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Das Corona-Virus stürzt die Menschen im ganzen Land in eine grosse Krise. Leute, die zur Risikogruppe gehören oder unter Quarantäne stehen, sollten ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Zu gross ist die Ansteckungsgefahr. Doch es gibt auch Lichtblicke. Die Solidarität wächst und wächst, und bereits in vielen Gemeinden haben sich Initiativen gebildet. Leute stellen sich zur Verfügung, Einkäufe, Botengänge oder Kinderhütedienst zu übernehmen. Bis jetzt hält sich der Bedarf in Grenzen, wie auf Nachfrage von fricktal.info zu erfahren war. Doch dies könnte sich schlagartig ändern, wenn die Zahl der Infizierten noch weiter steigen sollte. Hier einige Beispiele für Hilfsangebote in den Gemeinden.

SONJA FASLER HÜBNER

Florian Grimm aus Wittnau hat auf Facebook die Gruppe «Fricktal hebt zäme» ins Leben gerufen. Deren Ziel ist es, online eine wachsende Community zu bilden, um Helfende und Hilfesuchende zusammenzubringen. Er habe eine soziale Ader und habe einen sinnvollen Beitrag in der momentan schwierigen Lage leisten wollen, sagt der 17-Jährige, der eine Lehre als Fachmann Gesundheit (FaGe) absolviert. Auf der Internet-Seite www.hilf-jetzt.ch, auf der bereits über 600 Gruppen registriert sind, stellte er fest, dass es fürs Fricktal noch keine Gruppe gibt und fand gleichzeitig eine Anleitung, wie man eine erstellt. Das war vorletzten Freitag. «Mittlerweile gehören der Gruppe über 1370 Leute (Stand Montag) an», sagt der junge Mann, der mit rund 50 Teilnehmern gerechnet hatte. Es gebe die unterschiedlichsten Hilfsangebote wie «habe am Donnerstag frei und kann Kinder hüten» über «mache Botengänge oder Einkäufe für Senioren» bis zu «kann Hundefutter einkaufen». Auf der hilf-jetzt-Internetseite fänden sich für Helfer hilfreiche Tipps zu Hygienemassnahmen, Abwicklung der Zahlungen oder ein Quartier-Brief zum Ausdrucken, Ausfüllen und in der Nachbarschaft Aufhängen, denn gerade ältere Menschen hätten oftmals kein Zugriff zu sozialen Netzwerken.

«Die Gruppe ist mittlerweile zum Selbstläufer geworden. Die Solidarität im Fricktal ist gross, und ich erhalte viele megaschöne Rückmeldungen», freut er sich. Natürlich gebe es Vereinzelte, die das Ganze nicht so toll fänden und entsprechend unschöne Kommentare posten. «Meine Aufgabe ist es, solche Störenfriede auf der Facebook-Seite zu eliminieren.» Florian Grimms Engagement kommt nicht von ungefähr: «An meinem Arbeitsort sehe ich, wie wichtig es ist, dass jemand die Kinder von Eltern betreut, die im Gesundheitswesen arbeiten.»

Die Pfadi hilft
Bei der Pfadi Wallbach ist der Leitspruch «Jeden Tag eine gute Tat» keine leere Floskel. Das beweist die Gruppe, indem sie ihre Hilfe für Einkäufe, Botengänge, das Besorgen von Medikamenten oder sonstige Unterstützung anbieten. Das Angebot, das auch auf der Gemeinde-Homepage ersichtlich ist, wird von Leiter Dario Berther koordiniert (079 613 12 16). Unterstützt wird er nicht nur von den übrigen vier Mitgliedern aus dem Pfadi-Leiterteam, sondern auch von Pfadi-Eltern. Eine Mutter habe eigens eine Whatsapp-Gruppe ins Leben gerufen. Alle werden genaustens instruiert, insbesondere, was die Hygienemassnahmen anbelangt. Als Medizin-Student weiss Dario Berther, auf was geachtet werden muss. Jeder Lieferung werde ein Zettel mitgeliefert, auf dem stehe, dass man nach dem Auspacken die Hände gut waschen, sich nicht ins Gesicht fassen und die Waren noch etwas stehen lassen soll. Da viele Senioren kein E-Banking benutzen, werde man mit den Leuten eine Zeit abmachen, wann sie das Geld in den Briefkasten zu legen hätten.

