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Kaisten

Christine van Weidmann-Truong (links) und Cristina Mazzotti stellen erstmals zusammen in Kaisten aus.  Foto: Peter SchützDie Kulturkommission Kaisten präsentiert in der Galerie Mühle ab diesem Samstag zwei Ausnahme-Künstlerinnen: Cristina Mazzotti zeigt Raku-Objekte, Christine van Weidmann-Truong Schriftbilder. Ein Zusammenspiel von unterschiedlichen asiatischen Techniken.

PETER SCHÜTZ

Der Pavillon bei Mazzottis ist aufgeräumt, ein Teil der für die Ausstellung in Kaisten bestimmten Objekte stehen ordentlich an der Wand. Die Gastgeberin ist sicher: «Das gibt eine schöne Sache, es passt gut zusammen.» Damit meint sie nicht nur ihre an Meeresgebilde erinnernden Gefässe, die eine geschlossene Werkgruppe ergeben, sondern auch die Kombination mit den Schriftbildern von Christine van Weidmann-Truong. Was beide eint: «Wir machen keine bunten Sachen», sagt Cristina Mazzotti. Sie arbeitet am liebsten mit Weiss, Schwarz oder Oxyden. Das Ergebnis ist formal und tonal auf das Wesentliche reduziert: kein Schnickschnack nirgends, alles wirkt ausgewogen und birgt dennoch eine intensive Spannung. Ebenso die Bilder von ihrer Partnerin auf Zeit: Christine van Weidmann-Truong zeichnet mit schwarzer Tusche auf weissem Papier. Auf den ersten Blick sind Bilder zu erkennen: Blätter zum Beispiel, oder ein Vogel. Erst beim zweiten Blick wird klar, dass die Umrisse der Formen nicht aus durchgängigen Linien, sondern rein aus Wörtern bestehen. Aus Wörtern, die Sätze ergeben, die wiederum eine Geschichte bilden.

Disziplin, Konzentration – und Fantasie
Christine van Weidmann-Truong, Jahrgang 1980, hat vietnamesisch-chinesische Eltern. Geboren ist sie in Lörrach, seit 2004 arbeitet sie in der Schweiz, hier lebt sie seit 2010 – zuerst in Seon, jetzt im Raum Oberwinterthur. Im Alter von zehn Jahren hat sie Bekanntschaft mit der Kalligrafie gemacht. Diese Technik hat sie, immer auf der Suche nach einer neuen, eigenen Ausdrucksform, zu den Schriftbildern geführt. Diese bestehen aus tausenden von Buchstaben, jeder von Hand geschrieben. «Die Planungszeit ist oft länger als das Schreiben selbst», berichtet sie. Die Schriftbilder haben einen logischen Aufbau, der eine Geschichte, etwa «Die Eule» von den Gebrüdern Grimm, nacherzählt. Macht die Künstlerin einen Fehler, fängt sie wieder von vorne an. Disziplin und Konzentration liegen ihrer Arbeit zugrunde, und natürlich jede Menge Fantasie. Letztere spielt auch bei Cristina Mazzotti die entscheidende Rolle. Klar, das Handwerk muss sitzen, wenn sie ein Gebilde formt – das technische Know-how, das Gespür für den richtigen Zeitpunkt, wann eine Form dem Brennofen zu entnehmen ist. Aber eben: Erst die Fantasie macht aus ihren Geschöpfen Kunstwerke. Oft lässt sie sich von einfachen Dingen inspirieren. Das kann eine angeschwemmte Koralle sein, Bambus, Blüten, Samen. Nur: Die Fundstücke einfach nachahmen, ist nicht ihr Ding. «Es muss etwas daraus wachsen», sagt sie, «etwas anderes, neues». Dabei kann es schon mal vorkommen, dass ihr die Raku-Technik unter die Arme greift. Denn der Brennverlauf lässt sich beim Raku nur bedingt steuern, sodass jedes Stück ein unnachahmliches Unikat wird.
Cristina Mazzotti lebt in Gipf-Oberfrick, einen Grossteil ihres Lebens verbringt sie zukünftig in einem Dorf in der Po-Ebene in Italien. Dort hat ihr der Bürgermeister von Toricella del Pizzo ein Haus zur Verfügung gestellt, um mit Studenten aus Mailand Workshops durchzuführen. Mazzotti ist seit mehr als 25 Jahren künstlerisch tätig und hat ihre Werke in vielen Ausstellungen präsentiert. Christine van Weidmann-Truong hatte ihre erste Ausstellung 2015 in der Galerie R4L in Seon, dieses Jahr im ART-Basel-Center und vor gut vier Wochen war sie Ausstellerin an der International Art Fair in Zürich. In Kaisten wird sie erstmalig ihre neue Kollektion «Insekten» vorstellen. Zusammengeführt hat die beiden Künstlerinnen die Kulturkommission Kaisten – eine glückliche Fügung, wie ab Samstag zu sehen sein wird.

Unser Bild: Christine van Weidmann-Truong (links) und Cristina Mazzotti stellen erstmals zusammen in Kaisten aus. Foto: Peter Schütz

 

Info

Vernissage ist am Samstag, 29. Oktober, von 17 bis 18.30 Uhr. Mit musikalischer Umrahmung von Douangmuckda Baumann und Andreas Tellenbach mit Shamisen, einführende Worte von Gimmy Newborn Ristemi. Die Öffnungszeiten danach: Sonntag, 30. Oktober, 6./13./20. November, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Parkplätze sind bei der Sporthalle Hofstatt hinter dem Schulhaus.

 

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