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Oberhof

Aller guten Dinge sind Drei: der Jahrgang 2003vor dem Höhenfeuer, das nun im Herbst abgebrannt werden soll. Foto: bi.

(bi.) Es ist längst zur guten Tradition geworden, dass die Bundesfeier für Oberhof und Wölflinswil gemeinsam durchgeführt wird. Dieses Jahr versammelte man sich in der weiträumigen Schulanlage Moos. Die Sportvereine Oberhof sorgten für die Festwirtschaft, die Damenriege bot unter Applaus eine gekonnte Darbietung und besonders stimmig war der Auftritt der Jodelgruppe Edelwyss Oberes Fricktal.

Die Damenriege Oberhof zeigte sich in Hochform. Foto: bi.Nach der Begrüssung durch Oberhofs Gemeindeammann Roger Fricker kam auch der Jahrgang 2003 zu Wort. Seit über 40 Jahren Jahren sorgt der «Rekrutierungsjahrgang» zusammen mit den gleichaltrigen Frauen für einen besonderen Beitrag. 21 Jahrgängerinnen und Jahrgänger wirkten dieses Jahr mit. Auf «Ramistell» wurde in wochenlanger Arbeit ein wuchtiges Bundesfeuer aufgeschichtet. Aber jetzt war nichts damit, kein einziges Feuer hatte Platz an diesem Abend. Das Abbrennen werden die Gemeinderäte einvernehmlich mit dem Jahrgang bestimmen. Die Rede ist von anfangs Oktober. Es könnte dann vielleicht bei starkem, ausgiebigem Wetterwandel nach der Dürrezeit zu einem besonderen Fest für Mensch, Tier und Pflanze in der Talschaft werden.
 
 
 
Im Mittelpunkt der abendlichen Feier stand vor einem interessierten und zahlreichen Publikum die Rede der Grossratspräsidentin Elisabeth Grossratspräsidentin Elisabeth Burgener Brogli hielt die Festansprache in Oberhof. Foto: bi.Burgener Brogli aus Gipf-Oberfrick. Sie hat gleichentags schon in der grössten Aargauergemeinde in Wettingen referiert und fand nun die Begegnung mit den «kleineren» Landgemeinden als ein Zeugnis grosser Vielfalt im gemeindereichen Aargau, obwohl es seit dem Jahr 2000 schon 32 Fusionen gab. Einen «Stadt-Landgraben» liess sie nicht gelten. Es gebe eine Sehnsucht nach Ländlichkeit und Überschaubarkeit, welche als Gegenpool die urbane Entwicklung und den Veränderungsdruck kenne. «Stadt und Land ergänzen sich und sind das Fundament unserer föderalen Demokratie. Grundlage des menschlichen Zusammenlebens ist das genossenschaftliche Ordnungsprinzip von unten nach oben, da sind unsere Gemeinden vorne». Sie nannte die seit Jahren bestehende Zusammenarbeit der beiden Juragemeinden als beispielhaft und wünschte für den eingeleiteten Prozess einer vertieften Fusionsabklärung viel Energie und Erfolg. Sie bezeichnete den 1. August als einen wichtigen Gedenktag. «1291 war eine gemeinsame Antwort auf eine Bedrohungssituation und die Gründung des Bundesstaates von 1848 war ein Akt von grossem Optimismus und Vertrauen in die Zukunft». Diese Grundwerte seien in der aktuellen Situation für uns alle eine grosse Herausforderung.
 
Bilder: Aller guten Dinge sind Drei: der Jahrgang 2003vor dem Höhenfeuer, das nun im Herbst abgebrannt werden soll.
Die Damenriege Oberhof zeigte sich in Hochform.
Grossratspräsidentin Elisabeth Burgener Brogli hielt die Festansprache in Oberhof. Fotos: bi.
 
