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Der Weg in den Briefkasten bleibt für Gratiszeitungen teuer. Sie werden bei der Corona-Soforthilfe gegenüber abonnierten Zeitungen klar benachteiligt. Foto: Jörg Wägli

Die Coronavirus-Pandemie trifft die Medienbranche hart. Die Werbeeinnahmen sind drastisch gesunken. Nun hat der Bundesrat Soforthilfe beschlossen. Soforthilfe, von der im Printbereich nur abonnierte Zeitungen profitieren. Gratiszeitungen wie fricktal.info, das wöchentlich rund 43 000 Haushaltungen im Fricktal mit professionell aufbereiteten Informationen bedient, gehen leer aus. Ein absolut unverständlicher Entscheid.

Aufgrund der besonderen Bedeutung der Medien für die Demokratie hat das Parlament in seiner ausserordentlichen Session breit abgestützte Motionen überwiesen, um finanzielle Soforthilfe im Umfang von 57,5 Mio. Franken zu leisten. Der Bundesrat hat nun an seiner Sitzung vom letzten Mittwoch zwei entsprechende Notverordnungen verabschiedet. Eine davon betrifft die Presseförderung.
Zum einen werden die bereits aktuell geförderten abonnierten Tages- und Wochenzeitungen der Regional- und Lokalpresse ab dem 1. Juni während sechs Monaten durch die Post kostenlos zugestellt. Dafür ist ein Betrag von 12,5 Mio. Franken vorgesehen. Weiter beteiligt sich der Bund ebenfalls ab dem 1. Juni vorübergehend an den Kosten der Zustellung von abonnierten Tages- und Wochenzeitungen mit einer Gesamtauflage von mehr als 40 000 Exemplaren, die gemäss aktueller Regelung nicht förderberechtigt sind. Sie sollen vorübergehend ebenfalls von einer Zustellermässigung in der Höhe der heutigen regulären Ermässigung von 27 Rappen pro Exemplar profitieren. Für fricktal.info würde dies ebenfalls eine namhafte Unterstützung bedeuten. Ein Betrag, den die grösste Wochenzeitung im Fricktal aufgrund der aktuellen Situation mehr als gebrauchen könnte.

Benachteiligung von Gratiszeitungen
Könnte, denn obwohl fricktal.info über einen Leistungsauftrag zur Information der Bevölkerung und einen ausgebauten redaktionellen Teil (über 50 Prozent) verfügt, geht unsere Zeitung leer aus. Grund: Sie wird gratis in alle Haushaltungen des Fricktals verteilt. Gegenüber abonnierten Zeitungen, die aufgrund der Abos über einen Grundstock an Einnahmen verfügen, hat unser Verlag eine andere Finanzierungsvariante gewählt: fricktal.info finanziert sich fast ausschliesslich über Inserate. Lediglich 8 Prozent der Produktionskosten werden durch die Gemeinden, welche unsere Zeitung als amtliches Publikationsorgan gewählt haben, gedeckt. Entsprechend gross ist das Loch, welches die Corona-Pandemie in der Kasse hinterlässt. Mit dem Lockdown brachen die Inserateeinnahmen – faktisch von einem Tag auf den anderen – auf rund einen Drittel des sonst üblichen Volumens ein. Seit dem teilweisen Lockout zeigt sich zwar eine leichte Erholung des Inseratemarktes – für die Finanzierung von fricktal.info reichen die damit verbundenen Einnahmen jedoch noch bei Weitem nicht aus. Als Überbrückungsmassnahme musste fricktal.info Kurzarbeit anmelden und den Seitenumfang reduzieren – beides mit der paradoxen Konsequenz, dass die Informationstätigkeit der Zeitung nur noch reduziert erfolgen kann.

Zustellung als Kostentreiber
Auf eine Verbilligung der Posttaxen, wie vom Bundesrat letzte Woche beschlossen, wäre auch fricktal.info angewiesen – zumal die Kosten für die Post-Zustellung ohnehin ein kostentreibender Faktor sind. Während die Druckkosten in den letzten Jahren aufgrund von Überkapazitäten und der Konkurrenzsituation in der Druckbranche gesunken und die verlagsinternen Kosten (u.a. Redaktion, Inserateverkauf) stabil geblieben sind, musste bei der Zustellung der Zeitung ein stetiger Kostenschub hingenommen werden. Mittlerweile verursacht der Vertrieb durch die Post rund 40 Prozent der gesamten Kosten.
Nicht zuletzt wohl vor diesem Hintergrund ist bei der parallel zum Corona-Hilfspaket laufenden Überarbeitung der Presseförderung ebenfalls eine Verbilligung der Zustelltarife Thema. Allerdings wiederum nur für abonnierte Zeitungen. Gleiches gilt übrigens bei Online-Medien, welche mit der neuen Medienförderung ebenfalls nur bei Vorhandensein einer Bezahlschranke profitieren sollen.
Abonnemente und Bezahlschranken als Voraussetzung für Förderbeiträge – es scheint, als ob gratis nichts wert wäre, ganz egal, welche Leistung damit verbunden ist. Dabei sollten die Verantwortlichen in einer Zeit, in der unseriöse und/oder unüberprüfte Informationen nicht zuletzt dank Social-Media-Kanälen zunehmen, froh sein, wenn Medienunternehmen mit seriös, professionell und unabhängig arbeitenden Redaktionen ihre Produkte (ob gedruckt oder digital) allen Konsumenten unentgeltlich zur Verfügung stellen.

Verlag fricktal.info

Unser Bild: Der Weg in den Briefkasten bleibt für Gratiszeitungen teuer. Sie werden bei der Corona-Soforthilfe gegenüber abonnierten Zeitungen klar benachteiligt. Foto: Jörg Wägli
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