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Münchwilen

Florentina Mallaku-Bytyqi und Bruno Tüscher freuten sich, dass es in diesem Jahr wieder eine Bundesfeier in Münchwilen gab. Foto: Jörn Kerckhoff

«Es ist einfach schön, dass wir uns wieder treffen können, zu diesem Anlass», erklärte Münchwilens Gemeindeammann Bruno Tüscher vor dem Festakt am 1. August beim Gasthaus «Pöstli zum Mönch». Genau das war dann wohl auch der Grund dafür, warum sich eine ganze Reihe der Dorfbewohner nicht vom Regen abhalten liessen, den 730. Geburtstag der Schweiz gemeinsam dort zu feiern. In den Jahrhunderten ihres Bestehens hat die Schweiz schliesslich auch schon Schlimmeres erlebt, als ein paar Regentropfen. Und obwohl Petrus die Schleusen kurz vor Beginn des Festaktes öffnete, pilgerten die Münchwiler zum Pöstli – nach dem Motto «es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Bekleidung».
JÖRN KERCKHOFF

Als Festrednerin agierte in diesem Jahr Gemeinderätin Florentine Mallaku-Bytyqi. «Für mich ist es die erste 1.-August-Rede», gestand sie den Besuchern des Festaktes. Etwas Lampenfieber darf da schon sein. Ein grosser Moment und eine grosse Herausforderung, erklärte sie im Anschluss. Was soll man zu diesem Anlass auch sagen, was in den vorangegangenen 729 Jahren nicht schon gesagt wurde? Dabei habe sie sich sogar selbst darum beworben, die Rede halten zu dürfen, so die Gemeinderätin. Da muss man sich der selbstgewählten Herausforderung eben stellen und das tat sie dann auch.

Ein gemeinsames Ziel verfolgen
«Die Menschen schliessen sich zu einer Genossenschaft zusammen, wenn sie ein gemeinsames Ziel verfolgen. Das Ziel der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden sei die Unabhängigkeit von den grossen Mächten gewesen. Bis zum 12. September 1848 schlossen sich immer mehr Kantone an und bilden seither die heutige Schweiz.

Kleines Land ganz weit vorne
«Wir sind ein kleines Land, das in vielen Dingen aber ganz weit vorne ist, etwa bei der Schulbildung, der Wirtschaft und der Zufriedenheit», machte Florentine Mallaku deutlich, dass es eben tatsächlich nicht immer auf die Grösse ankommt. Viel wichtiger sei der Zusammenhalt und das gemeinsame Anpacken von Herausforderungen, so die Gemeinderätin. Eine Aussage, die sowohl für das Zusammenleben in einem kleinen Dorf als auch für das innerhalb eines ganzen Landes gilt. Freiheit, Sicherheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung seien der Lohn für diesen Zusammenhalt.

Immer noch Verbesserungspotenzial
Aber auch das Erfolgsmodell Schweiz lasse sich immer noch weiter verbessern, machte Florentina Mallaku-Bytyqi deutlich, dass es gelte, immer aufs Neue um diese Werte zu kämpfen – besonders bei den Herausforderungen, vor die die Nation im Laufe der Zeit gestellt werde. Etwa die Corona-Pandemie, die im vergangenen Jahr für die Absage der allermeisten Bundesfeiern in der gesamten Schweiz gesorgt hatte.

Historischer Ort in Münchwilen
In diesem Jahr fanden sie vielerorts wieder statt, auch in Münchwilen. «Wir sind hier zwar heute nicht auf dem Rütli, befinden uns aber ebenfalls an einem geschichtsträchtigen Ort, dem Restaurant Pöstli», stellte Florentine Mallaku fest und brachte die Münchwiler damit zum Schmunzeln. Zum Ende forderte die Rednerin die Gäste auf, mit ihr auf die vergangenen 730 Jahre anzustossen und auf eine erfolgreiche Zukunft.

Bild: Florentina Mallaku-Bytyqi und Bruno Tüscher freuten sich, dass es in diesem Jahr wieder eine Bundesfeier in Münchwilen gab. Foto: Jörn Kerckhoff

 

Die ganze Rede im Wortlaut:

«Liebe Mitbürgerinne und Mitbürger,

Nach so langer Zeit freue ich mich sehr, dass wir heute hier in Münchwilen, zur heutigen 1. Augustfeier zusammengekommen sind. Es ist mir eine grosse Ehre, hier und heute, zum 730. Geburtstag der Schweiz, die offizielle Festrede zu halten, und möchte mich ganz herzlich bei unserem Gemeindeammann Bruno Tüscher bedanken.

