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Die Menschen entdecken wieder vermehrt die Natur vor ihrer Haustüre. Bedingt durch die Einschränkungen, welche die Corona-Pandemie mit sich bringt, unternehmen sie Spaziergänge in der näheren Umgebung, wandern durch Wald und Flur, entdecken die herrliche Landschaft im Fricktal mit ihren reichen naturnahen Strukturen. Dabei begegnen sie – mit etwas Glück – eventuell auch dem Neuntöter, dem BirdLife-Vogel des Jahres 2020. Denn obwohl sich die Bestände des Neuntöters in den letzten 30 Jahren in der Schweiz halbiert haben, verfügt das Fricktal noch über gute Bestände dieses «guten Botschafters für die ökologische Infrastruktur». Und im Baselbiet betreut BirdLife Schweiz beispielsweise das Projekt Farnsberg.


JÖRG WÄGLI

BirdLife Schweiz hat den Neuntöter zum «Vogel des Jahres 2020» erkoren. Er ist ein Charaktervogel des naturnahen und artenreichen Kulturlands und benötigt Dornenbüsche und insektenreiche Wiesen oder Weiden. Voraussetzungen, die das Fricktal zu bieten hat – dank entsprechender Fördermassnahmen, oftmals in Zusammenarbeit mit den Landwirten.

Neuntöter-Vorkommen im Fricktal
Der Aargauer Jura und damit auch das Fricktal gehören erfreulicherweise zu den Schwerpunktgebieten des Neuntöters in der Schweiz nördlich der Alpen. «Eine exakte Zählung wurde im Kanton Aargau beim Ornithologischen Inventar 1985-1987 durchgeführt. Damals wurden im Aargau noch über 600 Brutreviere gezählt. Schätzungsweise ein Drittel davon dürfte im Fricktal gelegen sein», erklärt Manfred Lüthy von der Agrofutura AG aus Brugg fricktal.info auf Anfrage. Manfred Lüthy ist Ornithologe und konnte in seiner Vor-Agrofutura-Zeit im Auftrag des Kantons Aargau das Ornithologische Inventar des Kantons Aargau 1985-87 leiten und durchführen. Seither betreut er das Avimonitoring Aargau. Im Rahmen dieses kantonalen Projekts werden Daten zur Entwicklung der aargauischen Brutvogelbestände gesammelt und aufbereitet als Grundlage für Schutz- und Fördermassnahmen. 1991 war Lüthy bei der Gründung der Agrofutura AG dabei, einem privaten Büro, das fachlich recht breit in verschiedenen Natur- und Umweltthemen arbeitet, dabei meistens an der Schnittstelle mit der Landwirtschaft. Eines der grösseren Projekte von Agrofutura ist die Beratung der Landwirte im Rahmen des kantonalen Programms Labiola bezüglich Förderung der Biodiversität, welches das Büro im Auftrag des Kantons Aargau durchführt. Dies ist ein Schwerpunktthema seit der Firmengründung.
Die Zahlen des Ornithologischen Inventars von 1985-87 sind heute natürlich nicht mehr aktuell. Zurzeit läuft im Rahmen des Avimonitoring Aargau jedoch eine neue Erhebung, welche 2018 gestartet wurde und dieses Jahr mehr oder weniger zum Abschluss kommen wird. Manfred Lüthy vermutet, dass die Bestände des Neuntöters im Fricktal in den vergangenen Jahren kleiner geworden sind, genaue Zahlen kann er jedoch noch nicht nennen. Allerdings gibt es eine provisorische Karte zu den Neuntöter-Beobachtungen 2018/2019. Über diese Daten, welche dem Kanton Aargau gehören, weiss Françoise Schmit von der Abteilung Landschaft und Gewässer Genaueres.

 Noch gute Bestände im Fricktal
Der Neuntöter ist neben der Zaunammer, dem Gartenrotschwanz und dem Baumpieper eine Fokusart des Kantons Aargau und wird deshalb gezielt innerhalb des Avimonitorings erhoben. «Aus den Erhebungen des kantonalen Avimonitorings geht hervor, dass der Neuntöter im Fricktal noch in guten Beständen vorkommt», darf Françoise Schmit fricktal.info verraten: «Die ehrenamtlichen Feldmitarbeiterinnen und -mitarbeiter konnten zahlreiche Beobachtungen im Feld machen und 30 sichere Bruten fürs Fricktal nachweisen. Das Fricktal ist im kantonalen Kontext die Schwerpunktregion für den Neuntöter.»
Allerdings sind auch im Fricktal seine Zahlen abnehmend. Wie aus dem Brutvogelatlas der Vogelwarte Sempach (Erhebungen zwischen 2013 und 2016) hervorgehe, hat das Vorkommen des Neuntöters schweizweit abgenommen, auch im Fricktal. Hier seien, so Schmit, leichte Abnahmen zu verzeichnen, ganz im Osten und Süden des Fricktals sei die Abnahme jedoch bedeutender. Deshalb sei es auch so wichtig, dass BirdLife Aargau und BirdLife Schweiz in Zusammenarbeit mit der Abteilung Landschaft und Gewässer sowie der Abteilung Landwirtschaft Aargau in diesem Jahr mit einem neuen Projekt starten würden, betont Françoise Schmit.

