeholzt. Damit tut sich an der dortigen Wanderwegroute ein wunderbarer Blick in Richtung Sisslerfeld und Schwarzwald auf. Eine neue Sitzbank lädt zum Verweilen ein. Was noch fehlt, ist die Signalisation des Wanderwegs, die vorher an einem der geschlagenen Bäume war. Im Moment sind nur provisorische, gelbe Pfeile auf einem gegenüberliegenden Baum und auf einem Strunk angebracht. Die Signalisation ist wichtig, denn sonst könnte man glatt den schmalen Waldpfad übersehen, der vom Waldweg abzweigt und zur Aargauer Wanderwegroute gehört.

Jeder Handgriff sitzt
Peter Müller fängt an, ein Loch zu graben. Wer meint, die Pfosten werden nur in den Boden geschlagen, der irrt. Es könnte ja jemand dagegen fahren oder den Pfosten mutwillig ausreissen. Der Boden ist lehmig und hart, und es dauert seine Zeit, bis ein etwa halbmeter tiefes Loch ausgehoben ist. «Manchmal stosse ich auf Fels oder Wurzeln. Dann kann es schon länger gehen, bis das Loch tief genug ist», erklärt der 53-Jährige. Nun betoniert er eine Eisenhülse ein, welche als Halterung für den Pfosten dient. Der Holzpfosten, zuvor mit der Motorsäge zugespitzt, wird nun in die Hülse eingelassen und mit einer Schraube gesichert. «So kann man ihn jederzeit wieder entfernen, beispielsweise wenn der Forst hier holzt.» Zu guter Letzt folgt das Wichtigste: Die gelben Wanderweg-Wegweiser mit den schwarzen Männchen drauf, die natürlich in die richtige Richtung zeigen sollen. Jeder Handgriff sitzt. Man spürt die Routine. Pro Jahr setzt er bis zu 90 solcher Wegweiserpfosten. Zurzeit werden beschädigte und unleserliche Schilder durch solche mit neuem Schriftbild ersetzt. Die Beschilderung auf Wanderwegen ist schweizweit einheitlich. Die alten Schilder sammelt Peter Müller im Magazin. Sie gehen an eine Firma, die daraus Rhomben stanzt, die danach wieder als Wanderwegmarkierung dienen.

Arbeit mit Aussicht
Arbeiten in der freien Natur, oft mit schönster Aussicht und dann noch die Ruhe des Waldes und Begegnungen mit Tieren, das muss ein Traumjob sein. «Für mich auf jeden Fall», sagt Peter Müller und lächelt. «Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit.» Er hatte sich 2012 beim Verein Aargauer Wanderwege auf die Stelle beworben und setzte sich gegen über 60 Mitbewerber durch. Zuvor arbeitete der gelernte Forstwart, der seine Ausbildung im Staatswald Kaisten absolviert hat, 19 Jahre beim Strassenunterhalt des Kantons auf der Autobahn A3. Im Zuge der Neuorganisierung des Strassenunterhalts und der Zusammenlegung mit anderen Kantonen wurde der Autobahnwerkhof in Frick aufgehoben. Peter Müller hätte nachher von Sissach aus arbeiten müssen. Für ihn kam die neue Stelle also wie gerufen. Danach wurde ihm so richtig bewusst, wie laut seine bisherige Arbeitsumgebung war. Aber so schön die jetzige ist, so anstrengend kann es auch sein. «Der grösste Teil meiner Arbeit ist das Mähen und Freischneiden, das teilweise zweimal im Jahr, im Frühling und Herbst, erfolgen muss.»
Je nachdem muss das Wegprofil ausgehackt werden. Oder es gilt neue Holztritte zu setzen. Rund 1000 solcher habe er schon angebracht, schätzt er. Zudem muss er Wasserabschläge erstellen und unterhalten, schlechte Wegabschnitte ausbessern und im Herbst in rutschgefährdeten Abschnitten Laub entfernen.
Sogar im Winter geht die Arbeit nicht aus. «Die Stimmung im morgendlichen Winterwald ist einmalig», findet er. Und ist das Wetter einmal allzu garstig, dann gibt es im Magazin noch mehr als genug zu tun.
Nur montags ist Peter Müller jeweils im Büro in der Geschäftsstelle in Oberentfelden, wo er sich mit seinem Chef austauscht und die Liste mit anstehenden Arbeiten erhält. Peter Müller kann dann seine Einsätze selbständig einteilen. Einsam fühlt er sich nie. «Manchmal wäre es schon gut, einen Helfer zu haben», gibt er zu. Aber er schätzt auch das selbständige Arbeiten und hat sich daran gewöhnt. Und wenn ein Unfall passiert? Immerhin arbeitet er mit Motorsäge, Freischneider und anderen nicht ungefährlichen Gerätschaften. Darüber habe er sich auch schon Gedanken gemacht, spätestens, nachdem er sich einmal gröber an der Hand verletzt hatte. Natürlich habe er sein Handy dabei, aber im Wald gebe es ab und zu Funklöcher. Mit diesem Restrisiko gilt es zu leben. «Und wenn ich Glück habe, findet mich ja ein Wanderer oder Biker», meint er schmunzelnd.

