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Ob es als gutes Omen gewertet werden kann, sei dahingestellt, aber das Wetter präsentierte sich von seiner sonnigsten Seite, als die Gemeindevertreter von Bözen, Effingen, Elfingen und Hornussen den Zusammenschlussvertrag der vier Einwohnergemeinden bei der Waldhütte Grueb in Bözen der Presse präsentierten. Mit dem geplanten Gemeindenamen Böztal wurde vor kurzem noch die letzte Unklarheit ausgeräumt. Und der 13-seitige Vertrag sollte keine Fragen mehr offenlassen. Wenn doch, können diese an den kommenden Informationsveranstaltungen geklärt werden. Der Entscheid fällt an den am 27. Juni in allen vier Gemeinden gleichzeitig stattfindenden Gemeindeversammlungen.

SONJA FASLER HÜBNER

Rund zehn Jahre hat es vom ersten Anlauf für die Gemeindefusion bis zum jetzt druckfrisch vorliegenden Zusammenschlussvertrag gedauert. Man habe während dieser Zeit eine Auslegeordnung gemacht und dabei Herausforderungen und Chancen eruiert, so der Bözer Gemeindeammann Robert Schmid. «Es zeigte sich, dass die vier kleinen, ländlichen Gemeinden das Potenzial haben, gemeinsam in die Zukunft zu gehen.» Die grosse gemeinsame Qualität sei die Juralandschaft, in welche die vier Dörfer eingebettet seien, so Schmid. Und für alle nehme künftig die Komplexität aller Geschäfte und Aufgaben noch zu. Die Synergien zu nutzen und auf eine gemeinsame Zukunft zu bauen liegt für alle vier Gemeindevertreter auf der Hand.
Um die Fusion sauber abzuklären und aufzugleisen wurde Projektberater Jean-Claude Kleiner hinzugezogen, welcher bereits mit mehreren Gemeindefusionen in der Deutschschweiz Erfahrungen gesammelt hat. Acht Projektgruppen, in denen insgesamt hundert Personen aus den Gemeinden mitwirkten, erarbeiteten die Details für einen Zusammenschluss, welche der Bevölkerung im Rahmen eines Schlussberichts zusammen mit der Haltung der Gemeinderäte im Januar in Effingen präsentiert wurde. Die Quintessenz daraus: Eine Fusion wäre für alle vier Gemeinden der beste Weg.

Das BEEH-Projekt hatte allerdings noch einen Stolperstein zu meistern: den Namen. In einer Abstimmung hatte sich «Oberes Fricktal» durchgesetzt. Doch dies wurde weder von umliegenden Gemeinden, noch von der Regionalplanung und dem Regierungsrat goutiert. So ging man nochmals über die Bücher und liess ein weiteres Mal abstimmen. Daraus resultierte ganz klar der Name «Böztal». «Somit hätte auch das Tal, das bisher seltsamerweise noch gar nicht benannt war, seinen logischen Namen und lässt sich geografisch zuordnen», so der Effinger Gemeindeammann Andreas Thommen. Das Wappen bleibt unbestritten die Variante mit einer Weintraube, umrahmt von vier roten Sternen, welche die vier Dörfer, in denen Rebbau betrieben wird, symbolisiert. Im Vertrag wird festgehalten, dass die vier Gemeinden ihre Namen behalten, auf den Ortstafeln aber kleiner und in Klammer der Name Böztal hinzugefügt wird. Auch Postleitzahlen, Strassennamen und -nummern bleiben unverändert.

