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Böztal

Landammann Alex Hürzeler war an der ersten gemeinsamen Bundesfeier in Böztal zu Gast und setzte sich mir der Geschichte der vier fusionierten Dörfer näher auseinander. Foto: Sonja Fasler

Hoher Besuch in der Gemeinde Böztal zur Bundesfeier: Landammann Alex Hürzeler sprach in der eben erst fusionierten Gemeinde, strich deren Besonderheiten hervor und wünschte ihr eine sonnige Zukunft.

SONJA FASLER HÜBNER

An Sonne mangelte es den Besuchern auf dem Schulareal in Effingen auf jeden Fall nicht. Schattenplätze gab es keine. Trotzdem hatten sich ungewöhnlich viele Besucher zur Bundesfeier eingefunden. Der prominente Gast, die von der Gemeinde offerierten Speisen wie Würste, Steak und Pommes Frites sowie das Mitwirken vieler Dorfvereine (Füürwehrverein Hornussen, Frauenbund Hornussen, Landfrauen Böztal, Musikgesellschaft Hornussen und Damenriege/Turnverein Bözen) dürften das ihre dazu beigetragen haben. Auf jeden Fall mussten noch zusätzlich Tische und Bänke aufgestellt werden, damit alle sitzen konnten. Vizeammann Andreas Thommen stellte zudem erfreut fest, dass sich aus allen Dorfteilen gleichermassen viele Leute eingefunden hatten. Die vier Dorfteile Bözen, Effingen, Gut besuchte Bundesfeier in Effingen. Foto: Sonja FaslerElfingen und Hornussen scheinen bereits enger zusammengerückt zu sein.

Wer die Rede von Alex Hürzeler hören wollte, musste sich allerdings in Geduld üben. Die Gemeindeammann Robert Schmid begrüsste die Gäster. Foto: Sonja FaslerLautsprecheranlage, die bei der Hauptprobe am Nachmittag offenbar noch perfekt funktioniert hatte, versagte am Abend ihren Dienst, wie Gemeindeammann Robert Schmid, welcher mehrfach zur Begrüssung der Festgemeinde ansetzen wollte, feststellen musste. Die Rede verschob sich um eine gute halbe Stunde, die Musikgesellschaft Hornussen gab alles, um die Lücke musikalisch zu überbrücken. Der Landammann, ganz Profi, liess sich nicht aus der Ruhe bringen – obwohl er an diesem Abend noch eine Rede in Eiken halten durfte und zuvor schon in Oberkulm im Einsatz war.

Prominenter Festredner: Landammann Alex Hürzeler. Foto: Sonja FaslerBundesfeier statt Neujahrsapéro
Hürzeler wäre eigentlich schon schon am 1. Januar zum Neujahrs-apéro in Böztal Gast gewesen, hätte dieser nich corona-bedingt abgesagt werden müssen. Um so mehr freue er sich, jetzt zur 1.-August-Feier eingeladen zu sein. «Ihre Gemeinde schreibt seit dem 1. Januar 2022 eine neue Geschicht im oberen Fricktal und im Kanton Aargau», so der Landammann. «Das Besondere an Ihrer neuen Gemeinde ist ihre bezirksübergreifende Wirkung.» Drei der vier Gemeinden, nämlich Bözen, Effingen und Elfingen, gehörten seit der Kantonsgründung im Jahre 1803 zum Bezirk Brugg. Nun wechselten sie zum Bezirk Laufenburg und machten diesen dadurch zum grössten Bezirk im Kanton. «Einwohnermässig bleibt er allerdings mit rund 35 000 Einwohnerinnen und Einwohnern weiterhin knapp der kleinste», machte er deutlich. «Die Gemeinde Böztal wiederum bildet im Bezirk Laufenburg einwohnermässig auf Anhieb die viertgrösste Gemeinde, flächenmässig ist sie gar die grösste im Bezirk und – nach der auch eben erst aus acht Gemeinden funioierten Gemeinde Zurzach – die Die Musikgesellschaft Hornussen umrahmte die Feier musikalisch. Foto: Sonja Faslerzweitgrösste im Kanton.» So zeigte Hürzeler auf, wie sehr sich die aargauische Gemeindelandschaft in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewandelt hat. «Die Zahl der Gemeinden ging seit der Jahrtausendwende von 232 auf inzwischen exakt 200 zurück.» Mit der Fusion seien Bözen, Effingen und Elfingen gewissermassen zu ihren historischen Wurzel zurückgekehrt, gehörten die drei Dörfer früher doch zu den habsburgischen Vorlanden im Fricktal, bevor die Berner 1460 über den Jura vorstiessen und sich den Bözberg-Passübergang sicherten. «Die eidgenössisch-vorderösterreichische Grenze lag danach 338 Jahre lang zwischen Bözen und Hornussen, bis das restliche Fricktal im Zuge der Helvetik ab 1798 schrittweise ebenfalls eidgenössisch wurde.»

