Ein Produkt der mobus 200px

 Am 25. November hat es das Aargauer Stimmvolk in der Hand. Will es für den Wald mehr Geld ausgeben als bisher? Zur Abstimmung steht die Initiative «Ja für euse Wald» und ihre Forderung, dass der Kanton künftig 16 Millionen Franken für Pflege und Bewirtschaftung ausgibt. Einer, von dem die Initiative ausgegangen ist, ist Alfred Bühler, seit 1986 Revierförster von Gansingen.
HANS CHRISTOF WAGNER

Alfred Bühler läuft wie auf einem Teppich, auf einem Teppich von Buchenblättern. Schon sehr früh haben die Bäume diesen Herbst ihr Laub abgeworfen. Gansingens Förster denkt, dass es mit dem Mega-Sommer zu tun haben muss. Aber immerhin konnten sie der Trockenheit wegen vor einigen Wochen Holz fällen auf einem Areal, auf dem es sonst meist so feucht war, dass die schweren Erntemaschinen regelmässig ganz tief im Boden einsanken. Jetzt liegt der Holzschlag also da, doch viel Geld wird er nicht einbringen. «67 Franken pro Kubikmeter können wir aktuell im Schnitt erzielen», berichtet Bühler. «Dem steht ein Kostenaufwand von 53 Franken gegenüber.»

Zeit vor «Lothar»
Früher, sagt er, hätte man pro Kubikmeter bis zu 140 Franken erreichen können und die Gewinnspanne war auch noch höher. Mit früher meint Bühler die Zeit vor 20 bis 30 Jahren – die Zeit vor «Lothar», dem Jahrhundertsturm des Jahres 1999. Für ihn steht fest: «Über den Holzerlös allein können wir heute nicht mehr wirtschaften. Dabei machen wir heute schon oft nur noch das Minimum. Aber irgendwann ist das Raubbau und nicht mehr nachhaltig.» Nachhaltig heisst, dass aus dem Wald nicht mehr rausgenommen wird als nachwächst. Immer mehr gerate dieser schon vor 300 Jahren in der Forstwirtschaft entwickelte Grundsatz unter Druck, wenn immer noch grössere Erntemaschinen immer noch grössere Holzschläge ermöglichen.

16 Millionen statt nur fünf
Dabei ist Bühler auch schon am Kernanliegen der von ihm mit angestossenen Initiative angekommen: Ohne das zusätzliche Geld des Kantons geht es nicht mehr. 16 Millionen Franken – diese Summe, haben er und seine Försterkollegen ausgerechnet – braucht es. Allein acht Millionen Franken sollen dann in den Bereichen «Strassen/Erholung/Freizeit» und «Bodenschutz/schonende Holzernte» investiert werden – Förderfelder, die es bis jetzt gar nicht gibt. Dabei ist es nicht so, dass der Kanton sich aktuell dem Forst verschliesst. Auch jetzt schon fördert er Projekte im Aargauer Wald, aber mit nur rund fünf Millionen Franken jährlich eben deutlich bescheidener.
16 Millionen – umgerechnet auf die Einwohnerzahl wären das 25 Franken pro Kopf, im Verhältnis zum Staatsbudget 0,3 Prozent. Für die Initianten nicht viel angesichts der hohen Bedeutung des Forstes als Lebensraum für Flora und Fauna, als Naherholungsgebiet für den Menschen, als Ruhe-Oase gestresster Grossstädter, als Luftreinhalter und Sauerstoffproduzent. «Wir machen das nicht für uns persönlich, wir bekommen damit auch nicht mehr Lohn. Wir wollen auf lange Sicht für den Wald Sorge tragen», sagt Alfred Bühler.

Zu 70 Prozent Buchen
Um rund 500 Hektaren Wald tragen er und seine beiden Mitarbeiter Sorge – davon 300 Hektaren, die den Einwohnergemeinden Gansingen und Mönthal gehören, und 200 Hektarem Privatwald. Darin wachsen zu 70 Prozent Buchen – eine Baumart, die nicht allzu einträglich ist. Bühler: «Die Sorten, die am Markt höhere Preise erzielen, wie Eichen, Douglasien oder Lärchen, haben wir leider nicht.»
Gansingen ist als Forstrevier selbständig geblieben, insgesamt aber habe sich die Zahl der Aargauer Forstreviere in den vergangenen 30 Jahren halbiert.
Dass die Initiative «ineffiziente Forstbetriebsorganisationen auf lange Zeit zementiert», wie Kritiker behaupten, bestreitet Bühler. Er sagt: «Wir haben schon sehr viel rationalisiert.» In Gansingen arbeiten er und seine Mitarbeiter schon nur noch zur Hälfte für den Forst. Zu 50 Prozent übernehmen sie Arbeiten für die Gemeinde – Winterdienst, Strassenunterhaltung, Wasserversorgung usw.

Die Initiative «Ja für euse Wald» geht an die Urne, weil sie im Grossen Rat des Kantons Aargau nicht durchkam. In der Sitzung vom 8. Juni stimmten 32 dafür, 86 dagegen.

