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Hornussen

George Winet ist verheiratet, Unternehmer und Vater zweier Kinder. Seit 2014 ist er Gemeindeammann in Hornussen. Foto: zVg

(fi) Seit sieben Jahren gibt es in Hornussen ein Einwohnerforum. Es soll ein niederschwelliges Angebot sein, um Themen zu behandeln, welche den Einwohnerinnen und Einwohnern am Herzen liegen – und es wird rege benutzt. Ein Interview mit Gemeindeammann George Winet, der das Einwohnerforum ins Leben gerufen hat.

Was war der Auslöser, das Einwohnerforum Hornussen 2014 zu starten? Wie sind Sie vorgegangen?
G. Winet: Der Gemeinderat suchte nach einer Möglichkeit, mehr volksnah zu werden, den Puls zu spüren. Es sollte ein möglichst niederschwelliges Angebot für die Bevölkerung von Hornussen bereitgestellt werden. Es brauchte etwas Mut und gute Vorbereitung.

Wo und wie oft findet es statt, wer leitet es und wie ist der Ablauf?
G. Winet: Zu Anfang war es ein monatlicher Anlass im Restaurant Feldschlösschen. Infolge eines zusätzlichen Wirte-sonntags wurde das Einwohnerforum in die Räumlichkeiten des Hornusser Mittagstisches verlegt, bei grösseren Anlässen auch schon mal in den Birkensaal. Die Leitung erfolgt in der Regel durch den Gemeindeammann. Wir haben verschiedene Modi ausprobiert, mit Vorschlägen zu verschiedenen Themen, oder einer Diskussionsrunde. Am Ende stellte sich ein zweimonatiger Rhythmus mit Themenvorschlägen und einer freien Diskussionsrunde als ideal heraus.

Wer nimmt alles teil, welche Themen werden behandelt?
G. Winet: Es sind vor allem politisch interessierte Hornusser, welchen das Wohlergehen und die Stabilität von Hornussen am Herzen liegt. Behandelt wurden alle Themen, die unseren Hornussern am Herzen liegen, vom Tempo 30 in den Quartieren über die Kläranlage, den Strassenunterhalt, Informationen über das Bauwesen, Förderung des Zusammenhaltes bis hin zum einfachem Vorbringen von Anliegen, die einen beschäftigen. Gerade hier liegt auch der Vorteil des niederschwelligen Angebotes, ein Gemeinderat «zum Anfassen». Die jeweils 10 bis 60 Teilnehmenden stammen aus allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen.

Wie ist das Feedback der Teilnehmenden, was schätzen diese?
G. Winet: Von allen Teilnehmenden haben wir sehr viel Zuspruch erhalten. Bei Gesprächen in umliegenden Dörfern war oft zu hören, dass man sich auch im eigenen Dorf so etwas wünsche. Mit Neid wurde nach Hornussen geblickt, was uns im Gemeinderat natürlich ungemein freute.

Wie sehen Sie Kosten, Aufwand und Nutzen?
G. Winet: Der Gemeinde entstanden so gut wie keine Kosten. Der Aufwand ist minimal, ohne externe Kosten für Moderatoren und Mediatoren. Dagegen steht der extrem hohe Nutzen: Es wurde auch möglich, über aktuelle Themen zu informieren und den Puls der Hornusser zu fühlen und zu spüren. Gerade Corona hat leider diese Versammlung verhindert und auch dazu beigetragen, dass bei den letzten Gemeindeversammlungen der Eindruck in der Bevölkerung entstand, man sei nicht mehr so gut informiert worden wie früher, was auch stimmt, da uns dieses hervorragende Kommunikationsmittel plötzlich fehlte. Vielen ist es gar nicht direkt bewusst geworden, zu sehr war man mit Corona beschäftigt.

Welches sind die Erfolgsfaktoren für ein wirkungsvolles, lebendiges Forum?
G. Winet: Erfolgsfaktor ist ein unermüdlicher Einsatz seitens des Gemeinderates. Für uns ist es ein zusätzlicher Abend, der unseren Familien abgeht – keine Belastung, aber eben Zeit, die nicht unseren Kindern zur Verfügung steht. Aber der direkte Austausch war immer sehr wertvoll und motivierend. Vieles haben wir erfahren, auch wo der Schuh drückt. Der Fundus aus Erfahrungen und Wissen, den wir im Forum erhalten haben, ist immer irgendwie in unsere Gemeinderatstätigkeit eingeflossen und hat diese erleichtert. Wir treffen unsere Entscheidungen ja auf der Basis unseres Wissens, oder der Basis unseres Irrtums – und da zeigte es sich immer wieder, dass wir viele wertvolle Informationen sammeln konnten. Ich wage auch zu behaupten, dass es der Gemeinde letztendlich viel Geld erspart hat: Viele der erhaltenen historischen Informationen haben geholfen, Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Welche Bedeutung hat das Einwohnerforum für die Gemeinde, die Demokratie und das «Wir-Gefühl»?
G. Winet: Vor allem bei Neuzuzügern hat es guten Anklang gefunden. Ein Gemeinderat konnte dank des Forums rekrutiert werden. Am meisten profitieren natürlich Alteingesessene, es verleiht ihnen eine Stimme, die auch gehört wird.

Wie sehen Sie die künftige Entwicklung?
G. Winet: Das liegt nun ganz beim neuen Gemeinderat. Wir hoffen, dass diese erfolgreiche Tradition weitergeführt wird. Das erste Forum nach der Coronapause und eines der letzten unter der Leitung des Gemeindeammanns Hornussen fand guten Anklang, bot es doch eine einfache Plattform, damit sich die neuen Gemeinderäte vorstellen und diese mit den Hornussern auf Tuchfühlung gehen konnten. Die Ehre für diesen Vorschlag gebührt Gottfried Herzog. Er hatte diese Idee, die dann vom Gemeinderat auch prompt übernommen und umgesetzt wurde. Die neuen Böztaler Gemeinderäte fanden die Hornusser Tradition des Forums gut und versprachen es weiterzuführen.

Wenn eine andere Gemeinde mit dem Gedanken eines eigenen Einwohnerforums spielt, was ist Ihr Tipp?
G. Winet: Die Umsetzung dieses erstklassigen Kommunikationsinstrumentes soll besser heute als erst morgen erfolgen. Es wird viel Unzufriedenheit vermieden, da man sich aussprechen und mitteilen kann – so kann man einfach zu einer Problemlösung beitragen, bevor es eben zu einem Problem wird. Das hat gerade die letzte Gemeindeversammlung bewiesen: Wäre es möglich gewesen das Einwohnerforum abzuhalten, so wäre es unter Umständen nicht zu grösseren Einwänden gekommen. Auch die Gemeindeversammlung selbst hat immer davon profitiert, konnten doch Meinungen und Ansichten vorher abgeholt werden und so unnötige Diskussionen vermieden, bzw. bereits im Vorfeld geklärt werden.

Besten Dank für die Beantwortung der Fragen und weiterhin viel Erfolg bei der weiteren Realisierung kreativer Problemlösungen.

Interview: Heinz Oftinger


Unser Bild: George Winet ist verheiratet, Unternehmer und Vater zweier Kinder. Seit 2014 ist er Gemeindeammann in Hornussen. Foto: zVg

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