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Laufenburg

Herbert Weiss (rechts) bedankte sich bei Markus Manfred Jung für seine aussergewöhnliche Festrede zum 1. August. Foto: Jörn Kerckhoff

«Ich wusste, dass wir den richtigen Redner für unsere Festansprache gefunden haben», zeigte sich Laufenburgs Stadtammann Herbert Weiss beeindruckt von den Worten, die der deutsche Schriftsteller und Dichter Markus Manfred Jung am Sonntag kurz zuvor an die Gäste der Bundesfeier in der Stadthalle gerichtet hatte.

JÖRN KERCKHOFF

Jung schilderte in der Rede seine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse, die er im Laufe seines Lebens im Zusammenhang mit der Eidgenossenschaft gewonnen und gemacht hatte. Jene vom Paradies hinterm Zaun, das nicht den Zweiten Weltkrieg durchlebt hatte, aber auch jene, die für ein paar dunkle Flecken auf dem Schweizerkreuz gesorgt haben. Jungs Vorteil gegenüber den vielen Rednern, die andernorts auftraten war, dass er den Blick von aussen hat, der dem Betrachter oft eine viel genauere Wahrnehmung ermöglicht – sowohl auf die Sonnen- als auch auf die Schattenseiten.
Doch der Reihe nach: Nach der Absage der Bundesfeier im vergangenen Jahr freute sich Herbert Weiss vor allem darüber, dass es in diesem Jahr wieder eine Feier geben durfte. «Das tut uns allen gut», stellte Weiss beim Blick in die überschaubar gefüllte Stadthalle fest. «Wir stecken noch in der Pandemie, aber wir hoffen, dass die Normalität bald wieder eintritt – auch wenn wir noch nicht wissen, wie diese dann aussieht.» Ein Stück der erhofften Normalität war denn schon mal der Auftritt der Stadtmusik Laufenburg. «Ich hab sie schon lange nicht mehr gehört und freue mich sehr, dass es endlich wieder einen Liveauftritt von euch gibt», richtete der Stadtammann seinen Dank an die Musiker. Ein weiteres Stück Normalität hatte Weiss am Abend zuvor mit seinem deutschen Amtskollegen Ulrich Krieger erleben dürfen – den Auftakt zu den Laufenburger Kulturtagen in der Codman-Anlage. Wegen einsetzenden Regens sei der Genuss leider nicht von langer Dauer gewesen.
Dann kündigte Herbert Weiss den Festredner Markus Manfred Jung an, der im Jahr 2019 als erster Burgschreiber in der Doppelstadt tätig war. Jung ist bekannt für sein Engagement für die Mundart, viele seiner Gedichte und Prosatexte sind auf Alemannisch geschrieben. So gestand Weiss denn auch, dass er bei seiner ersten Begegnung mit Markus Manfred Jung in ein Fettnäpfchen getreten sei: «Ich fragte ihn, ob ich Mundart mit ihm reden könnte. Jetzt weiss ich, dass er ja viel mehr von Mundart versteht als ich», gab Weiss zu.

Neben dem Paradies aufgewachsen
Die Mundart – Alemannisch auf der einen Seite der Grenze, Schwizerdütsch auf der anderen – spielte denn auch in der Rede von Markus Manfred Jung eine grosse Rolle. Jung ist Jahrgang 1954, wuchs in Lörrachs Nordstadt unweit der Grenze zur Schweiz auf. Das Land, in dem es Zucker, Teigwaren, Schokolade und Kaffee gab, war für den jungen Markus Manfred ein Paradies – noch mehr, wenn er den Geschichten zuhörte, die die Erwachsenen über die Schweiz erzählten.

Gemeinschaft gefeiert
Etwa, die vom grossen Hebelfest am 11. Mai 1947, zu dem etwa 20 000 Schweizer Gäste über die Grenze nach Lörrach kamen, um mit den Deutschen zusammen im Geist von Johann Peter Hebel den Frieden und die menschliche Gemeinschaft zu feiern. Die Unterstützung und das Einheitsgefühl hätten vielen Mut und Zuversicht für bessere Zeiten gegeben.
Und was war das jedes Mal für ein Fest, wenn die entfernten Verwandten aus der Schweiz mal zu Besuch kamen und für jedes der Kinder Fränkli aus echtem Silber dabei hatten. Der gemeinsame Dialekt habe sicher geholfen, dass die Menschen von beiden Seiten der Grenzen schnell wieder zusammenfanden. «In Zürich hält man mich für einen Basler und in Freiburg im Breisgau sowieso für einen Schweizer. Und Jung gibt sogar zu, dass er sich im Urlaub schon als Schweizer ausgegeben habe, wenn er sich für das Benehmen einiger ungehobelter Deutscher habe fremdschämen müssen.