«Bleibt zu Hause»
In Schupfart hat der Gemeinderat eine optimale Lösung mit dem Volg-Laden gefunden. «Der Volg ist bei uns eine Genossenschaft. Nicht nur die Gemeinde, sondern auch viele Einwohner sind Mitglied», sagt der zuständige Gemeinderat Fabian Leubin. Betroffene können ihre Bestellung direkt im Dorfladen telefonisch aufgeben. Der Laden laufe so schon gut und seit über einer Woche sogar sehr gut, freut er sich. Allerdings sei die Situation für das Personal sehr fordernd. «Gesundheit und Sicherheit des Personals stehen an erster Stelle», betont Leubin. Bereits vor über einer Woche wurde die Kaffeeecke geschlossen, dann wurden Wartezonen am Boden markiert und am Samstag schliesslich noch eine Plexiglasscheibe bei der Kasse montiert. Mit der Beschränkung von einer Person pro zehn Quadratmeter dürfen maximal noch elf Personen plus Personal im Laden sein. Seit vergangenem Freitag werde vom Lieferdienst Gebrauch gemacht. Wohl auch, weil das Personal Senioren gezielt darauf aufmerksam mache.
«Auch wir vom Gemeinderat appellieren an die Leute, die der Risikogruppe angehören, zu Hause zu bleiben und ihre Einkäufe nicht mehr selbst zu erledigen», betont Leubin. Der Lieferdienst ist für Dorfbewohner kostenlos. «Aufgrund der angespannten Situation und im Hinblick auf künftige weitere Verschärfungen und zusätzlichen Arbeiten wurde eine Pikettorganisation ab nächster Woche organisiert. Junge, gesunde und nicht zur Risikogruppe gehörende Einwohner sowie Mitglieder des Gemeinderates unterstützen das Team auf Freiwilligenbasis bei diversen Arbeiten – vorausgesetzt, es besteht Bedarf. Erfreulicherweise haben wir auch Teenager, die aktiv mithelfen», so Leubin.

Frau Gemeindeammann hilft
In Obermumpf hat die Frau Gemeindeamman das Heft gleich selber in die Hand genommen. Schnell und unbürokratisch hat Eva Frei für die Einwohner einen Einkaufsdienst aufgezogen. Betroffene können sich von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 12 Uhr bei ihr telefonisch melden (079 670 40 70). Sie organisiert den Einkauf und erklärt vorgängig den Ablauf betreffend Lieferung und Bezahlung. Bisher hatte Eva Frei erst eine Anfrage. «Viele haben jemanden in der Familie, der für sie einkauft», weiss sie. Nach dem neuerlichen dringlichen Aufruf des Bundesrats, dass Personen, die der Risikogruppe angehören, nach Möglichkeit zu Hause bleiben sollten, erwartet sie allerdings eine grössere Nachfrage. Auch für den Fall, dass sie die Einkäufe («Ich würde im Dorf, aber auch bei einem Grossverteiler, der Metzgerei oder in der Apotheke einkaufen, je nachdem, was gebraucht wird») nicht mehr selbst alle abwickeln könnte, ist die Frau Gemeindeammann gewappnet: «Ich habe vier Helferinnen, die zusätzlich einspringen könnten.» Die ganzen Abläufe hat sie bestens durchdacht. Desinfektionsmittel und Einweghandschuhe sind ein Muss. «Es bringt nichts, wenn ich mit Viren verseuchten Händen die Waren ausliefere.» Sie achte sehr darauf, dass es keinen Bruch in dieser Hygiene-Linie gebe. Eva Frei hat zudem ein Flugblatt erstellt, das demnächst in alle Haushaltungen verteilt wird. Darauf ist unter anderem ersichtlich, welche Lebensmittelläden, Metzgereien, Gärtnereien oder Kleidergeschäfte aus der Region einen Hauslieferdienst anbieten. Die Liste wird auch auf der Gemeindehomepage aufgeschaltet. Eine gute Zusammenarbeit sei auch mit dem örtlichen Volg-Laden entstanden. «Eine Volg-Mitarbeiterin, die im Dorf wohnt, hat sich zur Verfügung gestellt, Waren auszuliefern – auch ausserhalb ihrer Arbeitszeit.» Wichtig sei es in erster Linie, den Leuten das Gefühl zu geben, dass sie nicht alleine seien und sie sich jederzeit melden könnten. Eva Frei hat sich vorgenommen, in den nächsten Tagen gezielt betroffene Einwohnerinnen und Einwohner anzusprechen.