Für mich ist es etwas Besonderes, heute hier als Rednerin vor Euch zustehen. Da es meine erste 1.-August- Rede ist, hat mich dies seit einigen Wochen beschäftig, die richtigen Worte zu finden.  Anfangs Woche habe ich mich mit unserem Ehrenbürger Willi Schürch getroffen, um nach Tipps zu fragen. Doch dieses Mal war er mir keine wirkliche Hilfe, dafür war das Mittagessen sehr amüsant.  

Da wir alle die Schweizer Geschichte bereits kennen, habe ich nach einem passenden 1.-August-Zitat gesucht, welche unsere Geschichte kurz und bündig am besten umschreibt:

Mitten in den Rivalitäten der grossen Mächte und im Kampf der politischen und wirtschaftlichen Interesse ist für die Schweiz der sichere Schutz allein das Recht, der Glaube an seine siegreiche Kraft und das furchtlose Einstehen dafür. Diese Gesinnung allein bleibt das stärkste Fundament unseres Staates. Ein Zitat von Fritz Fleiner

Heute stehen wir nicht auf dem Rütli, wo der Lengede nach die schweizerische Eigenossenschaft aus den Urkantonen Uri, Schwyz und Unterwalden ihren Bund besiegelten und so den Grundstein zur heutigen Schweiz legten, aber auch hier stehen wir an einem historischen Ort, und zwar im Pöstli z’Münchwilen.
Als Gründungsdokument gilt der Bundesbrief vom August 1291, die älteste erhaltene Bündnisurkunde, welche aus einer Seite mit 17 Sätzen besteht. 

Der Eid, durch die drei Eidgenossen zu gegenseitigem Beistand verpflichteten, gilt als Gründung der alten Eidgenossenschaft. Unser heutiger, moderner Bundesstaat, wie wir es kennen, besteht seit dem 12. September 1848. Von unseren Vorfahren brauchte es viel Selbstvertrauen, Optimismus und vor allen die Überzeugung, dass wir zusammen stärker sind.

Die Menschen schliessen sich dann zu einer Genossenschaft zusammen, wenn sie zusammen ein gemeinsames Ziel verfolgen. Ein Ziel, das jede und jeder von ihnen allein nicht erreichten könnte, gemeinsam aber schon. Denn alle wissen: Nur zusammen können wir es schaffen, nur zusammen sind wir stark.
Eine Genossenschaft ist der Ausdruck einer grossen gelebten Solidarität. Eine Genossenschaft ist aber auch der Ausdruck einer gelebten Demokratie.  Denken Sie daran, dass fast wir alle irgendwie und irgendwo in einer Genossenschaft dabei sind.

Das Erfolgsmodell der Schweiz haben wir von unseren Vorfahren mit all ihren politischen und wirtschaftlichen Errungenschaft geerbt und werden es mit grosser Sorgfalt an unsere Nachfolger weitergeben. Solange Liebe und Achtung unsere Beziehung zu unserem Land und unserem Gemeinwesen prägen, sind wir nie verloren.

Wenn wir uns vorstellen, wie man vor 700 Jahren hier lebte, hat sich auch vieles geändert und verbessert.

Wenn wir die Schweiz mit anderen Ländern vergleichen, ist die Schweiz relativ klein. Jedoch ist sie bei verscheiden Statistiken wie zum Bespiel Zufriedenheit, erfolgreichste Wirtschaft oder Schulbildung fast überall an der Spitze dabei.

Die aktuelle Lage durch Corona, hat neue Herausforderungen gebracht. Jedoch versuchen wir weiterhin solidarisch und loyal zu bleiben, dank unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Unsere wichtigsten Werte Freiheit, Sicherheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, dürfen wir nicht vergessen. Wir wollen unser Erfolgsmodell weiterhin verbessern und die Schweiz mit ihren wertvollen Werten weitergeben. Wenn wir alle am gleichen Strang ziehen, sind wir gemeinsam stark.

Meine Damen und Herren, es ist wirklich schön den Geburtstag an diesem Ort zu feiern, den 730 Geburtstag. Ich danke für die Aufmerksamkeit und wünsche euch im Kreise eurer Familie, Freunde und Bekannten einen schönen 1.-August-Abend.

                                                                                   Florentina Mallaku-Bytyqi, Juli 2021

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