Flecken auf dem Schweizerkreuz
Doch mit der Zeit habe sein Bild vom Paradies unter dem Schweizerkreuz Flecken bekommen, blickte Jung auf sich selbst als Heranwachsenden zurück. Beim Zeitunglesen und im Geschichtsunterricht habe er auch Begriffe von Nazigold und Kunsthandel, Geschichten über das Abweisen von jüdischen Flüchtlingen und die Errichtung von Internierungslagern gehört. Und später von Gefängnisstrafen für Wehrdienstverweigerer und von den Fischen, die ab der Sandoz in Schweizerhalle tot im Rhein trieben. Während am Anfang der Rede an einigen Stellen Lacher zu hören waren, klang mit einem Mal Stille durch die Stadthalle.
«Es steht mir gar nicht zu, irgendetwas daran zu kritisieren, wie man in der Schweiz lebt. Das dürfen andere machen, die zur Eidgenossenschaft dazugehören und sich besser damit auskennen.» Das hätten Leute wie Max Frisch, Peter Bichsel, Friedrich Dürrenmatt und Peter von Matt in ihren Reden zum Nationalfeiertag auch bereits getan, so der Schriftsteller.

Versöhnliche Töne am Ende
Am Ende seiner Rede wurde Markus Manfred Jung wieder versöhnlich und lobte die direkte Demokratie der Schweiz, die trotz einiger Abnutzung immer noch gut funktioniere, und die Schweizer Unterstützung bei internationalen Hilfsmassnahmen. «Ich hoffe, dass der Wille, zusammen eine bessere und gesündere Welt zu erschaffen, für jeden Bürger der Eidgenossenschaft wichtig bleibt. Dann wären wir wieder einen kleinen Schritt näher am Paradies.»

Applaus gab es für Markus Manfred Jung in Laufenburg. Foto: Jörn KerckhoffMahnung zum Erhalt des Paradieses
Der Deutsche erhielt viel Applaus von den Schweizern für seine Worte, die mitunter deutlich anders klangen, als man es an vielen anderen Bundesfeiern gehört haben dürfte. Nicht jedem dürfte am Nationalfeiertag die Erwähnung der dunklen Flecken auf dem Schweizerkreuz gefallen haben, aber Markus Manfred Jung ging es offensichtlich nicht nur um die übliche Beweihräucherung der Eidgenossenschaft zu ihrem 730. Geburtstag, sondern auch um die Mahnung, dass das Paradies Pflege erfordert und dass die Abschottung eben dieses Paradieses einem Sündenfall gleichkommt, wenn sich seine Bewohner doch auf Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit berufen.

Bilder: Herbert Weiss (rechts) bedankte sich bei Markus Manfred Jung für seine aussergewöhnliche Festrede zum 1. August.
Applaus gab es für Markus Manfred Jung in Laufenburg. Fotos: Jörn Kerckhoff

 

Die Rede im Wortlaut:
1. August-Rede in Laufenburg/Schweiz 2021

Liebi Bürgerinne un Bürger vo de Schwiiz, liebi andri Gäscht,

i möcht mi zerscht bedanke für die Ehr, wo Si mir als dütschem Nochber atüen, dass ii zue Ihne an Ihrem högschte staatliche Fiirtig schwätze darf. Z verdanke han i des wohl in re andre Uszeichnig, dass i nämli vor zwei Johr de erschti „Burgschreiber zu Laufenburg“ ha dörfe sii: dopplet Dankschön also.

I will Ihne zerscht emool verzelle, was d Schwiiz für mi as Chind gsi isch, - in de 50er Johre z Lörrach ufgwachse, un däno ab 64 z Stette, nummen e paar hundert Meter vo de Grenze zue de Schwiiz ewegg. Die Erwachsene hän sich amig non e Huffe paradiisischi Gschichte verzellt, sellemools, vo de Schwiiz. Sottigi wie die, wo d Hilde Ziegler in ihrem Buech „Während der Verlobung wirft einer einen Hering an die Decke -198 Erinnerungen eines Kindes“. (Lenos, Basel, 1988, S.26) ufgschribe hät: Der Stacheldraht an der Schweizer Grenze hat an einer gewissen Stelle ein Loch. Und hinter diesem Loch befindet sich der Abfallhaufen von Gärtner Dahler in Riehen. Jeden Samstag werden dort faule Orangen abgeladen. Obwohl meine Mutter schimpft, fischen wir mit Stöcken die Orangen zu uns herüber, und die meisten kann man noch essen. D'Schwiizer sinn verschläckt, di ässe no lang nit alles, sagt Rudi. Das isch unser Glück.

