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Laufenburg

Jean-Marc Felix und Regula LauxRegula Laux und Jean-Marc Felix aus Laufenburg haben ihrer Begeisterung für Street Art ein Denkmal gesetzt: Ihr Buch «Every Wall Is a Door» erscheint dieser Tage im internationalen Handel.

PETER SCHÜTZ

Street ArtDer Titel des Buches ist Programm: «Every Wall Is a Door» (zu Deutsch: «Jede Wand ist eine Tür») zeigt zwar von international tätigen Künstlerinnen und Künstlern bemalte Wände. Die sind aber mehr als nur Wände – sie führen in ganz besondere Bildwelten hinein, indem sie quasi die Imagination der Betrachter an die Hand nehmen. Ein Krokodil schaut in Genf vom Ufer der Rhone knapp aus dem Wasser heraus, während in Mexiko ein riesiges Paar Kickschuhe zum Greifen nah über einem Gehweg baumelt.

Es sind faszinierende Blicke auf eine Kunstform, die sich nicht in Galerien oder Museen abspielt, sondern dort, wo Menschen unterwegs sind, derer sich die Journalistin Regula Laux und der Fotograf Jean-Marc Felix über mehrere Jahre hinweg angenommen haben. Auf ihren gemeinsamen Reisen haben sie immer wieder den Fokus auf die an meterhohen Gebäudefassaden, an Stromkästen oder U-Bahn-Stationen aufgemalten Bildwelten gerichtet.
Street Art
Die Absicht, aus der fotografischen Sammlung ein Buch zu machen, nahm allerdings erst vor rund zwei Jahren Kontur an. Damals leitete Regula Laux noch das Rehmann-Museum im schweizerischen Laufenburg. Das kleine Museum, das dem Bildhauer Erwin Rehmann gewidmet ist, hat – wie fast alle Museen – mit rückläufigen Besucherzahlen zu kämpfen. «Ein neuer Ausstellungsansatz, nämlich junge Künstler von der Strasse ins Museum zu holen, sollte mehr Leute und besonders ein junges Publikum ansprechen», blickt Laux zurück. Sie hatte Erfolg: In den drei Monaten der Street-Art-Ausstellung kamen mehr Besucher ins Rehmann-Museum als sonst im ganzen Jahr. Damit nicht genug, nahmen die Verantwortlichen der Stadt Laufenburg die Street-Art-Idee auf und vergaben Auftragsarbeiten an Künstler. So kriecht heute zum Beispiel eine überdimensional grosse Schnecke von Sprayer POLLO 7 über das kleine Bahnhofshäuschen.

Street ArtAusserdem unterstützte Erich Erne vom gleichnamigen Bauunternehmen mit Hauptsitz in Laufenburg die Urban-Art-Aktivitäten im Rehmann-Museum sowie im Aussenraum sowohl logistisch als auch finanziell. Die an der Ausstellung beteiligten Künstler konnten wiederum mit ihren Werken derart überzeugen, dass die neue Werbekampagne der Baufirma im Street-Art-Look daherkommt. «Denn wo passen Sprayarbeiten besser hin, als auf Bauzäune oder Holzabsperrungen?», bemerkt Regula Laux, die in ihrem Ehemann Jean-Marc Felix einen kongenialen Partner zur Seite hat. Felix hat das «fotografische Auge», das aus einem noch so profanen Gegenstand ein kleines Kunstwerk macht, indem er im perfekten Moment auf den Auslöser drückt. Das umtriebige und kunstsinnige Paar mit Wohnsitz in Laufenburg erzählt in seinem Buch «Every Wall Is a Door» die Geschichten von herausragenden bekannten und auch unbekannten Street-Artists. Es zeigt deren individuellen Beitrag zur weltweiten Vielfalt der Urban-Art von Berlin und New York über Havanna und Zürich bis zu weit abgelegenen Inseln wie La Réunion und den Azoren. Trotz oder gerade wegen ihrer Vergänglichkeit prägen diese Kunstwerke die Stadt – und die Stadt prägt ihre Künstler: Sie fräsen Porträts in Stein, zeichnen filigrane Ornamente, schaffen dreidimensionale Installationen oder sprayen fotorealistische Gemälde und fantasievolle Figuren – «mal politisch motiviert und illegal, mal als Hommage an die eigene Kreativität und künstlerische Freiheit oder auch als Auftragswerk», so die Autoren.

Street Art«Every Wall Is a Door» zeigt Werke von rund 150 Künstlerinnen und Künstlern aus mehr als 30 Ländern, unter anderem aus den USA, aus Kuba, Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Portugal, Italien und der Schweiz. «Wir haben nicht den Anspruch, eine umfassende Abhandlung über Street-Art und deren Künstler zu liefern», erklären Regula Laux und Jean-Marc Felix. Ihnen gehe es vielmehr um eine «ganz persönliche Momentaufnahme der internationalen Szene». Stets mit Kamera und Notizblock unterwegs verbrachten sie viel Zeit damit, in verschiedenen Städten Street-Art-Werken und Kunstschaffenden nachzugehen. Mit ihrem Buch möchten sie zeigen, «wie künstlerisch hochstehend und kreativ dieses junge Kunstgenre ist». Laux und Felix ist mit ihrem Buch der Beweis gelungen, dass Street Art mehr ist als Schmiererei – sondern dass sie zur vielbeachteten und respektierten Populärkunst geworden ist. Am Freitag, 10. August, wird das Buch in Laufenburg erstmals vorgestellt.

Das Buch. «Every Wall Is a Door» erscheint im Schweizer Benteli-Verlag. Es zeigt Werke von rund 150 Künstlerinnen und Künstlern aus mehr als 30 Ländern. Sprachen: separate Ausgaben in Deutsch und in Englisch. Autoren: Regula Laux, Jean-Marc Felix (auch Fotos). ISBN 978-3-7165-1844-1. 200 Seiten, Hardcover. Erhältlich im Buchhandel und online.

Bilder:
- Jean-Marc Felix und Regula Laux präsentieren ihre Buch über Street Art. Foto: Peter Schütz
 - Ausschnitt eines grossen Murals des chilenischen Künstlers INTI in Paris: eine liegende Mexikanerin, der es die Hüte vom Kopf weht.
- La Réunion: Die Schriftzeichen von Vincent Box und der rote Hydrant als malerisches Ensemble.
- Die Wandmalerei des Deutschen Hendrik Beikirch in New York zeigt einen marokkanischen Strassenbarbier aus der Serie „Tracing Marocco“POLLO 7.
-  Beim Werk „NAPOLLON BONAPAR7E“ reitet Napoleon Bonaparte eine Nacktschnecke. Der Titel des Werkes entstand in Anlehnung an den Namen des Schweizer Künstlers POLLO 7. Fotos: Jean-Marc Felix 

 

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