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Frick

Sumaya Farhat-Naser berichtet engagiert aus der schwierigen Situation in ihrer Heimat Palästina. Foto: Markus Karau

Am ersten der drei Weiterbildungs-Abende zur evangelischen Jahreslosung 2019 mit dem Motto «Suche den Frieden und jage ihm nach» berichtete die bekannte Friedensbotschafterin Sumaya Farhat-Naser von ihrer Arbeit im besetzten Palästina. Auch die jugendlichen Palästinenser, die Ende Oktober in der Reformierten Kirche Frick musizierten, sind Teil ihrer Friedensarbeit.

ANNEMARIE SCHLÄPFER

Es ist faszinierend, diese kleine Frau von ihrem Engagement in ihrer schwierigen Heimat berichten zu hören. Diese Kraft, das Feuer mit dem sie erzählt, die Hoffnung, mit der sie ihre Verzweiflung über die unhaltbaren Zustände in ihrem Land überwindet, sind mehr als bewundernswert. Es ist bereits das zweite Mal, dass Sumaya Farhat-Naser im Kirchgemeindehaus Frick zu Gast war. Ende November, ziemlich genau vor drei Jahren, hatte sie bereits einmal einen Einblick in die Realität der Verdrängung der Palästinenser aus ihrem Land gegeben. Diesmal konnte sie auf der Durchreise nach Bern für einen Aufenthalt in Frick gewonnen werden.
Sumaya Farhat-Nasers Geburt war 1948 in Birseit im Westjordanland, im Jahr der Gründung Israels, als der Boden, der den Palästinensern und Palästinenserinnen gehört hatte, systematisch enteignet wurde. Auf die Frage, warum sie denn Christin sei, antwortete sie, ihre Familie gehöre schon seit Jahrhunderten dem Christentum an; die Palästinenser gehörten zu den ersten Christen überhaupt und viele seien erst später islamisiert worden, weil ihnen durch die Konversion die Steuern erlassen worden seien. Ihr Referat hielt sie ohne Manuskript und in fehlerfreiem Deutsch. Sie hatte in einem deutschen Internat ihr Abitur absolviert und anschliessend in Hamburg Biologie, Geographie und Erziehungswissenschaften studiert und war dann viele Jahre Dozentin für Botanik und Ökologie an der Universität von Birseit.

Die Friedensarbeit
Schon in der Zeit ihrer Professur setzte sich Sumaya Farhat-Naser für die Menschenrechte ein. Bis 1993 war es den Männern verboten, über politische Probleme zu sprechen – die Frauen wurden gar nicht wahrgenommen – sie waren als «schwach» eingestuft. Sumaya Farhat-Naser hat sie aber systematisch zum Diskutieren angeleitet. Sie führt Gesprächsgruppen mit christlichen und muslimischen Frauen, Mädchenseminare, und lehrt sie, sich gewaltfrei zu wehren. «Wie geht man mit Verletzungen um ?» Zurückschlagen nützt nichts, der Schmerz wird nur grösser. Natürlich ist auch sie oft wütend und verzweifelt, aber dann wartet sie den nächsten Tag ab, freut sich, dass sie immer noch lebt und sucht Erholung in der Natur, freut sich am Duft und den Farben der Blumen – ist ganz die frühere Botanikerin und die unverbrüchliche Hoffnung, dass es ihrem Land vielleicht einmal in der fernen Zeit ihrer Enkel besser geht, bleibt bestehen.
Sumaya Farhat-Naser hat zahlreiche Bücher geschrieben, alle auf Deutsch. Eines davon, «Disteln im Weinberg», hat die Frauenlesegruppe 2016 gelesen. Ihr neues­tes Buch mit einem Essay von Ernest Goldberger, aus dem sie kürze Passagen vorlas, heisst «Ein Leben für den Frieden».

Unser Bild: Sumaya Farhat-Naser berichtet engagiert aus der schwierigen Situation in ihrer Heimat Palästina. Foto: Markus Karau
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