Zue unserem Glück hät ghört, dass mir amig, e ganze Schwarm Chinder, zämme mit einre Muetter, de Nochberi vo unte dra im Mietsblock, vo Lörrechs Nordschtadt us, uf Rieche abe gvelölet sin, als de Bahnlinie nooch. Mer hän dört Mehl un Zucker poschtet, Teigwaren un Brot, Schocki un Kaffi -allewiil e Päckli meh as erlaubt, wo mer däno vornen im Latz vo de Lederhose zruck über d Grenze gschmugglet hän. E paradiisische Duft, wo amig no lang in de Hose hängge bliben isch.

Mer hän zum Glück entfernti Verwandti un noochi Bekannti gha in de Schwiiz, un für uns sin die alli riich gsi un öbbis Bsunderigs, well die jo de Chrieg nit mitgmacht gha hän, de Chrieg nit verlore hän un am Chrieg nit tschuld gsi sin. Für uns Chinder sin d Schwiizer Vorbilder gsi, die wo ämmel allewiil alles richtig gmacht gha hän. Drum isch s au nit meh as grecht gsi, dass si in dem Parediis Schwiiz hän dörfe läbe, mir aber nit. Un was die Schwiizer amig für Gschenkli mitbrocht hän, wenn si doch emool übere choo sin zue uns: Schokelad, Messmocke, echti Fränkli us echtem Silber: e Einer, e Zweier, jo eimool sogar e Fünfliber für jede vo uns. Mer hän en ufghebt für d Notziite, wo sicher bal emool wider choo wotte in dem Chalte Chrieg.

Mi Muetter Klärli un mi Vatter, de Mundart-Dichter Gerhard Jung, hän oft no mim e Lüüchten in ihre Auge vom große Hebelfescht am 11. Mai 1947 verzellt, wo öbbe zwanzig- tausig Schwiizer über die grad früsch ufgmachti Grenze durechoo sin uf Lörrech, go mit ungfähr dopplet so viile Dütsche im Geischt vom Johann Peter Hebel de Fride un d menschlichi Gmeinschaft z fiire. Un was si alles mitbrocht hän als Bhaltis! Die Unterschtützig un des Einigkeitsgfüehl über d Grenzen ewäck hät viilene bi uns Muet gää un Zueversicht für besseri Zite.

E ganz großi Rolle bi dem schnelle wider Zuenenandfinde hät sicher de gmeinsami Dialekt gschpilt, dä wo mer bi uns sit em Hebel Alemannisch nennt un bi euch halt Schwiizerdütsch. E Dialekt, wo vom Elsiss bis ins Vorarlberg, vom Mittelbadische bis ins Wallis gschwätzt wird, natürli mit dütliche Unterschid in de Ortsmundarte. Aber s Baseldütsch un s Wisetäler Alemannisch lige so nooch binenand, dass mer mi scho z Züri für e Basler haltet un in unsem Friiberg im Breisgau für e Schwiizer. Des hät übrigens großi Vorteil für uns. I gib s zue. Wenn i mi in de Ferie amig neume für e Horde jungi, unghobleti Dütsche ha fremdschämme müeße, han i gsait, i bi e Schwiizer. Un ha des au so gschpüürt. Als Alemann bin i do im e Schwiizer viil nööcher als im e Berliner zum Bischpil. Au wenn ii emool selber neumen e bizz über d Sträng gschla ha, bin i eifach Schwiizer gsi, un mer hät mer alles liicht verziehe. „Jo denn, e Schwiizer, alles klar!“ Wie mänkmool chäst s mi aber au aa, wenn bi uns Schwiizerwitz verzellt werde, zum Bischpil die über d Berner, wo so langsam schwätze täte. Jo, tue i des nit au? Langsam Schwätze? Au mir Alemanne do äne vom Rhy denke doch schneller als mer schwätze. Aber wott i des eigentlich umgchehrt ha? Schneller schwätze als denke? Jo Pfiffedeckel, ehnder nit!

