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Frisch soll es sein, schmackhaft und so naturbelassen wie möglich. Erzeugnisse direkt ab Hof sind schweizweit beliebter denn je. Bei der Direktvermarktung wird jeglicher Zwischenhandel umgangen, die Kunden sehen mit eigenen Augen, woher das Produkt stammt, und erhalten aus erster Hand Informationen über Anbau, Herstellung und Ernte. Ein Konzept, das auch im Fricktal bestens funktioniert.

MARIANNE VETTER


Auch auf dem Beerenhof in Wölflinswil im Hofladen von Gaby Grimm und Roger Schmid ist der Absatz ihrer Produkte gross. Während derzeit die Spargelernte auf Hochtouren läuft, beginnt in zirka zwei Wochen die Erdbeersaison.

15 000 Erdbeerstauden haben die Hofbetreiber gesetzt. Kein Zuckerschlecken! Denn in der Praxis heisst das: pro Staude fünfmal bücken bis zur Ernte – der Ertrag rund sieben Tonnen jährlich. Sehr beliebt bei Familien ist auch das Erdbeerfeld zum Selberpflücken.

Wertschätzung von regionalen Produkten steigt
Begehrter denn je ist derzeit der Spargel. Nur frischer Spargel ist guter Spargel. Kurz bevor sich ihre Köpfe öffnen, müssen die grünen und violetten Stangen täglich auf den Feldern abgeschnitten werden. Ziehen die Temperaturen an, muss pro Tag sogar zweimal geerntet werden. Auch hier heisst es: Bücken, bücken und nochmals bücken. Erntehelfer hat Schmid keine. Im Viererteam bewerkstelligen sie die «rückenintensive» Arbeit. «Unsere Böden in Wölflinswil sind schwer, deshalb bauen wir nur grünen Spargel an. Der Ernteertrag ist immer ein Auf und Ab», weiss Schmid aus Erfahrung. Sinken die Temperaturen nachts mehrmals hintereinander auf Null, könne dies zu Einbussen führen. Bis Mitte/Ende Juni wird auf den Feldern der Spargel geerntet. Letzter Stichtag ist der Johannistag, der 24. Juni. Das «Beerenhof-Lädeli» mit seinem «Kässli» – die Kunden zahlen in Eigenregie (auch Twint wird akzeptiert) – wird gut besucht. Oft entstünden angeregte Gespräche und auch Rezepte würden ausgetauscht, so Gaby Grimm.

 Was die Direktvermarktung so attraktiv macht, sind neben der unmittelbaren Regionalität und der Produktfrische auch der persönliche Kontakt zum Hersteller. «Gerade Familien mit Kindern kommen gerne vorbei. Woher stammen die Produkte, die auf den Tisch kommen? Wie wird produziert und wann wird geerntet? – Fragen, die die Hofbetreiber gerne beantworten. Und somit erhält das Direktvermarktungskonzept gar eine pädagogische Komponente», freut sich Gaby Grimm.

Konsumverhalten hat sich corona-bedingt verändert
Viele Hofläden stossen an ihre Grenzen. So auch «Broglis Hofladen» in Zeiningen. «Ein normaler Betrieb ist derzeit nicht mehr möglich, der Ansturm ist riesig», hält Charlotte Brogli fest. Weisser Spargel sei nur noch auf Vorbestellung zu haben – in rund zwei Wochen gehe auch hier die Erdbeersaison los.
Auch andere Hofläden, wie der Rüchihof in Möhlin, berichten von einer massiv höheren Abnahme ihrer Produkte.

Gründe für die zunehmende Nachfrage sehen die Fricktaler Hofbetreiber auch darin, dass viele Gastro-Betriebe in den vergangenen Wochen nicht öffnen konnten. Die Leute sind mehr zuhause und haben Zeit zum Selberkochen und vielleicht auch die Lust aufs Kochen wiederentdeckt.

Ein weiterer Grund sei sicherlich, dass die Grenzen derzeit geschlossen sind und somit nicht im benachbarten Ausland eingekauft werden könne. Ob die immense Nachfrage nach regionalen Produkten in den Fricktaler Hofläden auch nach Corona noch anhält, werde sich zeigen.

Bild: «Es ist schön zu sehen, dass die Kunden die saisonalen und qualitativ guten Produkte, die quasi um die Ecke zu haben sind, immer mehr zu schätzen wissen», freut sich Gaby Grimm vom Beerenhof in Wölflinswil. Fotos: Marianne Vetter

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