Die Rede von Elisabeth Burgener Brogli im Wortlaut:
 
Liebi Mitbürgerinne, liebi Mitbürger
vo Oberhof und Wölflinswil,
Gschätzi Dame und Herre vo de zwei Gmeindröt
Liebi Gäscht
 
Hüt am Morge bin i uf Wettige gfahre - i die gröschti Gmeind vom Kanton Aargau - um d1. Auguschtred zhalte. Denn han ich en kurze Zwüschehalt im mim Dorf, in Gipf-Oberfrick, gmacht. Und jetzt bin i do in Oberhof, einere vo de chlinere Gmeinde vo öisem Kanton und dörf au nomol zum 1. Auguscht rede. En Tag vo de Dörfer!
Danke für dIladig. Ich bin sehr gern cho.
Ich bin i dem Johr sehr viel im Aargau unterwegs; i vielne Gmeinde, Dörfer, Schtädt. Ich bsuech alli 11 Bezirk und bin a mänge Alass und mängi Festivität iglade. Dodebi beidruckt mich dIdentifikation und dFreud vo de Mönsche a dem, wo mer in unmittelbarer Nöchi hed, und ich han en höchi Achtig vor dem grosse, lokale Engagement.
So bim unterwegs si hed sich bi mir au s`Bild und d`Silhouette vo de Dörfer mit de Chilene und de Chiletürm iprägt, wo verstreut sind über öise ganzi Kanton.
Rund 200 Gmeinde gits im Kanton Aargau; nach em Kanton Bern und Waadt ghöre mer zu de gmeinderiechschte Kantön.
Zwüschem „chline“ Oberhof und Wettige de gröschte Gmeind, zeichnet sich es schöns Abbild vo öisem Kanton und dr Entwicklig i de letschte 30 Johr ab.
Da isch uf dr einte Site dSehnsucht nach dr Ländlichkeit und dr Überschaubarkeit; mer ghört jo ab und zue: bi öis isch dChile no im Dorf….. Und uf dr andere Site macht en urbani Entwicklig und en Veränderigsdruck oder -wunsch au vor em Aargau nid Halt. DDörflichkeit verändert sich.
Zuesätzlich red mer ide letschte Johre vermehrt vom Grabe zwüsche Stadt und Land. Vielliecht will bi öis im Aargau dStädt im Verglich zu andere Kantön eher chli sind, isch die Diskussion no nid so heftig, aber sie wird au bi öis gführt.
Was liest mer, was seit mer? Die schinbar rückwärtsorientierti, emotional prägti Landbevölkerig tögi enere zahlemässig unterlegene, rationelle Stadtbevölkerig gegenüber schtoh.
Oder au: Do sige die usländerskeptische, konservative Dorf- und Vorortsgmeinde, dört die offene, multikulturelle, städtische Zentre.
Für mich, als öper wo au usemene Dorf chunnt, sich als offni und progressivi Person bezeichnet, wird die Diskussion zu plakativ und zu fest schwarz /wiss gführt.
Klar isch: mitunter in Abschtimmigsresultat drückt sich de Grabe zwüsche Stadt und Land us. I öisem Alltags- und Bruefsläbe aber flüsst vieles inenander ine und mer chas nid eifacht klar usenanderneh. Wie ich vorher scho gseit ha: es hed sich vieles veränderet i dr Gmeindelandschaft; Stadt und Land wird vermehrt nid als Gegesatz, sondern als ergänzends System verstande.
Öb Stadt oder Dorf, chli oder gross - öpis isch klar: DGmeinde sind sFundament vo de föderale Demokratie.
Söll öises Staatswese vo obe nach abe - also herrschaftlich - oder vo unte nach obe - gnosseschaftlich ufbaut werde?
Scho sit Johrhunderte hed die Frog beschäftigt.
Die erschte, moderne Gmeinde sind i dr Helvetik entstande; de Wunsch nach politischer und rechtlicher Selbschtverantwortig i de Kommunene isch en lange Prozess gsi.
SRinge um herrschaftlichi, bzw. gnosseschaftlichi Strukture isch öpis vom vielleicht Wichtigschte vo dr Sozialgschicht, und es got debi um öpis Fundamentals: um dGrundlag vom menschliche Zämeläbe. Sgnosseschaftliche Orndnigsprinzip isch es Gmeinwese vo unde nach obe - das sind öise Gmeinde.
 
