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Frick

Flicken statt wegwerfen: Su Freytag organisiert die erste ReparierBar in Frick.  Foto: Sonja Fasler HübnerDie Idee ist so einfach wie genial: Anstatt defekte Alltagsgegenstände in den Müll zu werfen, will man diese in der ReparierBar in Frick wieder flott machen. Die Soziokulturelle Animatorin Su Freytag (Bözberg) und der Lehrer Jürg Meier (Gipf-Oberfrick) haben die Idee aufgegriffen und organisieren den ersten Anlass dieser Art parallel zum samstäglichen Biomarkt am 27. Februar von 9 bis 13 Uhr im Meck in Frick. fricktal.info hat mit Su Freytag über die Idee an sich und weitere Visionen gesprochen.

Su Freytag, wie ist die Idee entstanden, in Frick eine ReparierBar durchzuführen?

Su Freytag: Durch die Plattform permakultur.ch. Dort kommen Leute zusammen, die ökologisch denken und ihre Freizeit in entsprechende Projekte investieren. Ich gab den Input, in Frick eine ReparierBar durchzuführen, suchte Leute, die mitmachen, und Jürg hat sich gemeldet. Wir haben uns dann zwei-, dreimal getroffen, um alles zu besprechen, und haben dann begonnen, die entsprechenden Handwerker anzufragen. Das Meck in Frick, wo ich Mitglied bin, stellt uns als Raum die Cafeteria im ersten Stock während des samstäglichen Biomarktes zur Verfügung.

Das Konzept «flicken statt wegwerfen» ist ja nicht ganz neu.

Su Freytag: Nein, es gibt diese Veranstaltungen unter den Namen «RepairCafé» oder «ReparierBar» bereits an vielen Orten. Das Ganze stammt ursprünglich aus Holland, aus der Vision heraus, defekten Alltagsgegenständen neues Leben einzuhauchen anstatt sie wegzuwerfen. Es geht darum, Kreisläufe zu schlies­sen und Ressourcen zu schonen anstatt immer neue Bedürfnisse und Angebote zu schaffen. Ich war schon im RepairCafé in Brugg und in der ReparierBar in Basel. Letztere hat uns erlaubt, ihr Logo zu verwenden und unterstützt uns mit ihrem Fachwissen, beispielsweise was die logistischen Abläufe anbelangt. Wir wollen uns gegenseitig unterstützen und sind quasi verschwägert.

Was kann man in die ReparierBar bringen?

Su Freytag: Defekte Lampen, Staubsauger, Hosen mit Löchern, Pullover mit zu kurzen Ärmeln, kleinere Möbel, Kinderspielzeug und vieles mehr.

Helfen Sie und Jürg Meier mit beim Reparieren?

Su Freytag: Nein, wir konzentrieren uns auf Organisation und Abläufe. Wir haben Handwerker der ReparierBar in Basel und des RepairCafés in Brugg angefragt. Vier haben wir gefunden: Ueli Wyser aus dem Bezirk Brugg repariert Holz- und Kleingegenstände, Myrta Roesch aus dem Raum Koblenz ist Lampenspezialistin und kann auch Haushaltgeräte flicken, Sarah Meier aus Gipf-Oberfrick, die Frau von Jürg, ist Näherin und flickt Kleider und Christine Güttinger aus Lenzburg repariert Alltagsgegenstände wie zum Beispiel kaputte Holzpuppen, verbogene Ringe, kaputte Tassen oder defekte Nussknacker. Dank Petra Samaras, die im Baselbiet ein Vegan-Catering betreibt, können wir von 11.30 bis 12.30 Uhr ausserdem ein tolles veganes Mittagessen anbieten. Wer sicher in den Genuss kommen möchte, sollte sich voranmelden (siehe Kasten). Das vegane Essen ist natürlich kein Zufall. Auch dieses hilft, die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen besser auszunutzen, umweltfreundlicher und gesünder zu leben. Es steckt somit die gleiche Philosophie dahinter wie bei der ReparierBar.

Was wird in der ReparierBar nicht geflickt?

