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Laufenburg

Michel Mettler liest seinen Text «Tschättere». Foto: Sprachpanorama

(fa) Die Lesungsreihe «Hunziker2020 – Uf dr Gass», die diesen Herbst durch den Kanton Aargau tourt, hatte am Freitagabend Station im Museum Sprachpanorama Laufenburg.

Der Müheler Dieter Studer (Leiter des Phonogrammarchivs der Uni Zürich) erläuterte zu Beginn Jakob Hunzikers «Aargauer Wörterbuch in der Lautform der Leerauer Mundart» von 1877. Hunzikers Sinne für die Sprache waren geschärft, als Sohn eines Lehrers, der sein Amt 50 Jahre lang ausgeübt hatte. Die neue digitale Aufbereitung des Wörterbuchs ermöglicht effizientes Suchen von Einträgen, wie dies in der alten analogen Buchausgabe nicht möglich ist. Mühsam muss man sich durch die drei Teile Hauptteil, Anhang und Korrekturen kämpfen, weil der Drucksatz schon begonnen hatte, bevor das Manuskript fertiggestellt war. Jetzt kann man auch Wörter suchen, die sich in den einzelnen Einträgen verstecken und die keinen eigenen alphabetischen Eintrag in einem der drei Teile erhielten. Statt den üblichen trockenen Bedeutungserklärungen nutzte Hunziker Verse, Sprüche und zahlreiche weitere Alltagssprachbeispiele der damaligen Zeit, was das Wörterbuch zu einem Schatzkästchen für Sprach-, Dialekt- bzw. Nostalgieliebhaber macht.
Inspiriert vom kreativen Dialektwörterbuch aus dem Suhrental, haben Aargauer Autoren in den letzten Monaten in der Aargauer Zeitung Texte publiziert. Am Freitag lasen der Zofinger Thomas Ho­stettler und der in Klingnau lebende Michel Mettler ihre Texte für das dialektinteressierte Publikum. Im folgenden Gespräch wurde der Dialekt als Schreibsprache und als Türöffner zu unseren Emotionen thematisiert, wobei ganz unterschiedliche Gesichtspunkte, Erfahrungen und Beobachtungen dazu geäus­sert wurden. Hostettler wehrte sich dagegen, dass auf Dialekt schreiben eine «angestrengte Gemütlichkeit» ausstrahle. Pedro Lenz habe mit seiner «präzisen Weltliteratur aus Langental» bewiesen, dass man sich mit Dialekt in die Königsklasse schreiben kann.
Nachdem Michel Mettler seine Texte «Hilti» und «Tschättere» vorgetragen hatte, meinte er: «Wenn i in Dialäkt schriibe, tue-n-i mi in e Gruppe ine, wo so redt wie-n-ich. (…) Die Art vo schriibe zieht mich in es Dorf.» Entfernen wir uns nun mit Dialektliteratur von der grossen Weltbühne oder ist sie genau da: im Dorf? Indem wir schwierige Texte in unserem Dialekt formulieren, können wir sie uns näher zum Herz bringen. Die ehemalige Katechetin Sonja Kalt aus Kaisten meinte denn auch, etwas Komplexes und Abstraktes wie ein Glaubensbekenntnis könne man auf Dialekt für Kinder besser fassbar machen. Doch ist das eine Verständnishilfe oder verdirbt es die Neugier auf das Ergründen des Komplexen? Die aufgeworfenen Fragen wurden auf dem Podium und mit den Besuchern rege diskutiert.
Die drei letzten Autoren-Lesungen der Reihe «Hunziker2020 – Uf dr Gass» finden in der Kantonsbibliothek Aarau (Mittwoch, 14. Oktober), im Sternensaal Wohlen (Sonntag, 18. Oktober) und in der Aula der Kantonsschule Wettingen (Sonntag, 25. Oktober) statt.

Unser Bild: Michel Mettler liest seinen Text «Tschättere». Foto: Sprachpanorama

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