Aber im Ernscht: De Dialekt isch e ganz e großis Gmeinsamis über d Grenzen eweg, stercher als die gmeinsami Gschicht, Habsburger hi oder her, wo doch sit em Napoleon vor bal 220 Johr e ehnder trennti Gschicht isch. Un mir vo änen am Rhy freuen is über jede Iisatz do in de Schwiiz, wo s alltäglichi Bruuche vom Dialekt sterkt. Die gmeinsami Schriftsprooch bruucht, zmindescht bi uns, kei Sterkig meh gege de Dialekt, högschtens no gege des gedankelosi Denglisch, wo mer übrigens au do bi euch mänggmool d Zeechenegel chrüüselet. Für unsi gmeinami Sprooch bruucht s kei gmeinsamis Rahmenabkommen, die isch eifach no doo. Un au bi uns merkt mer so notisno, dass die Iiteilig in hoochi Hochschprooch un nidere Dialekt e dummis Vorurteil isch. Un au doo chönnte mir vo de Schwiiz lehre, wo vom Dütsch nit als Hochschprooch schwätzt, sondern des als Schriftschprooch bezeichnet. Un lengscht chennt mer au bi uns die Untersuechige, wo noochwiise, dass Chind, wo zweischproochig ufwachse, -gern mit Dialekt und Schriftschprooch-, scho so früeihj des Sproochegumpis im Hirni hän, des code switching, dass ne s Sproochelehre spööter viil liichter fallt. Un was git s nit au für e großartigi Mundart-Literatur in unsem gmeinsame Dialektgebiet. Scho de Hebel mit siine 1803 veröffentlichte Alemannische Gedicht isch uf de Schultere vo hochintressante Basler Mundartdichter gschtande. Un sither hät jedi Zit bi uns un au do bi euch ihri Ineichen, Breitenstein, Haemmerli-Marti, Gfeller, Loosli, Paul Haller, Kurt Marti, Julian Dillier, Franz Hohler, Pedro Lenz oder Andreas Neeser gha, un viili gueti mehr. Un au doo chönnte mir öbbis vo de Schwiiz lehre. D Mundartliteratur in alle vier Schwiizer Sproochgebiet isch wie de Dialekt selber wiit hööcher gschätzt als bi uns im Dütsche unsi.

Un überhaupt d Kultur. Die Breiti un die Tiefi wie in de Schwiiz Kultur gförderet wird, die chenn i numme no vo Norwege. Dass in de Schwiiz gueti Künschtler au guet lebe chönne, -sofern si die notwendige Förderigsaaträg stelle-, des find i selbschtverschtändlich un richtig für e Kulturnation. Wo s do bi euch fließt, do tröpfelet s grad emool bi uns.

 

I will nomool zruck choo zue minre eigne Biografii un zue mim Verhältnis zum Paradiis Schwiiz. So mit der Zit hät des rosaroti Bild mit em Schwiizer Chrüz in de Mitti din scho au siini dunkle Flecke kriegt. Mim Zittigsläse, mim Gschichtsunterricht in de Schuel, mim Aaluege vo historische Film isch mer uf eimool vertraut gmacht worde mit Begriff wie Nazigold un Kunschthandel, un mit Sache, wo passiert sin: Abwiise vo Flüchtling, Zruckschicke vo jüdischgläubige Mensche, Iirichte vo Internierigslager un spöter däno wider mit Begriff wie Bankgheimnis, noochrichtelose Vermöge, Fischenaffäre un un un. D Fahne hät rueßigi Löcher driibrennt kriegt, un ii ha agfange e bizzi nüechtermer über d Grenze z luege. Han i no als Jugendliche nit verschtoh chönne, wie mer e dütschi Flagge schwenke un d Nazionalhymne mitsinge cha, ha aber verschtande, dass jedis Hüttli im e Schwiizer Schrebergärtli stolz si Fähnli vornedra in Wind iinehängge tuet, so hät sich doch so noch un noch un grundsätzlich mi Skepsis gege allis un jedis überdütlich Nazionali gwendet, vor allem wenn zum Umarme vo de Eigene s Wegschtoße vo de andere ghört.

