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Frick

Su Freytag zeigt einem Buben aus Eritrea, wie man pflanzt und wässert. Fotos: Sonja Fasler Hübner«Hilfe zur Selbsthilfe», so umschreibt die Bözbergerin Su Freytag ihr Projekt SoKuGARTEN in Frick. Die Soziokulturelle Gartengemeinschaft dient Migrantinnen und Migranten zur Integra­tion – und sie zeigt ihnen auf, wie sie auf einfache, ökologische Weise ihr Gemüse selbst anbauen können.

SONJA FASLER HÜBNER

Es ist bereits angenehm warm an diesem April-Nachmittag im Garten eines Privathauses am Juraweg, direkt vis-à-vis der Fricker Badi. Su Freytag beginnt Gartengerät herbeizuschleppen und stellt auf einem kleinen Tischchen kühles Wasser und Gläser bereit. «Viele schimpfen, dass Asylanten herumlungern und nichts tun, und doch ist fast niemand daran interessiert, diese Leute zu integrieren und beschäftigen», findet die ausgebildete Soziokulturelle Animatorin, die es gewohnt ist, aus einer Idee Nägel mit Köpfen zu machen und vor Kurzem bereits die ReparierBar in Frick mit Erfolg aufgezogen hat.

Su Freytag zeigt einem Buben aus Eritrea, wie man pflanzt und wässert. Fotos: Sonja Fasler HübnerDas Gartenprojekt für Migranten spukt bereits seit letztem Jahr im kreativen Kopf von Su Freytag herum. Sie hat schon mehrfach in Gärtnereien gearbeitet, ist selbst leidenschaftliche Hobby-Gärtnerin und letztes Jahr betreute sie ein Gartenprojekt für Kinder. Als sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück machte, stiess sie in Frick mehr per Zufall auf Hausmieter, selbst mit Migra­tionshintergrund, die bereit waren, einen Teil des Umschwungs für das Gartenprojekt zur Verfügung zu stellen. Mit Einverständnis der Hauseigentümerin versteht sich.

Gärtnern mit Konzept
Positiv überrascht und umso motivierter trieb Su Freytag ihr Projekt voran. Da gerade ein anderes Migrantenprojekt in Frick, eine Nähgruppe, aufgelöst worden war, liessen sich auf einfache Weise Kontakte zu Leuten aus anderen Ländern und Kulturen knüpfen, die sich integrieren und etwas Neues lernen wollen. Die Mund-zu-Mund-Propaganda trug das Ihrige bei und schon hatte Su Freytag dem SoKuGARTEN Leben eingehaucht.

Frauenpower: Das Hochbeet wird von den Frauen selbst gezimmert. Fotos: zVgDa es schon März war, hiess es Gas geben, denn wer einen grünen Daumen hat, weiss: In diesem Monat gibt es im Garten bereits einiges zu tun. Von den etwa zehn Frauen und zwei Männern, die Interesse zeigen, findet sich an den «Gartennachmittagen» meist ein Grüppchen von zwei bis vier Frauen ein.
Inzwischen sind ein paar Beete angelegt und ein Hochbeet wurde aus Brettern selbst gezimmert – zu 90 Prozent aus Frauenhand und mit ersten Erfahrungen an der Bohrmaschine. Gesät und gesetzt wird nicht einfach wild drauflos, sondern mit Konzept. «Wir arbeiten wie im biologischen Gartenbau üblich», erklärt Su Freytag. Angelegt wird eine Mischkultur: ein Beet mit Gründüngung, eines für Schwachzehrer, eines für Mittelzehrer und eines für Starkzehrer. Auf diese Weise werden Schädlinge auf natürliche Art bekämpft. Als Dünger dient selbst produzierte Pflanzenjauche. Ausserdem soll möglichst nach dem Mondkalender gegärtnert werden. Su Freytag will so bewusst gleich von Beginn weg biodynamisches Basiswissen vermitteln.
Anhand eines Fragebogens hat Su Freytag ausgelotet, welche Pflanzen von der Gartengruppe bevorzugt werden. Demnach werden Kohl, Kartoffeln, Kürbisse, Salat, Bohnen, Zwiebeln und Knoblauch in die Beete gepflanzt. Ins Hochbeet kommen Chili und Zucchetti. Und in einem kleinen Kräutergarten werden unter anderem Rosmarin und Petersilie gezogen. Da Tomaten ebenfalls auf der Wunschliste standen, hat Su Freytag beschlossen, diese bei sich auf dem Bözberg anzupflanzen, denn Tomaten und Kartoffeln vertragen sich schlecht.
Einige unbekannte Pflanzen kommen bewusst hinzu, so etwa Yukon oder Melo­thria. Wer selbst unbekannte Pflanzen kennen lernen möchte, wird fündig an der PflanzTauschBörse am 21. Mai, welche von Freunden der www.permakultur.ch jährlich organisiert wird. Dieses Jahr findet die Börse im Garten von Su Freytag in Bözberg-Gallenkirch 31 von 11 bis 13 Uhr statt.