Corona ist noch nicht vorbei
Im weiteren ging der Festredner auch auf die allgemeine Situation rund um die Corona-Pandemie ein. Ein Thema, das leider weiterhin beschäftige. Gerade die Bereiche Bildung, Kultur und Sport, die ihm als Departementsvorsteher natürlich besonders nahestehen, seien betroffen. Leider machten sich auch in den Gemeinden «deutliche und anhaltende Bremsspuren» durch Corona bemerkbar. «Das schmerzt mich als Kulturdirektor und und überzeugter Vereinsmensch», betonte Hürzeler.

Bilder:
Landammann Alex Hürzeler war an der ersten gemeinsamen Bundesfeier in Böztal zu Gast und setzte sich mir der Geschichte der vier fusionierten Dörfer näher auseinander. 
Grosse Festgemeinde in Effingen.
Gemeindeammann Robert Schmid begrüsste die Gäste.
Die Musikgesellschaft Hornussen umrahmte die Feier musikalisch.
Fotos: Sonja Fasler

 

Die ganze Rede von Alex Hürzeler im Wortlaut:

Geschätzte Einwohnerinnen und Einwohner von Böztal, liebe Kinder
Sehr geehrter Herr Gemeindeammann und Damen und Herren Behörden- und Vereinsvertreter/-innen, liebe Musikanten der Musikgesellschaft und Helferinnen und Helfer des Füürwehrvereins
Geschätzte Festgemeinde
Das Jahr 2022 ist für mich ein besonderes Jahr. Zum dritten Mal nach 2013 und 2018 habe ich die Ehre, dem Aargauer Regierungsrat vorzustehen und somit als Landammann zu amten. Das bringt – gut unterstützt durch meine engsten Mitarbeitenden im Departement sowie unsere Staatsschreiberin – etwas mehr interne Arbeit mit sich, aber selbstverständlich bin ich und meine Terminagenda noch
etwas mehr bei verschiedensten Anlässen in unserem ganzen Kanton gefragt: von Delegiertenversammlungen, über Vereins-, Verbands-, Gemeinde- und Firmenjubiläen, Schwingfesten, Römertagen oder Buchvernissagen, Bezirksbesuchen und Landammann-Stammtischen bis hin zu offiziellen regierungsrätlichen Empfängen. Auch heute am 1. August, am 731. Geburtstag unserer Schweizer Eidgenossenschaft, darf ich an mehreren Bundesfeiern als Gast und Redner mit dabei sein. Über Mittag war ich zuerst in Oberkulm und später werde ich noch in Eiken erwartet. Davor aber darf ich bei Ihnen in der noch sehr jungen, eben erst fusionierten Gemeinde Böztal – auf der Sonnenseite 
– zu Gast sein. Eigentlich wäre ich ja bereits am 1. Januar dieses Jahres bei Ihnen gewesen. Ihr Neujahrsapéro musste aber leider corona-bedingt abgesagt werden. Gerne bin ich nun heute zur 1. Augustfeier zu Ihnen gekommen, herzlichen Dank für die Einladung als Festredner.
Ihre Gemeinde Böztal schreibt seit dem 1. Januar 2022 eine neue Geschichte im Oberen Fricktal und im Kanton Aargau. Seither sind die ehemaligen vier Dörfer Bözen, Effingen, Elfingen und Hornussen als fusionierte Gemeinde Böztal unterwegs. Das Besondere an Ihrer neuen Gemeinde ist ihre bezirksübergreifende Wirkung. Bözen, Effingen und Elfingen, die seit der Kantonsgründung im Jahre 1803 zum Bezirk Brugg gehörten, wechselten zum Bezirk Laufenburg. Dieser wurde damit flächenmässig zum grössten Bezirk des Kantons Aargau, einwohnermässig bleibt er allerdings mit rund 35'000 Einwohnerinnen und Einwohnern weiterhin knapp der kleinste (derzeit noch einige Hundert weniger als der Bezirk Zurzach). Die Gemeinde Böztal wiederum bildet im Bezirk Laufenburg einwohnermässig auf Anhieb die viertgrösste Gemeinde, flächenmässig ist sie gar die grösste im Bezirk und – nach der auch eben erst aus acht Gemeinden fusionierten Gemeinde Zurzach – die zweitgrösste im Kanton. Ja, die aargauische Gemeindelandschaft, vor allem in den Bezirken Brugg, Laufenburg