DGmeinde bildet en Basis fürs Engagement vo dr Bürgerinne und Bürger fürs öffentliche, gmeinsinnorientierte Wohl und werde als wichtige Ort erfahre, a dem es Mitgschtalte vo dr Läbeswält, zumindescht teilwies, möglich isch.
DGmeind isch de Ort, wo mer am unmittelbarschte mit öffentliche Aglegeheite in Berüehrig chunnt und dMöglichkeit hed mitzwirke: bim Budget, bim Stürfuess, bi de Bauzone, bi de Bautätigkeit, bi soziale Ufgabe, bi Froge rund um dÖkologie und dEnergie, u.s.w., u.s.f.
DUseforderige für dGmeinde sind zuenehmend komplexer worde i de letschte Johr. Drum: mer schafft überdörflich in Verbänd zäme, mer vernetzt sich, mer setzt sich mit Fusione usenander und setzt sie ggf. au um. Sit 2000 heds i öisem Kanton 32 Fusione geh - einigi i öisem Bezirk.
Mer denkt also über dGmeindsgrenze use.
Biespielhaft für die Zämearbet sind euchi zwöi Gmeinde: Oberhof und Wölflinswil. Ihr händ en gmeinsami Verwaltig und au vieli Verein sind zämegschlosse; und ebe, ihr organisieret sit Johre d1. Auguscht-Fir zäme, abwechsligswies einisch zOberhof, einisch zWölflinswil.
Und denn natürlich s’gröschte Projekt, wo euch bevorstoht: a de Gmeindsversammlige händ ihr en vertüfti Fusionsabklärig beschlosse, mit em klare Ziel en Uslegeordnig zha, demit alli Stimmberechtigte denn chönnt entscheide. Ich wünsche euch für de Prozess viel Energie und Erfolg.
Afänglich han ich sBild beschriebe vo de Dörfer mit de Chilene, wo mich i mim Amtsjohr begleitet.
Uffällig und dominant isch au öichi Chile do uf em Hügel in Wölflinswil, und wenn ich de Chileturm beschtieg, han ich en wunderbari Ussicht uf euchi zwei Gmeinde.
Ich hoffe, es schtimmi wirklich, dass mer vo de Wölflinswiler Chile uf Oberhof gseht. Und suscht chönnt ihr sie jo im Rahme vo de eventuelle Fusion echli verschiebe.
Oberhof und Wölflinswil.
Do isch au das tolle und solidarische Garte - und Gmüesprojekt Garteberg, wo wit über dGmeind- und dBezirksgrenze bekannt isch. Und denn dSchuel Oberhof, wo Biodiversität förderet dur en naturnahe, ökologische Unterricht mit eme eigene Garte bim Schulhaus. Erwähnenswert isch natürlich au dNatur- und Kulturwoche, wo das Johr snünte Mol duregführt worde isch und mir sehr gfallt.
Denn chönnt ihr euch au nid beklage über zwenig Useforderige: d’Verkehrs- insbesondere Töffsituation uf de Benkeschtross, sProjekt Windpark Burg, und….. de Finanzusglich.
Viel Arbet und viel Isatz, wo in öichne zwei Gmeinde gleischtet wird. Dodefür es herzlichs Dankeschön und alles Guete für öiches Gmeindsläbe.
 
Ich bin immer no uf öichem Chileturm obe, dreih mich echli ewäg vo Oberhof - Wölflinswil, nimm de Fäldstecher use und gseh über öichi Gmeindsgrenzene us, viellicht sogar - je nach Wetterlag - über dKantons- und dLandesgrenze.
Und eis wird bewusst bim Blick i dWiti: dWält und ihri Themene mache nid Halt bi de Gmeindsgrenze, bzw. bi der Idylle vom Bekannte und Vertraute.
Corona, dUkraineflüchtling, dTrockeheit und dErwärmig - was alles au dGmeinde beschäftigt - stoppt nid am Gmeindsbann. Oberhof und Wölflinswil, wo vor meh als zwei Generatione nid emol en ÖV-Verbindig über de Benke gha hed, sind zmittst drin.
 