Mazzi: 16 Millionen Franken nicht zu verkraften
Franco Mazzi, FDP-Grossrat und Stadtammann von Rheinfelden, sagte Nein. «Ich halte den eingeschlagenen Weg via Kanton für falsch. Der Kanton ist derzeit nicht in einer finanziellen Situation, dass er Zusatzkosten von 16 Millionen Franken jährlich verkraften kann.» Zu denen, die dagegen stimmten, gehörte auch Alfons Paul Kaufmann aus Wallbach (CVP). Er glaubt, dass «der Verwaltungsaufwand im Kanton im Vergleich zu den eingenommenen Beiträgen absolut unverhältnismässig wäre.» Es bestehe die Gefahr, dass «gut formulierte Pseudoprojekte unterstützt und finanziert werden, welche dem Wald absolut nichts bringen.»

Ja-Stimmen und Enthaltungen
«Ich habe im Grossen Rat mit Überzeugung und Herzblut dieser Initiative zugestimmt», sagt indes GLP-Grossrat Roland Agustoni (Rheinfelden). «Der alleinigen Argumentation der hohen Kosten steht kein plausibles Argument entgegen, weshalb uns der Wald als Lunge und Natur-Erholungsraum für Tier, Mensch und unsere Nachkommen nicht den gebührenden Schutz, Respekt und Achtung wert sein soll.» Auch Colette Basler, SP-Grossrätin aus Zeihen, stimmte im Juni mit Ja. Ihre Argumentation: «Immer mehr Menschen suchen Erholung und Ruhe im Wald. Dass wir den Wald für alle unsere Bedürfnisse nutzen können, ist kein Selbstverständnis.» Elisabeth Burgener (SP, Gipf-Oberfrick) enthielt sich im Juni der Stimme wie auch Christoph Riner (SVP, Zeihen). Freunde der Initiative finden sich in allen kantonalen Parteien. Was auch für die Kritiker gilt, die sich in einem Gegenkomitee formiert haben und in dem, wie im Pro-Lager auch, ein Fricktaler federführend ist: Martin Mennet, Präsident der Jungfreisinnigen Fricktal aus Rheinfelden.
Die Argumente gegen «Ja für euse Wald»: beim 150 Millionen-Franken-Defizit des Kantons Aargau zu teuer, ein Angriff auf die Gemeindeautonomie und tatsächlich nur ein warmer Geldregen für die Waldbesitzer, allen voran die Ortsbürgergemeinden, die schon reich genug seien.
«Auf Kosten der Bildung den Wald vergolden», auf diesen Slogan hat das Komitee die Gegenkampagne zugespitzt. Für Alfred Bühler «Angstmacherei». Er ist sich sicher: «Die Aargauer schätzen den Wald, die Stimmbürger werden unser Anliegen verstehen und sich nicht verunsichern lassen.»

Bild: Alfred Bühler, Revierförster von Gansingen, hat die Initiative «Ja für euse Wald» mit angeregt und hofft am 25. November auf ein Ja der Stimmbürger. Foto: Hans Christof Wagner

 

Werbung

Suchen

Inserat-Karussell

  • 240456A.jpg
  • 237959B.jpg
  • 240149A.jpg
    www.2rad-ackle.ch    info@2rad-ackle.ch
  • 240604A.jpg
  • 238010B.jpg
      carrosserie_briano@bluewin.ch
  • 236924I.jpg
      info@garagebuser.ch
  • 240567A.jpg
      info@schilling-schreinerei.ch
  • 240607A.jpg
  • 240457A.jpg
  • 238006A.jpg
    www.schmid-dach-holz.ch    schmid.bedachungen@bluewin.ch
  • 240566A.jpg
    www.mobiliar.ch/rheinfelden    rheinfelden@mobiliar.ch
  • 238426H.jpg
      admin@egli.ag
  • 237939A.jpg
    www.maya-umzuege.ch    info@maya-umzuege.ch
  • 238035G.jpg
    www.meyerstoren.ch    info@meyerstoren.ch
  • 236547X.jpg
    www.moebel-brem.ch    pascal.brem@moebel-brem.ch
  • 237975A.jpg
    www.schaeuble-gmbh.de    info@schaeuble.eu
  • 236834T.jpg
    www.winter-transport.ch    info@winter-transport.ch
  • 240605A.jpg
  • 236729C.jpg
    www.homeinstead.ch\basel    chantal.candrian@homeinstead.ch
  • 240459A.jpg
      hoefler@hoefler.ch
  • 238020I.jpg
    www.danielauto.ch    info@danielauto.ch
  • 236438W.jpg
    www.bernet-metzgerei.ch    info@bernet-metzgerei.ch
  • 240291A.jpg
  • 238052A.jpg
    www.naef-kanal.ch  
  • 238864A.jpg
    www.fricktal.info    ruedi.moser@mobus.ch
  • 240488A.jpg