Hilfseinsätze durch das Gesundheitsforum
In Rheinfelden koordiniert das Gesundheitsforum Hilfseinsätze verschiedener Rheinfelder Organisationen für Menschen, die in der aktuellen Situation Hilfe benötigen www.gesundheitsforum-rhf.ch). Die Angebote sind vielseitig: Botengänge, Transporte, Fahrdienste, Kochen und Backen mit Lieferung, Hund ausführen, täglich telefonieren, administrative Arbeiten etc. «Das Angebot hat sich bereits institutionalisiert», freut sich die Präsidentin Bea Bieber, die täglich von 8 bis 19 Uhr erreichbar ist (079 351 15 59 oder ). Sie kann auf über 60 Helferinnen und Helfer zählen. «Wir haben sie mit einem Startset, bestehend aus Desinfektionsmittel, Handschuhen, Mundschutz und Ausweis, ausgerüstet und halten alle stets auf dem neusten Stand.» Dass ein Arzt und mehrere Vertreter aus Gesundheitsorganisationen im Stiftungsrat seien, sei diesbezüglich sehr hilfreich, betont Bea Bieber. Für die Zahlungsmodalitäten habe man ein eigenes Verrechnungssystem aufgebaut. «Viele ältere Leute zahlen mit Bargeld. Doch das geht irgendwann aus, und es ist eine zusätzlich Infektionsquelle.» Daher zahle man den Helfern das Geld für die Einkäufe aus und verschicke an die Hilfesuchenden eine Rechnung. «Auch für Leute, die in finanzieller Not sind und bisher von Angeboten wie ‹Tischlein deck dich› Gebraucht machten, finden wir eine Lösung», so Bieber. Bis am Montag seien bereits zehn Hilfegesuche eingegangen. Es gehe nicht um einmalige, sondern um wiederholte Einsätze. Deshalb achte man auch darauf, dass während der ganzen Krisendauer die gleiche Helferin für die gleiche Person zuständig sei. «Dieser soziale Aspekt ist gerade für ältere Menschen sehr wichtig», weiss sie. Auch das Gesundheitsforum hat sein Angebot auf der Hilf-jetzt-Internetseite registriert.

Kiss-Hilfe läuft
Bei der Nachbarschaftshilfe-Genossenschaft Kiss Fricktal mit Sitz in Stein ist der Hilfs-Service ebenfalls angelaufen, der nicht nur Kiss-Mitgliedern, sondern allen offen steht. Das Angebot ist auf der Internetseite www.kiss-fricktal.ch ersichtlich. Anfragen für Leute, die Hilfe bei Einkäufen oder für eine Fahrt zum Arzt benötigen, können sich bei den beiden Koordinatorinnen Nicole Naula (076 819 28 79) oder Luisa Munitello (076 726 59 94) melden. Ein entsprechender Flyer wurde in Stein bereits in alle Haushaltungen verteilt. Fünf Gesuche seien bereits eingegangen, bestätigte Luisa Munitello am Montag auf Anfrage. Drei aus Stein, eines aus Gipf-Oberfrick und eines aus Frick. Da die meisten Kiss-Genossenschafter über 65 Jahre alt sind und damit zur Risikogruppe gehören, kommen sie als Helfer nicht in Frage. Umso schöner sei es, dass der TV Stein seine Hilfe angeboten habe und zehn Mitglieder bereit seien, Einkäufe und Botengänge zu übernehmen. Auch hier wird darauf geachtet, dass immer der gleiche Helfer dieselbe Person unterstützt. Auf einem Infoblatt finden die Helferinnen und Helfer alle nötigen Informationen, wie die Warenlieferungen, Hygienemassnahmen und die Zahlungsmodalitäten abzuwickeln sind. Unter den Helfern seien erfreulich viele junge Leute, freut man sich bei Kiss.

Bilder:
In Schupfart wurde zusammen mit dem Volg-Laden ein Hauslieferdienst aufgebaut. Eine am Samstag montierte Plexiglasscheibe schützt das Personal.
Die Facebook-Gruppe «Fricktal hebt zäme» hatte im Nu über 1360 Mitglieder (Stand Montagmorgen).
Fotos: zVg
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