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 Der Appell war eindeutig: Sie als Stimmbürger haben es in den Sommergemeinden im Juni in der Hand. Machen Sie den Weg frei für die Neuordnung der Oberstufenlandschaft im unteren und mittleren Fricktal. Das war der Tenor einer Informationsveranstaltung in der Aula des Oberstufenzentrums Fischingertal (OSZF) in Mumpf. Rund 50 Interessierte kamen. Doch die fragten sich: Haben wir wirklich eine Wahl?


HANS CHRISTOF WAGNER


Keine Wahl, hiess es, liessen die gesetzlichen Bestimmungen des Kantons Aargau: Weil das Oberstufenzentrum Fischingertal sowohl bei der Mindestschülerzahl in den Klassen wie auch bei der Untergrenze an Abteilungen nicht mehr den Anforderungen entspreche. Und weil sich die Ausnahmebewilligung der kantonalen Schulbehörde nicht auf ewig verlängern lasse.

«Die erste Ausnahmebewilligung läuft im Sommer 2017 ab, eine weitere für die Schuljahre 2017/18 und 2018/19 liegt schon vor», sagte bei der Veranstaltung Iris Pümpin, Gemeinderätin von Wallbach und Vize-Präsidentin des OSZF-Schulvorstands. Danach aber sei definitiv Schluss. «Wir haben alle Alternativen geprüft, wir haben alles abgeklärt, was sonst noch möglich gewesen wäre», betonte sie. Aber aus Sicht des OSZF-Schulvorstands ist die mit der Kreisschule Unteres Fricktal (KUF)  Rheinfelden ausgehandelte Verbandslösung die langfristig einzig dauerhafte und auch die beste Wahl.

Rheinfelden je zwei Mitglieder
Erstmals stellte Stefan Güntert, Gemeindeammann von Mumpf, die Details der im Juni in den dann neun KUF-Gemeinden zur Abstimmung stehenden Schulsatzungen vor. Der KUF-Verbandsvorstand besteht aus sechs Vertretern, davon zwei aus Rheinfelden. Auch in die siebenköpfige KUF-Kreisschulpflege entsendet die Zähringerstadt zwei Mitglieder. Die übrigen Sitze in den beiden Gremien entfallen auf die anderen acht KUF-Gemeinden, die sie sich auch teilen.

Sicher – die Sitzgemeinde der Kreisschule sei dominant, räumte Güntert ein. Dafür biete aber allein die jetzt ausgehandelte Verbandslösung den neuen KUF-Gemeinden Mitspracherechte. Die Gemeinde Möhlin, ebenfalls als möglicher Oberstufenschulort für das Fischingertal im Gespräch, hätte diese Mitsprachrechte nicht gewährt. «Die zur Abstimmung vorliegende Satzung verschafft uns Sicherheit für die nächsten 35 Jahre», sagte Güntert. Ab 2019 werden am Rheinfelder KUF-Standort Engerfeld Prognosen zufolge 750 Schüler unterrichtet, wovon 130 auf die vier Fischingertal-Gemeinden entfallen und 60 auf Stein.
Güntert nannte als Vorteile einer grossen Schule allgemein das breitere Unterrichtsangebot und die bessere Infrastruktur. Im Falle der KUF Rheinfelden komme hinzu, dass diese sämtliche Schultypen – Sek, Real und Bez – unter einem Dach vereine. Zudem punkte sie als MINT-Schule, was für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik steht.

Plädoyer für Grösse
Auch für Christian Aeberli, Leiter der Abteilung Volksschule im  Departement Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau, macht eine gute Oberstufe vor allem eines aus: Grösse. «Es macht aus unserer Sicht Sinn, grössere Oberstufenzentren zu schaffen, denn sie bringen viele Vorteile mit sich, für Schüler, Eltern und Lehrer, und auch finanziell.» Angesichts des jährlichen Defizits des Kantons von 250 Millionen Franken gerate auch der Bildungssektor immer mehr unter Sparzwang. Nochmalige Verschärfungen der Mindestanforderungen an Oberstufenzentren könnten die Folge sein. Und dann auch Alternativen wie eine Fusion mit der Oberstufe EMS (Eiken-Münchwilen-Stein) wieder zu Fall bringen.

Aeberli wie auch Astrid Zeiner, Präsidentin des OSZF-Schulvorstands, machten klar: Kommt die angestrebte Lösung mit der KUF Rheinfelden nicht zustande, entscheidet der Kanton allein über die Zukunft der Oberstufenstandorte. Wenn auch «ungern», wie Aeberli sagte. Wobei: «Uns vom Kanton ist es eigentlich egal, wie Sie sich entscheiden.»

Wie es jetzt am Oberstufenzentrum Fischingertal bis 2019 weitergeht und was mit dem Gebäude geschieht, wollten die Anwesenden in der Diskussion wissen. «Wir wollen vor allem Stabilität», sagte Astrid Zeiner. Fünf Lehrpersonen hätten gekündigt, berichtete Kreisschulpflege-Präsidentin Kathrin Deubelbeiss. Deren Stellen seien aber schon wieder besetzt worden, mit «guten Bewerbern». Für das 2005 eröffnete OSZF-Schulgebäude in Mumpf gibt es Zeiner zufolge möglicherweise schon eine konkrete Perspektive – als Tagessonderschule, und, vorausgesetzt das klappt, auch als neuer Standort der Primarschule Mumpf. «Wir strecken überall hin die Fühler aus. Aber das ist nun einmal kein Einfamilienhaus», betonte sie.

Zuversicht beim OSZF-Verband
Auf Nachfrage äusserte sich Zeiner zuversichtlich, in den jeweiligen Sommergemeindeversammlungen im Juni das erforderliche Ja zum KUF-Beitritt zu erlangen. Wobei ein Nein in einer einzelnen Gemeinde das Gesamtprojekt nicht zu Fall bringt. In einem solchen Fall macht dann nur diese eine Gemeinde nicht mit. Doch da stellten sich auch die Besucher des Info-Anlasses die Frage: Wäre ein solches Votum wirklich die bessere Wahl?

Foto: Christof Wagner
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