und Zurzach, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewandelt. Die Zahl der Gemeinden ging seit der Jahrtausendwende von 232 auf inzwischen exakt 200 zurück.
Mit der Fusion kehrten Bözen, Effingen und Elfingen gewissermassen zu ihren historischen Wurzeln zurück. Denn die drei Dörfer gehörten früher zu den habsburgischen Vorlanden im Fricktal, bevor die Berner 1460 über den Jura vorstiessen und sich den Bözberg-Passübergang sicherten. Die eidgenössisch-vorderösterreichische Grenze lag danach 338 Jahre lang zwischen Bözen und Hornussen,
bis das restliche Fricktal im Zuge der Helvetik ab 1798 schrittweise ebenfalls eidgenössisch wurde. Mit der Gründung des Kantons Aargau im Jahre 1803 verwandelte sich die frühere «Landesgrenze» dann in die neue Bezirksgrenze. Nachdem Hottwil mit der Fusion im Mettauertal 2010 den politischen Weg zurück ins Fricktal bzw. vom Bezirk Brugg in den Bezirk Laufenburg ging, nun Bözen, Effingen und Elfingen folgten, verbleibt diesseits des Jura nun noch Densbüren im Staffeleggtal als – alteidgenössisch historisch bedingt – dem Bezirk Aarau zugehörend.
Jetzt aber genug des Geschichtsunterrichts, zurück zu den heutigen Bundesfeiern: Es ist für mich keineswegs ein Marathon oder ein "Ghetz", wenn ich an mehrere 1. Augustfeiern eingeladen werde, sondern im Gegenteil immer eine grosse Freude und besondere Ehre. Denn unser Nationalfeiertag ist traditionellerweise ein gemütlicher Familientag im meist kleineren Rahmen und ich schätze den
Einblick in das farbige und fröhliche Gemeindeleben in unserem Kanton immer sehr. Es gefällt mir, zu sehen, dass auch hier in Böztal viele in den Ortsteil Effingen gekommen sind, gemütlich und zufrieden bei einer herzhaften Wurst, mit typisch schweizerisch-musikalischer Unterhaltung und in guter Gesellschaft zusammen feiern – Jung und Alt, Alteingesessene und Neuzuzüger, verschiedene Nationalitäten und Religionen, politisch mehr oder weniger Interessierte, solche die der Fusion kritisch gegenüber eingestellt werden und solche, die das von Anfang an für eine gute Sache gehalten haben; einfach alle, die sich hier daheim und wohl fühlen – das passt zu unserer Schweiz und zu unseren Werten.
Unser Nationalfeiertag bietet immer die Gelegenheit, eine kurze Standortbestimmung vorzunehmen: Wo stehen wir im Moment – was wird wohl kommen? Gerne tue ich das aus meiner Sicht als Aargauer Landammann und Bildungs-, Kultur- und Sportdirektor. Das seit zwei Jahren dominierende Thema war auch zu Jahresbeginn – und es ist weiterhin präsent – die Corona-Pandemie. Nicht zuletzt haben Sie Ihren Neujahrs- und "Start"-Apéro aufgrund Corona verschieben müssen. Die Ansteckungszahlen zogen im 1. Quartal rasant an und waren so hoch wie nie in der ganzen Pandemie. "Was Du auch? Bei uns war die ganze Familie positiv. Es ist aber nur eine leichte Erkältung gewesen!" klang es fast täglich in Firmen, Schulen und Vereinen. Glücklicherweise war und ist die zwar hochansteckende Omikron-Variante weit weniger gefährlich als ihre Vorgängervarianten, was sich – mindestens zurzeit – weiterhin in geringen Belegungszahlen in den Spitälern spiegelt. Das wiederum liess gut verantworten, die allermeisten angeordneten Schutzmassnahmen gänzlich aufzuheben. Seither ist in der breiten Bevölkerung eine grosse, bei der jüngeren Generation schon gar fast euphorische Aufbruchsstimmung spürbar. Freizeitaktivitäten, Kultur- und Sportanlässe finden wie eh und je statt. Aber bleiben wir wachsam, wir dürfen nicht vergessen,