Unterstützung durch Freiwillige
Da Peter Müller nicht allein alle Wanderwege kontrollieren kann, wird er bei deren Unterhalt von rund 85 freiwilligen Mitarbeitern unterstützt. Es sind Vereinsmitglieder, hauptsächlich Pensionäre, welche die ihnen zugeteilten Abschnitte bearbeiten. Es handelt sich um jeweils 20 bis 30 Kilometer lange Routen, auf denen sie Sträucher zurückschneiden, Wegweisertafeln reinigen, Wanderwegmarkierungen wie Rhomben und Richtungspfeile malen und auffrischen sowie grössere Schäden an die Geschäftsstelle melden. Letztere muss Peter Müller dann beheben. Die Mitarbeitenden werden laufend geschult und jeweils im Mai auf die bevorstehende Signalisations-Saison vorbereitet. Da viele freiwillige Mitglieder aufgrund der Corona-Pandemie altersbedingt nicht arbeiten durften, fiel für den Werkmeister mehr Arbeit an als sonst. Dafür waren viel mehr Wanderer und noch mehr Biker unterwegs. Leider gebe es immer wieder Konflikte zwischen Wanderern und Bikern, wenn letztere die schmalen Waldpfade befahren, auf denen Fahrverbot gilt.
Wer meint, Peter Müller hätte in seiner Freizeit genug von Wanderwegen, der irrt sich gewaltig. Wandern und Kanufahren gehören zu seinen Hobbys, die er gerne mit seiner Frau Doris und den inzwischen erwachsenen Töchtern teilt. Besonders freut er sich jeweils auf die Wander-Woche, die er einmal jährlich mit einem Kollegen unternimmt. Ziel ist es, mit möglichst wenig Gepäck am Rücken auszukommen. Unterwegs ist man auf Schusters Rappen oder dem Kanu. Und Feuer wird natürlich nicht mit Streichhölzern oder Feuerzeug entfacht, sondern mit Feuerbohrer oder -stein.
Inzwischen sitzt der neue Wegweiser fest im Boden, der Beton ist angetrocknet und Peter Müller füllt das Loch rund um die Hülse mit der Erde wieder auf. Weiter geht’s zum nächsten Einsatz. Arbeit gibt es immer auf den Aargauer Wanderwegen.

Der Verein Aargauer Wanderwege
(sfa/pd) Warum in die Ferne schweifen, wenn wir vor der Haustür ein wunderbares Wandergebiet vorfinden? Der Verein Aargauer Wanderwege ist die Fachorganisation für Wanderwege und Wandern im Aargau. Der Verein wurde 1935 gegründet und zählt heute rund 2400 Mitglieder. Er ist Aktivmitglied der Schweizer Wanderwege. Als anerkannte kantonale Fachorganisation übernimmt der Verein die Betreuung der rund 1650 Kilometer Wanderwege mit Planung, Signalisation, Publikation von Wanderinformationen und den teilweisen Unterhalt des aargauischen Wanderwegnetzes in Absprache mit dem Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Der Verein Aargauer Wanderwege ist das Bindeglied von landschaftlichen Schönheiten zu naturkundlichen und kulturellen Sehenswürdigkeiten – möglichst auf Naturwegen und angebunden an Haltestellen des öffentlichen Verkehrs. Dieses einmalige Angebot ist nur mit dem Einsatz von Mitgliedern, Gönnern, Spendern und Freiwilligen sowie durch gute staatliche Rahmenbedingungen möglich. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen. Der Verein Aargauer Wanderwege bietet rund 40 geführte Wanderungen an. 17 erfahrene und qualifizierte Wanderleiter bilden das Team. Das Angebot reicht von der einfachen Wanderung bis hin zur Bergwanderung.
www.aargauer-wanderwege.ch

Unsere Bilder:
- Aussicht inklusive: Peter Müller montiert beim neuen Aussichtspunkt auf dem Schinberg einen Wegweiser.
- Mit dem VW-Bus ist Peter Müller auf dem 1650 Kilometer langen Aargauer Wanderwegnetz im Einsatz.
- Jeder Handgriff sitzt: Hier beim Betonieren.
Fotos: Sonja Fasler Hübner
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