 Fördermassnahmen für den Neuntöter
Fördermassnahmen würden auf verschiedenen Ebenen laufen, erklärt Manfred Lüthy. Lokale Sektionen von BirdLife pflanzten und pflanzen da und dort in Zusammenarbeit mit Landwirten Hecken und Gebüschgruppen, welche Brutmöglichkeiten für den Neuntöter bieten. Im Rahmen des kantonalen Programms Labiola würden mit Landwirten Verträge abgeschlossen zur ökologischen Aufwertung und Bewirtschaftung von Landwirtschaftsflächen (siehe unter https://www.ag.ch/de/dfr/landwirtschaft/umweltprojekte/programm_labiola/programm_labiola-5.jsp). Lüthy: «In diesem Zusammenhang werden ebenfalls Hecken gepflanzt, extensive strukturreiche Weiden angelegt usw. und damit ein Beitrag geleistet zur Erhaltung des Neuntöters.»
 Seit Beginn dieses Jahres, in Zusammenhang mit dem «Neuntöter als Vogel des Jahres», seien BirdLife Schweiz, BirdLife Aargau und das Programm Labiola daran, ein gemeinsames Artenförderungsprojekt Neuntöter und Wendehals aufzugleisen. Vorgesehen sei, so Manfred Lüthy, dieses Projekt noch dieses Jahr zu starten.

Link zum Brutvogelatlas der Vogelarte Sempach: https://www.vogelwarte.ch/de/voegel/voegel-der-schweiz/neuntoeter/karten-und-diagramme.

Exkursionen
«Unterwegs im Neuntöterland» – «Neuntöter und Biogemüse»
(jw) Der Vogel des Jahres ist auch im Exkursionsprogramm von BirdLife Aargau Thema. Geplant wären zwei Exkursionen im Fricktal und Umgebung.
«Unterwegs im Neuntöterland» heisst es am Sonntag, 7. Juni. Geplant ist eine zirka zweistündige Wanderung durch das Zeiher Kulturland. Dabei kann mit etwas Glück der Neuntöter, der in Zeihen – dank ausgezeichneter Heckenstrukturen und artenreichen Blumenwiesen – ein Zuhause hat, entdeckt werden.
«Neuntöter und Biogemüse» lautet der Titel einer Exkursion nach Full vom 19. Juli. Die Teilnehmenden machen sich auf den Feldern von Biogemüsebauer Hanspeter Meier, schön gelegen in der Rheinschlaufe, auf die Suche nach dem Vogel des Jahres, dem Neuntöter, und anderen Kulturlandvögeln.
Ob die Exkursionen wie im Jahresprogramm vorgesehen, duchgeführt werden können, hängt von der Entwicklung der Coronavirus-Pandemie bzw. den damit verbundenen Weisungen des Bundesrates ab, an welche sich Birdlife Aargau selbstverständlich hält. Doch es besteht Hoffnung, dass auch bezüglich öffentlicher Veranstaltungen bis dahin eine Lockerung erfolgen könnte. Auf der Website von BirdLife Aargau sind die jeweils aktuellen Infos zu finden. Hier können sich interessierte Teilnehmende über Durchführung bzw. Absage der Exkursionen informieren. Vorerst abgesagt sind von BirdLife Aargau alle Veranstaltungen bis Ende Mai.

www.birdlife-ag.ch/aktuell

Bilder (von oben): BirdLife Schweiz hat den Neuntöter zum Vogel des Jahres 2020 gewählt. Foto: Patrick Donini.
Der Neuntöter benötigt Hecken mit Dornsträuchern und insektenreiche Wiesen oder Weiden in seinem Lebensraum; Neuntöter-Männchen;  unten: Neuntöter-Weibchen. Fotos: BirdLife Schweiz, Zürich / LubosHouska / M. Ruppen

 

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