I ha des selber emool ganz schreeg am e 1. Auguscht nit wiit vo do erlebt. Mir hän argentinischi Fründ z Bsuech gha, sin Bootli gfahre mit ene uf em Rhii un hän zletscht z Stei aagchehrt go Fisch esse un Feldschlössli trinke, wie sich s für die Iiheimische ghört am Nazionalfiirtig, hän ummegchalberet, däno s Füürwerk aagluegt un e Freud gha drab. Zletscht isch mer in Sinn choo, ass im Boot non e chüehlis „Tannezäpfli“, son e feinis Schwarzwälder Pils, uf mi warte tuet. I ha s trunke, un des hetti fascht e Chrieg usglöst. Zerscht han i gar nit verschtande, was de eltri Maa, wo do mit zwei stumme asiatische Fraue neben is ghockt isch, an mi ane schimpft. So öbbis wie: typisch Sauschwoobe, chömme uns go s Füürwerk stehle, mache sich breit un zahle nüt däfür, suffe sogar no s mitbrochti Bier, die Drecksschwobe, die… un so wiiter un so furt, in ei Loch iine. Nit emool erkläre han i mi dürfe un mi Fehler zuegää. Gange si mer halt, un i ha gschpürt, wie wiit ewägg ufeimool d Nochbere doch no chönne sii.

Un däno hät mer mi Fründ, de Riechemer Dichter Robert Karch verzellt, er sig wege Wehrdienschtverweigrig über e Johr im Gfängnis gchockt. Un däno hät Züri brennt, un irgendwenn sin d Fisch ab de Sandoz z Schwiizerhall buuchobe gschwumme. Worum rüehr i in all däne Wunde? Villicht well i zeige will, wie mi unrealischtischis Schwiizbild vom Parediis so langsam gerdet worden isch, uf Augehööchi mit mir, sodass i schwätze cha mit Ihne, mit euch, de Schwiizer, vo Mensch zue Mensch, ohni de dütschi gschichtlichi Rucksack uf em Buckel all zue arg z spüre.

Es stoht mir als Dütschem überhaupt nit aa, irgendöbbis do dra z kritisiere, wie mer in de Schwiz lebt un wie mer si Gmeiwese organisiert. Des dörfe andri mache, wo zue de Eidgnosseschaft däzueghöre un besser Bscheid wüsse as wien ich. Wohl jede vo Ihne chennt d 1. Auguscht-Red vo 1957 vom Max Frisch, oder siini Rede zur Überfremdung vo 65 un 66, oder im Peter Bichsel si „Des Schweizers Schweiz“ oder im Dürrenmatt siine Rede zum Nazionalfiirdig oder die vom Peter von Matt. Dört isch scho alles gsait un gschwätzt. Un i ha alli Hochachtig vor däre nationale Selbschtkritik, wo eim, wien i as Dütsche weiß, e guet s Stuck wiiter bringt im Weg uf e humaneri Welt zue.

Ii stuun eifach, wie guet s Schwiizer direkt-demokratischi Syschtem trotz re gwiße Abnutzig all no funkzioniert, i ha alli Achtig vo de Schwiizer Unterschtützig bi internazionale Hilfsmaßnahme, wenn neume Not isch uf de Welt, i denk do nit numme, aber au, an s Roti Chrüz, d Weltgsundheits- un d Welthandelsorganisation, un wünsch mer, dass de Wille, zämme un mitnand für e gsünderi un fridlicheri Welt z schaffe, jedre Bürgeri un jedem Bürger in de Eidgnosseschaft wichtig blibt. I tät mer im Zentrum vo Europa no meh Zämmehalt un Zämmearbet über d Grenzen ewegg wünsche, do im Chleine wie im Große. Dass die junge Mensche studiere chönnte, wo s Ihne guet dunkt, europawiit Stipendie kriege chönnte, dass d Handwerker ihri beschti Arbet abliefere chönnte, dass d Mensche sich begegne dürfte, über d Grenzen ewägg, ohni Schlagbäum uf de Stroß un ohni Schlagbäum im Hirni. So, wie mer s doo in de Vorbild-Doppelschtadt Laufeburg all wider probiert. No wäre mer wider e Schrittli nööcher am Parediis, doo in de Schwiiz un dört bi uns im große Nochberkanton.

Dankschön für s Zueloose, un Entschuldigung, wenn i mänkmool in s „Du“ un ins „Ihr“ iine gheiti bi, des isch de Nööchi gschuldet, won i bi mir spür. I gratulir Ihne un de ganze Schwiiz zum Nazionalfiirtig. Hebe Si s Beschti vo de Tradizione fescht un göhn si de Wandel wiiter mit, zuen re natürlichere un humanere Welt. Parediis ebbe.

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