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Den Weg von Aarau nach Schupfart legte Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth im offenen Jeep zurück. Dort angekommen, half er auf dem Betrieb von Andy und Pia Steinacher beim Kirschenpflücken. Für den Landstatthalter eine Premiere.
HANS CHRISTOF WAGNER


Aber bevor es losgeht, instruiert Andy Steinacher den Politiker noch. «Wir pflücken hier eigentlich keine Kirschen, sondern Stile», sagt er. Soll heissen: Die Früchte nicht direkt anfassen, sondern über die Stile ablösen. Doch schon bald stellen sich erste Fragen. Was tun, wenn die einen Kirschen noch rot, die anderen aber schon schwarz sind? Welche zuerst nehmen? Auch da hat der Schupfarter Obstbauer den passenden Tipp: «Probieren geht über Studieren.» Was süss ist und gut schmeckt, wandert ins Körbchen, egal welche Farbe. Schnell hat Dieth seinen gefüllt.

Lob für den Neuling
Steinacher findet, er macht den Job gut, für einen Neuling: «Denn ein guter Pflücker ist nicht nur schnell, er kann sich nebenher auch noch unterhalten, Multitasking eben», klärt er auf. Er hat noch mehr Interna parat: «Ein echter Chriesi-Günner spuckt den Stein nicht aus, er schluckt ihn mit runter.» Und: «Wer nach dem Einsatz hungrig nach Hause geht, ist selber schuld.» Heisst: Naschen ist erlaubt.
Dieth wird schnell eines klar: Fricktaler Chriesi-Bauern sind ein lustiges, entspanntes Völkchen, bei dem der Plausch-Faktor ganz oben steht. «Wenn ich keine Freude daran hätte, hätte ich die Bäume schon längst abgesägt», räumt Steinacher ein. Wie eine grosse Familie wirken er, Ehefrau Pia und die bis zu 20 Freiwilligen, die neben dem prominenten Gast aus Aarau normalerweise die Früchte pflücken. Franz Wyrsch aus Möhlin ist einer von ihnen. Schon seit 18 Jahren kommt er Jahr für Jahr zu den Steinachers nach Schupfart. «Wir haben es hier alle lustig und der Humor der Familie gefällt mir. Ich habe die noch kein einziges Mal jammern hören.»

Mit Netzen und Folien
Als Wyrsch um 2000 das erste Mal kam, musste er zum Pflücken noch auf Leitern steigen. Hochstammbäume waren damals die Regel, schön für das Fricktaler Landschaftsbild, aber schwer zu bewirtschaften. Heute kann Wyrsch bequem vom Boden aus die Kirschen erreichen. 2005 hat Steinacher umgestellt, so dass jetzt zwei der 2,3 Hektare umfassenden Kirschenanbaufläche auf den Spalierobstbereich entfallen. Dort reifen die Früchte in einem geschützten Areal – nach oben mit einer Folie vor Regen, oben und an Seiten mit engmaschigen Netzen vor Schädlingen wie der Kirschessigfliege geschützt. Das hat Vor- und Nachteile. «Wir müssen jetzt deutlich weniger spritzen und können auch bei Regen ernten», berichtet Steinacher. Aber: Unter Folie und Netz ist es auch deutlich heisser als unter freiem Himmel, draussen auf der Wiese, wo die Hochstammbäume stehen. Bei der aktuellen Hitze können es die Erntehelfer nicht allzu lange aushalten. So fangen sie dieser Tage schon gegen 6 Uhr früh an zu arbeiten.

 Kordia und Regina Hauptsorten
Diese und die kommenden Wochen im Juli wird auf dem Schupfarter Betrieb jede helfende Hand gebraucht. Denn dann sind die späteren Sorten Kordia und Regina reif – die beiden Hauptsorten der Steinachers. Insgesamt rechnen sie mit einer überdurchschnittlich guten Ernte: «Sicher mehr als 20 Tonnen», schätzt Andy Steinacher. Aber die Ernte ist des eher kühlen Mais wegen zwei bis drei Wochen verzögert.
Mit etwas über 2600 Tonnen Schweizer Tafelkirschen rechnen Kanton und Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg für 2019. Der Aargau ist hinter dem Baselbiet zweitgrösste Anbauregion. «Jede zweite Schweizer Kirsche stammt aus dem Aargau», berichtet Dieth. «Das stimmt mich stolz.» Steinacher hat Dieth 2018 kennengelernt und ihn auf seinen Hof eingeladen. Aber nicht nur um etwas über den Kirschenanbau zu hören, sondern auch, um selbst aktiv zu werden. Seit rund zweieinhalb Jahren Regierungsrat gehört auch die Landwirtschaft in dessen Ressort. Diese findet Dieth «genauso wichtig wie die Finanzen», vor allem auf die kurzen Wege der Produktion vor Ort komme es an: «Warum aus fernen Ländern importieren, wenn es bei uns vor der Haustüre wächst.»

Fünf Prozent über den Hofladen
Bei der Vermarktung seiner Ware geht Steinacher verschiedene Wege. Rund fünf Prozent der Ernte verkauft er direkt im angeschlossenen Hofladen. Das Gros erreicht über die Fenaco-Agrargenossenschaft die Grossverteiler, wo das Steinobst entweder unter dem Label «Jurapark-Kirschen» oder als Schweizer Ware verkauft wird. Wobei der Handel streng ist. Grosse, süsse und knackige Früchte verlange er heute. «Die Qualität können Hochstammbäume nicht liefern. Die kann nur aus Anlagen wie diesen kommen», erklärt Matthias Müller, Leiter Landwirtschaft Aargau. Er wie Steinacher bedauern, dass Leiter örtlicher Grossverteiler-Filialen bei der Wahl von Lieferanten keinen Spielraum hätten, um so örtlichen Produzenten Absatzmärkte zu verschaffen. Nur bei Volg sei dies möglich. Und die Kirsche ist ein sensibles Obst. Zwar lagerfähiger als Erdbeeren, ist Kühlung dennoch das A und O. Steinachers denken über die Investition in einen eigenen Kühlraum nach.

Jede zweite Schweizer Kirsche aus dem Aargau
Jede zweite Schweizer Kirsche stammt aus dem Aargau und davon jede zweite aus dem Fricktal, grösstes Anbaugebiet im Kanton, weiss Müller. Von den rund 200 Aargauer Steinobstproduzenten entfallen also etwa 100 aufs Fricktal. «Und im Moment steigt deren Zahl sogar leicht», wie der Experte berichtet. «Aber die Steinachers spielen schon in der Champions League mit.» Nur rund ein Dutzend Fricktaler Betriebe betreibe den Anbau so professionell wie der Schupfarter – nicht nur mit Netzen und Folien, sondern auch mit Bewässerungstechnik und Schutz vor Frostschäden. 2017, als im April ein tiefer Frost ein Grossteil der Ernte vernichtete, hatte Steinacher einen Teil der Früchte durch den Einsatz von Frostkerzen retten können.


Aber im Moment ist eher das andere Wetterextrem die Herausforderung: grosse Hitze. Für die Steinachers und die rund 20 Freiwilligen die strengste Zeit des Jahres. Irena Vyskocir aus Schupfart freut sich trotzdem drauf. Seit rund fünf Jahren kommt sie schon auf den Hof der Steinachers und hilft nicht nur bei den Kirschen, sondern auch beim anderen Obst: «Wir sind eine eingefleischte Truppe und verstehen uns prächtig.»

 

Bilder: Der Plauschfaktor stimmte - Markus Dieth (links) und Andy Steinacher. Bald war Dieths Körbchen voll. Fotos: Hans Christof Wagner

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