Frauenpower: Das Hochbeet wird von den Frauen selbst gezimmert. Fotos: zVg«Learning by doing»
Eine Eritreerin mit ihren zwei Buben, die vor rund drei Jahren nach Frick kam, trifft im SoKuGARTEN ein, wenig später eine Türkin, die schon länger hier lebt. Beide waren bereits bei andern Angeboten wie Deutschkurs oder Nähgruppe dabei und schätzen diese niederschwellige Möglichkeit der Integration. «Viele haben nur spärliche Kenntnisse vom Gartenbau oder haben in ihrer Heimat ganz anders gepflanzt», weiss Su Freytag. Anstatt trockenem Theorie-Unterricht bevorzugt sie aber «learning by doing» und bezieht alle gleich in die praktische Arbeit mit ein – auch wenn einige wirklich bei Null beginnen. «Man läuft nicht quer durchs Beet», musste sie den Kindern bereits etliche Male erklären.
«Im Garten ist es wie auf der Erde: Es gibt Pflanzen, die sich mögen und es gibt Feinde», erklärt sie der jungen Frau aus Eritrea, warum einige Pflanzen nicht nebeneinander gedeihen können. Ein geeignetes Übungsfeld, um die deutsche Sprache im Alltag anzuwenden. Die Frauen lesen Steine auf, um diese als Drainage hinters Hochbeet zu kippen. Auch die Kinder lassen sich gerne anleiten und finden Gefallen daran, Blumen ins Grünbeet zu pflanzen und danach zu giessen. «Ich lasse die Leute alles machen, die schöne und auch die weniger schöne Arbeit», erklärt Su Freytag, die nicht nur Anweisungen gibt, sondern selber überall mit anpackt. «Ich bekomme dafür von der Ernte dann auch meinen Teil ab», meint sie augenzwinkernd – der einzige Lohn für ihre ehrenamtliche Tätigkeit, natürlich abgesehen von den vielen positiven Momenten mit der fremden Kultur und dem gemeinsamen Potluck-Dinner zum Tagesabschluss.

Sponsoren gesucht
Da kein Grundkapital vorhanden ist, ist der SoKuGARTEN auf Sponsoren angewiesen. «Vom ‹Blueme-Kari› durften wir überschüssige Setzlingsware entgegennehmen und auch die reformierte Kirchgemeinde hat uns Unterstützung zugesagt», freut sich Su Freytag. Ein Gasanlagen-Betrieb lieferte gratis Komposterde. Aber es fehlt noch immer an allem Möglichen, wie beispielsweise Fässer, um Regenwasser zu gewinnen, ein Zelt-Dach, Regenjacken oder Gartenspielzeug für die Kinder. Ein Kompost-WC würde Su Freytag noch vorschweben. Hilfreich wäre jemand, der die Kinder vor Ort etwas beschäftigen könnte.
«Der SoKuGARTEN steht allen offen», betont sie, deshalb sind auch Einheimische eingeladen, dem Gartenprojekt einen Besuch abzustatten, mitzuhelfen oder mit einem Zvieri vorbeizukommen. «Es kann nie schaden, Menschen aus einem anderen Kulturkreis kennen zu lernen», weiss Su Freytag. Wer Interesse am SoKuGARTEN hat, kann mit ihr Kontakt aufnehmen (Tel. 079 889 71 56) und sich über die nächsten Einsatztermine informieren lassen. Ein Tag des offenen Gartens findet am Freitag, 10. Juni, von 15 bis 19 Uhr statt; Eingang beim Pinguin vis-à-vis Schwimmbad (Ausweichdatum Samstag, 11. Juni, von 12 bis 16 Uhr).

Unsere Bilder
Erstes und zweites Bild: Su Freytag zeigt einem Buben aus Eritrea, wie man pflanzt und wässert. Fotos: Sonja Fasler Hübner
Drittes und viertes Bild: Frauenpower: Das Hochbeet wird von den Frauen selbst gezimmert. Fotos: zVg