Su Freytag: Geräte, die grösser sind als ein Fernseher, sind nicht erwünscht, da der Platz beschränkt ist. Man sollte also nur tragbare Gegenstände bringen. Auch benzinbetriebene Geräte nehmen wir nicht an. Uns fehlt noch ein Handwerker, der HiFi-Geräte und Computer reparieren kann. Auch ein Uhrmacher wäre uns sehr willkommen. Es wäre schön, wenn sich Handwerker aus Frick und Umgebung finden würden. Vielleicht gibt es ja Pensionierte, die bereit wären, ihr Fachwissen zwei oder dreimal jährlich ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen.

Was machen die «Kunden» solange ihr Gegenstand in der Reparatur ist?

Su Freytag: Die Leute müssen Zeit mitbringen. Es kommt einer nach dem anderen dran. Die Handwerker lassen sich beim Arbeiten gerne über die Schulter schauen. Zudem gibt es den Brunch in der Cafeteria und das Mittagessen. Der Besitzer des Gegenstandes sollte in der Nähe bleiben, falls es Rückfragen gibt.

Was passiert, wenn etwas nicht mehr repariert werden kann?

Su Freytag: Wir übernehmen natürlich keine Garantie dafür, dass der Gegenstand repariert werden kann. Bei alten Geräten können beispielsweise Gehäuse oder Kabel brüchig sein, dann kann unter Umständen nichts mehr gemacht werden. Auch wenn der Handwerker im Voraus sieht, dass die Reparatur mehr als eine halbe Stunde Arbeit in Anspruch nimmt, muss er passen. Schliesslich geht es darum, möglichst viele Gegenstände zu flicken, um den Abfallberg etwas kleiner zu machen.

Die ReparierBar findet jetzt einmal statt, wie geht es danach weiter?

Su Freytag: Wir fangen klein an, hoffen aber, dass etwas Grösseres daraus entsteht. Ich bin es von meinem Beruf her gewohnt, drei Schritte vorwärts und einen wieder zurück zu machen. Angst, überrannt zu werden, haben wir nicht. Wir erwarten, dass vielleicht gegen 20 Leute kommen werden. Wenn niemand auftaucht, machen wir zusammen einen Brunch. Schön wäre, wenn der Anlass sicher zwei- oder dreimal jährlich stattfinden könnte. Ideen für einen weiteren Ausbau gibt es bereits, zum Beispiel, im Sommer Fahrräder zu flicken. Ich würde auch gerne eine Kleidertauschbörse integrieren, bei der wir Migrantinnen einbeziehen könnten.

Die Veranstaltung ist nicht gewinnorientiert. Wie finanziert ihr euch?

Su Freytag: Der ganze Background arbeitet ehrenamtlich, also die Handwerker, das vierköpfige Helferteam und wir. Und solange wir uns dem Biomarkt des Meck anschliessen können und uns der Raum im ersten Stock reicht, müssen wir keine Miete zahlen. Spenden sind natürlich erwünscht, vor allem dann, wenn man möchte, dass die ReparierBar fortbesteht. Und es wäre schön, wenn es für unsere Handwerker zumindest für ein Mittagessen reicht. Spenden kommen dem gesamten Projekt zugute.

Ist es überhaupt möglich, die heutige Wegwerfgesellschaft umzuerziehen?

Su Freytag: Der Anlass wird in erster Linie Leute ansprechen, die ohnehin schon ökologisch denken und sich nicht von der Masse ablenken lassen. Die Industrie will natürlich nicht, dass so ein Anlass Platz hat. Schliesslich will sie Neues verkaufen. Doch dieses Denken ist verkehrt: Wenn ich wenig Geld ausgebe, um etwas reparieren zu lassen, habe ich mehr Geld für etwas Neues. Dieser Industrielle, der diese Überlegung versteht, darf uns gerne unsere Flyer sponsern (lacht).

Interview: Sonja Fasler Hübner

Unser Bild: Flicken statt wegwerfen: Su Freytag organisiert die erste ReparierBar in Frick. Foto: Sonja Fasler Hübner

 

Veganes Essen

Anmeldungen für das vegane Mittagessen nimmt Su Freytag bis am 22. Februar unter Tel. 079 889 71 56 als SMS entgegen. Wer sich gerne mit handwerklichem Geschick oder als Sponsor engagieren möchte, kann sich bei Jürg Meier, Tel. 079 306 34 12, E-Mail: melden.

 

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