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Das Coronavirus wirkt sich immer mehr auf die Arbeitswelt aus. Kurzarbeit nimmt auch im Fricktal zu. Zudem kommt das Thema in den regionalen Arbeitsvermittlungszentren und den örtlichen Sozialdiensten an. Gewerkschaftsvertreter sind in Sorge, Arbeitnehmerrechte könnten unter die Räder kommen.

HANS CHRISTOF WAGNER

Nikolaus Güntert, Leiter Regionales Arbeitsvermittlungszentrum RAV Rheinfelden, und dessen Mitarbeiter spüren die Verunsicherung und die Sorgen der Menschen, wenn zurzeit mehr als sonst Kontakt aufgenommen wird, wenn auch nur telefonisch, da die Dienststelle wegen Corona für den Publikumsverkehr geschlossen ist. Anrufen würden auch die, welche durch Corona schon ihren Job verloren haben. Laut Güntert sind es Menschen mit Abrufverträgen, temporär Beschäftigte mit kurzen Kündigungsfristen und Arbeitnehmer im Stundenlohn. «Diese Gruppen melden sich aktuell zwei bis drei Mal mehr als normal.» Es kämen auch viele Anfragen von Arbeitgebern. «Doch dafür sind wir nicht der richtige Ansprechpartner», so Güntert.
«Das sind wir», so Maria Ender, Sprecherin des Amts für Wirtschaft und Arbeit beim Kanton Aargau. Seit Ende Februar seien die Voranmeldungen auf Kurzarbeitsentschädigung stark angestiegen. «Mittlerweile haben 546 Aargauer Unternehmen mit zusammen 9444 Mitarbeitern Kurzarbeitsentschädigung bewilligt erhalten. 560 Gesuche für weitere 9444 Mitarbeiter müssen noch geprüft werden. Wir versuchen, diese unbürokratisch und möglichst rasch zu bewilligen.» Laut Maria Ender sind aber auch viele neue Voranmeldungen eingegangen, die noch nicht gescannt wurden und in diesen Zahlen nicht enthalten sind. Wie viele davon von Unternehmen aus dem Fricktal stammen, registriert man beim Kanton nicht. Ender: «Dafür fehlt uns einfach die Zeit.»
Deutlich mehr zu tun als zu normalen Zeiten haben auch die Sozialdienste von Fricktaler Gemeinden. «Insgesamt hat der Bedarf nach telefonischer Beratung bei uns stark zugenommen», berichtet Marco Schwab, Leiter des regionalen Sozialdienstes Laufenburg, zuständig für Gansingen, Laufenburg, Sisseln und Stein. «Noch sind es ganz wenige Fälle, dass jemand wegen Corona Sozialhilfe beantragen muss, vielleicht zwei bis drei Selbstständige ohne finanzielle Reserven.» Doch Schwab ist sich sicher: «Das wird noch anziehen in den kommenden drei bis vier Wochen, wir werden sicher noch mehr gefordert sein.» Davon ist auch Michael Haefeli, Leiter des Sozialdiensts Rheinfelden, überzeugt.
«Wir rechnen mit einer Zunahme bei den Sozialhilfegesuchen. Vermutlich werden Personen, die im Stundenlohn angestellt oder selbständig erwerbend sind, keine oder weniger Arbeit haben und kein genügendes Einkommen mehr erzielen.» Auch sei damit zu rechnen, dass andere Leistungsansprüche wie beispielsweise Arbeitslosentaggelder nicht rechtzeitig geklärt werden könnten und dass so diese Personen ebenso an den Sozialdienst gelangen.
Urs Fingerlin, Präsident der Sektion Fricktal der Gewerkschaft Syna, sieht die Menschen derzeit doppelt belastet, «wenn sich die Angst vor Corona mit der vor dem sozialen Abstieg mischt.» Vieles an Arbeitnehmerrechten sei im Arbeits- und Obligationenrecht geregelt, aber eben nicht alles. Jetzt gelte es, ganz in der Schweizer Tradition, den Konsens zwischen Arbeitnehmern und -gebern zu suchen und miteinander das Gespräch zu führen. Kurzarbeit hält Fingerlin nicht für das richtige Instrument, die mit Corona verbundene Wirtschaftskrise zu lösen. «Das ist eher für Firmen, die in normalen Situationen in Not geraten, aber nicht in dieser grossen Zahl während einer Pandemie.» Kurzarbeitsentschädigung werde aus den Beiträgen der Arbeitslosenkasse finanziert. Unterm Strich stelle sich der Arbeitnehmer mit Kurzarbeit schlechter als regulär. Fingerlin plädiert dafür, der Wirtschaft in den Zeiten von Corona mit Steuergeldern zu helfen. «In der Finanzkrise wurden den Banken auch Milliarden von Franken gegeben. Das Geld muss jetzt einfach da sein.» Fingerlin bringt das 2016 an der Urne gescheiterte bedingungslose Grundeinkommen wieder ins Spiel. Damit würden aktuell auch jene Unterstützung erhalten, die nicht durch Kurzarbeitsentschädigung oder andere Hilfspakete unterstützt werden. «Wenn wir das schon hätten, wäre im Moment vieles einfacher.»

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