Allerdings stünde für Bözen, Effingen und Elfingen ein Bezirkswechsel an. «Dank Hornussen könnten wir in den Bezirk Laufenburg wechseln», erklärte Robert Schmid. Dies würde Sinn machen, sei man doch schon jetzt klar Richtung Fricktal organisiert, etwa in den Bereichen Regionalpolizei, ZSO, Feuerwehr, Schule, Abfallbeseitigung, Wasser- und Abwasser sowie der Repla. Im Bereich soziale Dienste bestehe noch eine Zusammenarbeit mit dem Bezirk Brugg, was eher ein Detail darstelle. Auch ein Wechsel des Wahlkreises würde anstehen. 1600 Einwohner hätten allerdings kaum einen Einfluss auf die Zahl der Grossratsmandate, so Schmid.
Laut dem Vertrag erhalten bei einer Fusion Ortsbürger der Gemeinden Bözen, Effingen und Elfingen automatisch das Ortsbürgerrecht der Gemeinde Böztal. Hornussen habe zwar die Ortsbürgergemeinde aufgelöst und in die Einwohnergemeinde integriert, so der Hornusser Vizeammann Guy David. Den ehemaligen Hornusser Ortsbürgern werde aber trotzdem unentgeltlich der der Zugang zur neuen Ortsbürgergemeinde gewährt. Im Bereich Schule würden auch nach dem Zusammenschluss die drei Schulstandorte in Effingen, Bözen und Hornussen beibehalten. Allerdings braucht es nur noch eine Schulpflege und eine Schulleitung.

Finanzell wäre die Fusion zweifellos ein Gewinn für alle. Der Kanton würde Böztal einen unveränderten Finanzausgleich für die nächsten acht Jahre garantieren. Es wäre zudem mit Zuschüssen von 6,5 Millionen Franken zu rechnen. Die durch den Zusammenschluss der Verwaltungen und die dadurch eingesparten Kosten für Angestellte und Behördenmitglieder würden laut dem Elfinger Gemeindeammann Giovanni Carau mehr als eine halbe Million Franken ausmachen. Nicht miteingerechnet seien dabei allfällige Mieteinnahmen durch die leer werdenden Liegenschaften. Der neue Steuerfuss für Böztal würde sich mit 114 Prozent nach dem tiefsten der vier Gemeinden, nämlich dem von Elfingen, richten. Die unterschiedlichen Wasser- und Abwasserpreise müssten innerhalb von vier Jahren harmonisiert werden. «Keine der vier Gemeinden wäre Gewinner oder Verlierer. Aber wird gewinnen alle im Kollektiv», bekräftige Carau.
Der Standort der Böztaler Gemeindeverwaltung wäre Hornussen. «Eine pragmatische Lösung», sagt Robert Schmid dazu. Das Hornusser Gemeindehaus habe als einziges das Potenzial alles unter einem Dach unterzubringen, die Steuerverwaltung sei dort heute schon beheimatet und es verfüge über rollstuhlgängige Büros. Zudem liege Hornussen für die meisten am Weg, wenn sie zum Arzt oder zum Einkaufen gingen, so Schmid.

«Die Sacharbeit ist nun getan, jetzt beginnt die politische Arbeit», betonte Projektberater Jean-Claude Kleiner abschliessend. Der kompakte und einfach verständliche, 13-seitige Vertrag kann ab sofort auf der Gemeindehomepage eingesehen oder auf den Gemeindeverwaltungen in gedruckter Form bezogen werden. Als nächster Schritt folgen Informationsveranstaltungen in allen vier Gemeinden (Hornussen und Elfingen am 5. Juni, Bözen am 6. Juni und Effingen am 12. Juni). An den Gemeindeversammlungen vom 27. Juni erfolgt in allen vier Gemeinden gleichzeitig die Abstimmung über den Zusammenschlussvertrag. Am 24. November findet die obligatorische Urnenabstimmung statt. Starten könnte die neue Gemeinde Böztal dann offiziell im Januar 2022.


Bild (v.l.n.r.): Andreas Thommen (Gemeindeamman Effingen), Guy David (Vizeammann Hornussen), Giovanni Carau (Gemeindeammann Elfingen), Robert Schmid (Gemeindeammann Bözen) und Projektberater Jean-Claude Kleiner präsentierten den Zusammenschlussvertrag. Foto: Sonja Fasler Hübner
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