dass es weiterhin zu Spitaleinweisungen und Fällen von Long-Covid kommt und Menschen an Corona sterben. Und was die aktuell wieder erhöhten Fallzahlen bis im Herbst bringen, ist und bleibt ungewiss.
Auf jeden Fall haben die Schweiz und der Kanton Aargau bewiesen, dass sie die Pandemie gut, will heissen mit überschaubaren Schäden für Wirtschaft und Gesellschaft, gemeistert haben. Trotz gegenteiligen Befürchtungen und zum Teil heftigen Diskussionen rund um Massnahmen und Kompetenzen ist unsere Demokratie nicht an den seit 100 Jahren nicht mehr gekannten Pandemie-Herausforderungen
zerbrochen. Bund und Kantone haben sich mit ihrer Eindämmungsstrategie auf einem gemässigten Kurs gefunden, der sich insgesamt bewährt hat. Im Ausland haben uns viele beneidet, denn unsere Massnahmen lagen teilweise weit hinter den Restriktionen von beispielsweise Deutschland, Frankreich oder Italien. Trotzdem, den einen gingen die angeordneten Massnahmen immer noch viel zu weit, den anderen viel zu wenig weit oder sie erachteten bspw. die Öffnung als viel zu rasch. Fakt ist: Wir sind weder in eine "Corona-Diktatur" abgerutscht, noch in einem Massnahmenchaos untergegangen. Wieder einmal zeigt sich: Die Schweiz und ihr föderalistischer Sonderweg
– das passt, ist gut und richtig! Als Landammann und Vorsteher des Departements Bildung, Kultur und Sport ist mir bewusst, dass
der "Erfolg" – wenn man dem so sagen will – im Umgang mit der Pandemie, nicht zuletzt dank professioneller Arbeit an der Basis möglich war. Bildung, Kultur und Sport waren wie viele andere Bereiche massiv von der Pandemie betroffen. Mir war es dabei immer wichtig, wenn möglich den Verantwortlichen vor Ort – so auch den Schulen – Handlungsspielraum zu lassen. Nur so waren der enorme Aufwand und die geforderte Flexibilität auf den unterschiedlichen Stufen unseres Bildungssystems zu meistern. Schulleiterinnen und Schulleiter, Lehrerinnen und Lehrer und Behörden und Verwaltung mussten sich jeweils rasch und flexibel auf die sich immer wieder ändernden Rahmenbedingungen einstellen. Stress, Hektik und Verunsicherung waren allgegenwärtig. Wenn immer möglich sollte der Kanton deshalb nicht mit dem Zweihänder eingreifen, sondern unterstützend lenken und den Verantwortlichen vor Ort Vertrauen schenken – so wie ich dies als Regierungsrat auch im ordentlichen Tagesgeschäft sehe.
Als Sportdirektor war mir natürlich sehr bewusst, dass die regelmässige Bewegung gerade im Zuge verschiedener Einschränkungen eine wichtige Rolle spielt. Ich bin deshalb auch rückblickend überzeugt, richtig entschieden zu haben, dass im Aargau – im Gegensatz zu anderen Kantonen – relativ schnell nach dem Lockdown im Frühling 2020 Trainings für Kinder und Jugendliche mit wenigen Einschränkungen wieder zugelassen waren. Nicht alle Sportarten und Altersstufen traf es dabei gleich, das ist mir völlig klar. Im Grossen und Ganzen hat aber der Vereinssport dank der engagierten Arbeit vieler Trainer/-innen, Vereinsfunktionären/-innen und freiwilliger Leiterinnen und Leitern unzähligen Kindern und Jugendlichen in einer Zeit mit wenig Freizeitmöglichkeiten wichtige Alternativen zu Netflix,
Spielkonsolen und Handys geboten.