Wie wirklich existentiell düte mer, was öis beschäftigt, de Krieg in Europa, de Klimawandel, dPandemie?
Was erwartet en junge Mönsch vo öis? Wie söll die Wält in 30 Johr usgseh?
Chönne mer eifacht eso witer mache, wie wenn mer no viel Zyt hettet; kontrolliert, wie mers öis gwohnt sind, Schritt für Schritt usem Bestehende?
Wo und wie sind mer bereit, öpis zverändere und au en radikale Schritt zmache?
Wie gönd mer mit Bedrohigssituatione um?
Mer fire hüt de 1. August. Dr 1. Auguscht isch en Gedenktag. Mer fire dÜberikunft uf en gmeinsami Erzählig: en Einigung ufenen Bund, en Bundesbrief, es Datum - 1291 - , en Gegner, dHabsburger und en Ort, sRütli. Und en Erzähler - de Friedrich Schiller. Er hed die Element als Dramaturg im Wilhelm Tell uf dBühni brocht, wo vielne wohl gfallt, und wo mer übernoh hed.
Isch dSchwiez also nur es gfälligs Bühneschtück?
Vordergründig isch bekannt, was das Schtück meint. Doch, was isch dGschicht dehinter?
Was für es Verständnis söll sichtbar werde?
Historischi Verglich mit hüt zmache sind immer heikel; aber eis isch klar: 1291 isch au en gmeinsami, überregionali Antwort gsi uf en Bedrohigssituation.
2022 sind mer au inere Situation, wo bedrohend isch, und es schtoht s Gmeinsame und sMitenand wieder sehr im Zentrum; i dr Schwiez, aber au über dLandesgrenze us.
DInfrageschtellig vo de “Neutralität” isch wieder es Thema, und dTeilnahm amene Bündnis über dLandesgrenze us wird zum Teil guet gheisse, zum Teil kritisiert.
Aber: en grossi Öffentlichkeit, dRegierig und sParlament bekenne sich drzue.
Mer bekenne öis drzue, dass mer en Mitverantwortig träge; dass mer kei Angscht vo dr Wält händ, und dass mer grossi Useforderige imene Verbund agönd.
Mer händ öis drum de Sanktione gege de Aggressor agschlosse und gönd demit es Bekenntnis i, indem mer uf dr europäische Ebeni teilnehme. Mer schotte öis nid ab, sondern vertraue druf, dass mer en Teil vo dere Wält sind, au chönnt und wänd Ifluss neh, und dass sie öis au betrifft.
DSkepsis gegenüber de grosse, europäische Länder, gegenüber Europa - isch das wirklich schwiezerisch?
Uf dr eine Site isch es verständlich für en vielfältige, eher chline Staat. Aber schwiezerisch isch au sBewusstsi, dass Europa öisi kulturelli Heimet isch. DSchwiez isch, kulturell, nid institutionell - ich denke da an öisi direktdemokratische Strukture, wo wichtig sind - es Europa im Chline. Und vielliecht grad drum schwanke mer immer wieder zwüsche Verflechtig und Abgrenzig.
Aber mer wänd öis nid abschotte. Vo dem chan und dörf kei Red si, grad imene Land wo Zuewanderig vo allne Site und sit Jahrhunderte kännt, und wo iegholt wird vo weltwite Entwicklige.
Damals dGründig vom Bundesstaat 1848 isch en Akt gsi vo grossem Optimismus und Vertraue i dZuekunft und in dZämearbet.
Am 1. Auguscht sind mer gschichtsbewusst und eriinere öis; und dört drususe sind mer aber au zuekunftsfreudig und offe.
Zuekunftsfreudig und offe, wie das öis dGmeinde vorlebe……
Liebe Zuehörerinne und Zuehörer, Ich bin immer no uf öichem Chileturm, han langsam Hunger und Durscht, und packe jetzt de Feldschtecher i. Min Blick schweift zrugg wieder do uf Oberhof-Wölflinswil, und ich schtiege abe….., schlüsse mini Wort ab und fröie mich jetzt uf es gselligs Zämesi.
Ich danke Ihne für Ihri Ufmerksamkeit.



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