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Hellikon

Historische Häuserzeile im Dorfkern von Hellikon, Blick in Richtung Zuzgen. Foto: Roland Hofmann

Das Wort in deinem Ort: Hell. Deutsches Adjektiv, das oft in Verbindung mit Licht, aber auch im Sinne von hell sein, ein ganz aufgeweckter Mensch sein, verwendet wird. Im Englischen bedeutet Hell hingegen Hölle und meint damit wohl ziemlich das Gegenteil davon. Und für einmal liegen Englisch und Schweizerdeutsch ganz nahe zusammen.

PHILIPPE HOFMANN*

Heute sagt man zwar im Dialekt vermehrt Höll, im älteren Schweizerdeutsch wäre das aber die Form Hell. Das Wort geht zurück auf das althochdeutsche «hella», germanisch «haljo» im Sinne von Unterwelt, Totenwelt. In der Fachsprache spricht man von Entrundung, wenn ein O beziehungsweise ein Ö als E ausgesprochen wird. Das Gegenteil, das in diesem Fall im Laufe der Zeit passierte, also dass sich Hell zu Höll wandelte, heisst entsprechend Rundung.

Schweizerdeutsches Wort «hell»
In der Namenlandschaft ist das Element «Hell», «Höll» sehr oft anzutreffen. Die Kaistener Hell liegt in einem steilen Waldgebiet und in Densbüren liegt die Höll zwischen der Pfaffenhalde und Strichen in einer steil abfallenden teils bewaldeten Mulde. In Wölflinswil liegt die Höll ebenfalls in einem steil abfallenden Waldhang, dazu noch weit entfernt vom Dorfzentrum.
Nur unweit davon entfernt heisst es «Vor der Höll». Oft bezeichnet das Element «Hell», «Höll» also abgelegene, unheimliche Stellen, aber nicht nur. Der wohl bekannteste Name im Fricktal liegt in Oberfrick. Die Flur am Ende des Maiwegs heisst dort: «I dr Hell». Und die Zuzger Höll findet sich weit oben am Hang vom Chriesiberg. Sollte dies die Hölle sein – es gäbe Schlimmeres.
Im Schweizderdeutschen kann Hell auch «in einer Vertiefung, einem Tal oder Graben oder an seinen Hängen gelegenes Kulturland» bedeuten. Dies erklärt zwar die Zuzger und Oberfricker Namen, aber trifft dies auch auf Hellikon zu, das auch in einem Tal liegt? Und was heisst dann -ikon?

Auch wenn der Saharastaub ein düsteres Ortsbild zeigt, den Teufel gibt es in Hellikon nicht. Foto: Roland HofmannHello heisst nicht nur «hallo»
Hellikon liegt fast zuhinterst im Wegenstettertal am Möhlinbach. Talauswärts grenzt der Ort an Zuzgen. Und beide Namen haben mehr gemeinsam, als sie auf den ersten Blick preisgeben. Zuzgen und Hellikon sind beides ursprünglich sogenannte «-inghoven-Namen». Das heisst, sie hatten einst die gleiche Endung – und diese trägt wichtige Informationen in sich. Diese Endung schwächte sich über die Laufe der Jahre über die Formen -ikon, -iken, -(i)gen bis hin zu heutigem gesprochenem /-gə/kchə/ ab. Alle Ortsnamen mit diesen Endungen fallen in die Zeitspanne der sogenannten Ausbausiedlungen, die im 7. bis 8. Jahrhundert entstanden sind. Für Hellikon ist eine Grundform Hellinghovun anzunehmen und verweist auf eine Ansammlung von Höfen hin. Im ersten Teil des Namens verbirgt sich der Personenname Hello. Es ist der Name desjenigen, der einst die Sippe anführte, die diese Hofansammlung errichtet hat. Hellikon ist demnach zu deuten als «bei den Höfen der Sippe des Hello».
Das nächste «Wort in deinem Ort» bezeichnet einen Anhänger eines geistlichen Ordens. Es findet sich noch in weiteren Gemeindenamen und sogar in einem sehr erfolgreichen deutschen Fussballclub. Aber lesen Sie selbst.

* Philippe Hofmann ist promovierter Namenforscher und Präsident des Vereins Aargauer Namenbuch. Er war viele Jahre in der Baselbieter Flurnamenforschung

Bilder:
Historische Häuserzeile im Dorfkern von Hellikon, Blick in Richtung Zuzgen.
Auch wenn der Saharastaub ein düsteres Ortsbild zeigt, den Teufel gibt es in Hellikon nicht.
Fotos: Roland Hofmann
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