Deutlich schwieriger, wenn auch ähnlich war es für die durch Corona schwer gebeutelten Kunst- und Kulturbereiche: Bund und Kanton stellten zwar wichtige Überbrückungsgelder bereit. Die Aufgabe, flexibel und innovativ auf die schwierige Situation zu reagieren, lag schlussendlich aber bei den Kulturschaffenden selber. Und wie sich jetzt zeigt, machen sich in der Kulturszene und im kulturellen Leben
in unseren Gemeinden teils deutliche und anhaltende Bremsspuren durch Corona bemerkbar. Die verordneten Restriktionen führten zu massiven Einschnitten: Männer- und Frauenchöre, Theatergruppen, Trachtenvereine, Alphorngruppen, Tanzensembles – es gab keine Proben, keine Auftritte und keine Treffen mehr. Viele Mitglieder sind abgesprungen und haben den Weg zurück in das Kulturlokal,
in den Musik- oder Gesangsverein nicht mehr gefunden. Das schmerzt mich als Kulturdirektor und überzeugter Vereinsmensch.
Vereine aus Sport und Kultur leisten wie hier in Böztal – man sieht's an der heutigen Bundesfeier beispielhaft – einen grossen und wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt, zum gesellschaftlichen Austausch, zur Integration und zu einem bunten und abwechslungsreichen Gemeindeleben. Im Wissen um die Folgen der Pandemie habe ich mich deshalb in meinem diesjährigen Landammannjahr ganz bewusst dazu entschieden, die sogenannten "Landammann-Stammtische" als Vereinstreffen zu organisieren. Ich besuche Proben und Trainings und komme mit den lokalen Vereinspräsidentinnen und -präsidenten – und damit diese auch unter sich(!) – ins Gespräch. Bei den Vereinstreffen kommt viel Spannendes wie auch Erwartetes zutage. Man hört wo der Schuh drückt, aber auch von
neuen Ideen und konstruktiver Zusammenarbeit zwischen Vereinen und der Gemeinde. Die Vereinstreffen helfen mir und auch meinen Verantwortlichen der Abteilung Kultur und der Sektion Sport, die mich begleiten, besser zu erkennen, wo der Kanton ggf. helfen oder seine Unterstützung ausbauen kann.
Für die Treffen tingle ich quer durch unseren vielfältigen Kanton: Im Juni war ich in Schneisingen im Zurzibiet, nächste Woche bin ich ganz im Westen in Strengelbach, dann folgen Reinach im Wynental, Merenschwand im Freiamt und später im Herbst komme ich schon wieder ins schöne Fricktal zu Ihnen nach Böztal, …ich bin gespannt, zu hören, was die Vereine zu berichten haben, wie sich in ihren
Augen die Fusion auf das Vereinsleben in den vier ehemaligen Gemeinden auswirkt. Das zweite grosse Thema, das uns alle und somit auch mich als Landammann und die Aargauer Regierung sehr beschäftigt und bedrückt: Auf dem europäischen Kontinent herrscht wieder Krieg. Tod, Zerstörung, Elend, Flüchtlingsströme mit Millionen von Menschen… Etwas, was viele durch die positive Entwicklung der letzten Jahrzehnte für nicht mehr denkbar hielten. Eine Grossmacht will einem anderen, freien Land gewaltsam den Weg Richtung westliche Demokratie versperren. Niemand weiss, wie lange das Töten, Zerstören und Entvölkern ganzer Städte und Landstriche sowie die zahllosen
Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine andauern. Aber, geschätzte Anwesende, wie gross unterschiedliche Ansichten, das gegenseitige Unverständnis und die Differenzen auch sein mögen: Gewalt kann und darf nie die Lösung eines Problems sein –
weder im Privaten noch als Machthaber eines Landes! Für uns – Bund, Kantone und Gemeinden – gilt es nun, sich den zu uns geflüchteten Menschen anzunehmen, ihnen zu helfen, sie zu unterstützen. Unterbringung, Beschulung, Integration in die Gesellschaft
