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Mitglieder des Vorstands von «Pro Bözberg» rund 450 Meter unter der Erdoberfläche in einem Stollen des Felslabors Bure (Frankreich). Eine Stollenbau- und Felsmechanik-Expertin (mit weissem Helm) erläutert, wie sich der Vortrieb der Stollen nach den vorherrschenden Gebirgsspannungen zu orientieren hat, um eine möglichst uneingeschränkte Integrität des Tongesteins zu gewähren Foto Pro Bözberg

(pd) Der Bözberg ist einer von drei potenziellen Standorten, die von der Nagra für die «geologische» Tiefenlagerung radioaktiver Abfälle in der Schweiz bestimmt wurden. Die Vereinsorganisation «Pro Bözberg» setzt sich als kantonal einsprache- und beschwerdelegitimierte Körperschaft kompromisslos dafür ein, dass in allen Fragen der nuklearen Entsorgung ausschliesslich Kriterien der höchstmöglichen Sicherheit zur Anwendung gelangen.

Um die Zusammenhänge in diesem komplexen Sachgebiet in eigener Kompetenz beurteilen zu können, erachtet es der Vorstand von «Pro Bözberg» als vordringliche Pflicht, sich nicht nur an Verlautbarungen der beteiligten Stellen zu orientieren, sondern aktiv und unabhängig auch die Entwicklung der nuklearen Entsorgung im Ausland zu verfolgen sowie Experten vor Ort anzuhören.
Vor diesem Hintergrund hat eine sechsköpfige Delegation des Vorstands von «Pro Bözberg» Ende Mai zwei für die nuk­leare Entsorgung in Frankreich zentrale Anlagen besucht: Das Felslabor bei Bure (Dépt. Meuse/Haute Marne), 450 m tief in einem Tongestein (vergleichbar dem Opalinuston der Nordschweiz), sowie das Lager Centre de l’Aube für schwach- und mittelaktive Abfälle. Die Teilnehmer haben die Reise in Eigenregie organisiert, vorbereitet und vollumfänglich bezahlt.
Die Studienreise habe für die Teilnehmer, so Pro Bözberg in einer Medienmitteilung, folgende Haupterkenntnisse gebracht:
– Die Einlagerungskonzepte der französischen und schweizerischen Entsorgungspflichtigen für hochradioaktive Abfälle (HAA) unterscheiden sich fundamental. So steht die Andra (= französische Schwesterorganisation der Nagra) kategorisch zum Primat einer technisch robust umsetzbaren, realitätsnah demonstrierbaren Rückholbarkeit der HAA. Dazu werden die Abfallbehälter in getrennten Kammern (frz. alvéoles) eingelagert. Die Nagra ihrerseits plant eine axiale Einlagerung der Behälter – hintereinander – in fast 1 km langen Stollen, was eine bergbautechnisch implementierbare Rückholung in der Praxis ausgesprochen anspruchsvoll erscheinen lässt.
– Die Sicherheit der Oberflächenanlagen (Betrieb, Personal, Daten, Unfälle, Sabotage) erfordert grossen Aufwand rund um die Uhr; nachts ist das gesamte Areal taghell beleuchtet. Die Gewähr für Sicherheit muss auf die gesamte Betriebsdauer bis zum endgültigen Verschluss des Lagers ausgelegt sein. Vergleicht man die bereits bestehenden Anlagen in Frankreich (sogar noch ohne Tiefenlager) mit geplanten Installationen der Schweiz (z.B. bei Villigen und Riniken), bestehen mehr als ernsthafte Zweifel, ob überhaupt ausreichend Platz (zwischen Wald und Dorf) für schlagkräftig schützbare Anlagen vorhanden ist.
– Kurzlebige schwach- und mittelaktive Abfälle lagern in Frankreich einbetoniert in zwei überwachten Oberflächenanlagen: Centre de la Manche (Normandie) und Centre de l’Aube (bei Troyes). Tiefenlager werden dafür nicht als zweckdienlich erachtet.
Die Teilnehmer der Studienreise sind der Auffassung, dass ein verstärkter Dialog der schweizerischen Entsorgungspflichtigen mit ihren französischen Kollegen auf der technisch-wissenschaftlichen Ebene gefördert, wenn nicht gar von den zuständigen Bundesbehörden (BFE, Ensi) gefordert werden sollte. Denn wie dieser Augenschein in Frankreich gezeigt habe, bestehe bereits auf der konzeptionellen Ebene seitens der Schweizer Tiefenlagerplanung ein erheblicher Erklärungsbedarf.
Pro Bözberg werde, so die Organisation in ihrer Mitteilung weiter, die Erkenntnisse der Studienreise auf ihrer Homepage (www.proboezberg.ch), an der Mitgliederversammlung, in Pressemitteilungen, Blogs sowie gegebenenfalls in Korrespondenz mit den zuständigen Stellen in die Diskussion einbringen.

Unser Bild: Mitglieder des Vorstands von «Pro Bözberg» rund 450 Meter unter der Erdoberfläche in einem Stollen des Felslabors Bure (Frankreich). Eine Stollenbau- und Felsmechanik-Expertin (mit weissem Helm) erläutert, wie sich der Vortrieb der Stollen nach den vorherrschenden Gebirgsspannungen zu orientieren hat, um eine möglichst uneingeschränkte Integrität des Tongesteins zu gewähren
Foto Pro Bözberg

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