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Spieleautorin Janet Kneisel.  Foto: Marianne VetterDas Leben ist zu kurz, um an Dingen festzuhalten, die uns nicht erfüllen. Janet Kneisel hat ihren Weg gefunden und tut heute genau das, was sie erfüllt, sie kreiert Spiele. 2015 sind drei ihrer Spiele bei renommierten Spiele-Verlagen wie Ravensburger oder Schmidt Spiele erschienen, in diesem Jahr nochmals zwei weitere. «Mein Ideenbuch ist dick gefüllt», erzählt sie lächelnd. «Ich kann mir keinen anderen Beruf mehr vorstellen.» Dass Janet Kneisel mit vollem Herzen bei ihrer Arbeit ist, ist nicht zu  übersehen. Kein Wunder also, dass sich der Erfolg im rasanten Tempo einstellte.

MARIANNE VETTER

Veränderungen brauchen Zeit und Mut. Herauszufinden, welche Ziele wirklich die ureigenen sind, ist gar nicht so einfach. Vieles scheint verlockend und erstrebenswert. «Ich habe lange in mir gegraben, bis ich wusste, was mich wirklich erfüllt. Das war ein Prozess von mehreren Jahren. Aber ich wusste immer, dass da noch etwas in mir steckt, das gelebt werden will.»
Janet Kneisel ist  Apothekerin. Ihren Beruf in der pharmazeutischen Industrie hängte sie vor ein paar Jahren an den Nagel. «Als Kind habe ich mir oft Spiele ausgedacht, das war sozusagen meine Lieblingsbeschäftigung. Ich musste mich erst wieder daran erinnern, das hat gedauert. Ich habe es tatsächlich vergessen. Als mir das bewusst wurde, liess ich meinen Spielideen wieder freien Lauf.»
Allerdings hatte sie ein zeitliches Problem, denn der Job in der pharmazeutischen Industrie war anspruchsvoll und liess wenig Raum für «Spielereien». Janet Kneisel reduzierte ihr Stellenpensum, um sich mehr  ihrer Kreativität und deren Umsetzung zu widmen. Kurz drauf war die Entscheidung gefällt, sie gab ihre Anstellung in der pharmazeutischen Industrie auf – «dann kam alles ganz spielerisch ins Rollen.»
2011 überzeugte Janet Kneisel die Jury für Nachwuchsautoren «Spiel des Jahres» mit ihren Spielentwürfen und auch mit ihrer spürbaren Leidenschaft. Auf dem Spiele-Autorentreffen in Göttingen wurde sie mit dem Spielautoren-Stipendium ausgezeichnet. Ein Preis, der von der Jury Spiel des Jahres in Zusammenarbeit mit der SAZ (Spieleautorenzunft) vergeben wird.  «Das war sozusagen meine Eintrittskarte», erzählt die Autorin, «jetzt konnte ich gezielt entwickeln, viele Kontakte knüpfen. Man trifft sich auf Messen, bekommt viele Insiderinformationen und Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche der Spiele-Szene.» In verschiedenen Praktika, unter anderem bei Spieleverlagen und im Spielwarenfachhandel, konnte sie nicht nur den Blick für die reine Autorentätigkeit, sondern auch aus Verbraucherperspektive schärfen.
«Ich arbeite immer parallel an mehreren Spielen. Im Kopf, auf Papier oder digital spiele ich durch,  wie eine Idee umgesetzt werden kann. Jeder arbeitet anders. Der Selbsttest ist dabei sehr wichtig.» Funktioniert alles soweit, heisst es: In der Gruppe testen und auf Kritik der Mitspieler pochen. «Gerade bei Kindern lassen sich Spiele gut testen, sie sind authentisch und man bekommt ein absolut ehrliches Feedback. Ein gutes Spiel hängt auch immer von der Zielgruppe ab.» Im Kinderspielbereich sind für Janet Kneisel  neben Spielspass,  Kriterien wie Wiederspielreiz, Material, Ausstattung und Gestaltung sehr wichtig, wie auch  «sich in die Zielgruppe hineinzuversetzen, nicht zu über- oder unterfordern. Oftmals sind es die einfachen Dinge, die begeistern.»
Janet Kneisel entwickelt überwiegend Kinder- und Familienspiele, aber auch Erwachsenenspiele. Als Spieleerfinderin hat sie sich  in kurzer Zeit bereits viel Aufmerksamkeit verschafft. Auch wenn Männer und Frauen gleich gerne spielen, das Spieleerfinden sei noch immer eine Männer-Domäne, weiss sie. Die Frage, ob man von diesem Beruf leben kann, lasse sich nicht so einfach beantworten. «Entwickelt ein Autor einen Verkaufsschlager, der über Jahrzehnte auf dem Markt bleibt, und veröffentlicht er dabei auch noch neue Spiele bei grossen Verlagen, dann kann er sicher davon leben. Der Gewinn des Spiel des Jahres ist hierfür natürlich sehr hilfreich, denn diese Spiele haben Auflagen von 300 000 bis 500 000 Stück. Normalerweise liegt die Startauflage bei 3000 bis 5000 Stück und hängt natürlich auch sehr davon ab, wie gross oder wie präsent der Verlag weltweit ist.» Einfach sei dies aber gewiss nicht. Bei Janet Kneisel, die mit ihren Spielen noch relativ neu auf dem Markt ist, wird sich das erst noch zeigen. «Mit den erzielten Verkaufszahlen bin ich aber sehr zufrieden. Mein Ziel: Für viele Menschen viele schöne Spielideen zu kreieren und noch viele gute Spiele zu veröffentlichen, denn: Kinder, die spielen, haben es im Leben leichter», ist sich die Autorin sicher.
Neu: Kinder- und Familienspiel «Geisterburg» (Queen Games; Janet Kneisel und Wolfgang Dirscherl, 2 bis 4 Spieler, ab 6 Jahre).

Unser Bild: Spieleautorin Janet Kneisel. Foto: Marianne Vetter
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