und in den Arbeitsmarkt – diese Aufgaben lösen wir alle gemeinsam. Die nach wie vor feststellbare grosse Solidarität aus der Bevölkerung, von Gruppierungen und von Privaten zeigt, dass diese humanitären, staatlichen Aufgaben breit abgestützt sind und mitgetragen werden.
Ebenso müssen wir uns klarwerden, dass hier eine hochkomplexe geopolitische Situation entstanden ist, die einen Strudel schafft, der die globale Welt mitzureissen droht. Und für uns als neutrales Land stellt sich die Frage, wie wir reagieren sollen, auf diesen Krieg und all die dadurch ausgelösten Probleme und Fragestellungen. Was ist die "richtige" Russlandpolitik? Wie müssen wir mit der sich abzeichnenden Rohstoff- und Energieknappheit umgehen? Was bringen Sanktionen? Fest steht: Russlands Krieg hat nicht nur eine der wichtigsten Leitlinien unserer Aussenpolitik, sondern ein Kernelement des politischen Selbstverständnisses unseres Landes wieder in den Fokus der nationalen Politik gebracht: Unsere Neutralität. Und da möchte ich anlässlich unseres Nationalfeiertags abschliessend einige Gedanken mit Ihnen teilen. Zu einer ausgewogenen Debatte über die Schweizer Neutralität gehört zweifellos die Erkenntnis, dass unsere Neutralität eben kein Fertigmenü darstellt, das seit der Schlacht von Marignano 1515 felsenfest die Geschicke unseres Landes prägt. Vielmehr hat sich unsere Neutralität Schritt für Schritt ergeben und sich dabei immer neuen Situationen, Bedürfnissen und Rahmenbedingungen
anpassen müssen. Das ist sowohl 1848 bei unserer damaligen neuen Bundesverfassung von unserer modernen Schweiz so gewesen, wie auch 1907 beim Schweizer Beitritt zum internationalen Haager Abkommen zur Regelung des humanitären Völkerrechts, ganz bestimmt war es auch während den beiden Weltkriegen, insbesondere in den 1930'er und 1940'er Jahren so, als die Schweiz von Nazideutschland umzingelt war und neutralitätspolitisch einen Eiertanz vollziehen musste. Und es ist bis in die heutige globale Welt so, in der die Schweiz, ihre Bevölkerung, ihre Politik und unzählige ihrer hier ansässigen Firmen international eng verflochten sind. Die Definition der Neutralität muss sich darum immer wieder den Entwicklungen auf unserer Welt anpassen und muss immer wieder neu diskutiert werden. Und das ist aktuell in all diesen Geschehnissen richtigerweise auch im Gang. Ich bin überzeugt und habe grosses Vertrauen, dass Bundesrat, Parlament und Öffentlichkeit in dieser für unser Land wichtigen Phase und in dieser zentralen Frage verantwortungsbewusst einen
sinnvollen und vertretbaren Weg finden, den die Schweiz gehen wird. Dass man in beiden Debatten – Corona und Schweizer Neutralität – unterschiedlicher Meinung sein kann, ist vollkommen in Ordnung. Und Ihre heutige Bundesfeier und der Geburtstag unseres Landes
bieten geradezu die ideale Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich einzubringen und gemeinsame Linien zu finden. Egal ob über Corona, Neutralitätspolitik, die Schweizer Fussball-Nati, irgendwelche anstehende Schulhaus- oder Erschliessungsprojekte, die geschichtsträchtige Dauer der ersten Gemeindeversammlung von Böztal, den neuen Gemeindeslogan, oder über die Bratwurst vom Grill des Füürwehrvereins. All das macht eine echte 1. Augustfeier ja aus! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen weiterhin schönen Sommerabend und eine gemütliche Bundesfeier mit interessanten Gesprächen, ein gutes Kennenlernen untereinander und der Gemeinde
Böztal eine sonnige Zukunft.

 

 

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