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Möhlin

Die ehemalige Grossrätin Doris Benker liebt Möhlin. Die Natur drumherum geniesst sie fast täglich beim Walken oder Velofahren. Deshalb ist sie sehr zufrieden mit dem Ausgang der Abstimmung in Möhlin zur Testplanung; ein wunderbares Stück Natur bleibt erhalten.

BRIGITTE KELLER

Für Anliegen, die ihr am Herzen liegen, setzt sie sich auch mit 79 Jahren noch energisch ein. Was verständlich ist, hat sie doch vor Jahren eingestanden, dass Politik wie ein Virus ist, das einen nie mehr loslässt. Und dabei wollte sie ursprünglich Schauspielerin werden.
Aufgewachsen ist sie als Einzelkind in Winterthur. Als sie vier Jahre alt war, verliess der Vater die Familie. Ihre Mutter arbeitete Vollzeit und somit war Doris viel auf sich alleine gestellt. «Dadurch lernte ich früh, selbständig zu werden und mich gut mit mir selbst beschäftigen zu können,» zieht sie ein positives Fazit aus dieser nicht immer leichten Zeit.

Einmal, während der Sekundarschulzeit, spielte sie die Hauptrolle in einem Theaterstück. Die Darbietung begeisterte das Publikum und ihr Berufswunsch stand fest: Schauspielerin. Schliesslich hatte sie auch Klavierspielen gelernt und Ballettstunden genossen. Dass ihre Mutter von dieser Idee nicht sehr angetan war, kann man sich nur zu gut vorstellen. «Lerne zuerst etwas Richtiges,» war denn auch das Gebot der Stunde. Etwas Richtiges hiess in ihrem Fall eine kaufmännische Ausbildung bei der Winterthur Unfallversicherung.
Auch um der Strenge ihrer Mutter zu entkommen, heiratete sie bereits mit 21 Jahren. Das junge Paar zog nach Birsfelden, wo in den darauffolgenden Jahren Tochter Jacqueline und Sohn Marcel zur Welt kamen. 1974 folgte der Umzug nach Möhlin. Das Eheleben entwickelte sich nicht wie erhofft, und ein paar Jahre später folgte die Scheidung. Zu der Zeit trat Doris eine Halbtagesstelle bei der Reha in Rheinfelden an. Für den Arbeitsweg musste sie sich das Mofa einer Kollegin ausleihen. Ein Neuanfang war gemacht.
Das Liebesglück kehrte zurück, als sie ein paar Jahre später Georges Benker begegnete. Sie heirateten und zogen bald ins selbst entworfene Haus. Sie wussten um seine Krankheit, Multiple Sklerose, doch sie waren zuversichtlich. Die Krankheit schritt jedoch schnell voran. «Mein Mann hat nie gejammert, nie geklagt. Davon bin ich bis heute beeindruckt.» Dabei hätte er genug Gründe dazu gehabt. Im Jahr 2000 starb ihr Mann viel zu früh im Alter von 51 Jahren.

Einsatz für Menschen mit Beeinträchtigung
Nicht zuletzt der Kampf um die IV-Rente für ihren Mann habe sie schliesslich zur Politik gebracht. Sie trat der Ortspartei der SP Möhlin bei. Die Wahl in die Schulpflege verpasste sie kurz darauf zwar, mit 6 Stimmen Unterschied, doch ihr Ehrgeiz war geweckt. 1999 trat sie dem Grossen Rat bei, als Nachfolgerin von Regine Roth.
Sie wurde in die Gesundheitskommission gewählt und in dieser Funktion hatte sie auch einen vertieften Einblick in die Psychiatrische Klinik Königsfelden. Deren Belange resp. deren Patienten hatten und haben oft einen schweren Stand im politischen Betrieb. Direkt Betroffene berichteten ihr auch persönlich von ihren Nöten während ihrer 18-jährigen Tätigkeit im Sekretariat der Klinik Schützen in Rheinfelden. Es ist Doris Benkers Einsatz zu verdanken, dass ein Vorstoss im Kanton Aargau angenommen wurde, der die separate Unterbringung von Erwachsenen und Jugendlichen in der geschlossenen Abteilung zur Folge hatte. Der damalige Klinikleiter in Königsfelden, Dr. Jürg Unger, nannte sie mehr als einmal, etwas verniedlichend aber sehr wohl als Kompliment gemeint, «’s Mami von der Kinderpsychiatrie».
Ihr Wissen und ihr politischer Einsatz blieben auch dem Verein Anker nicht verborgen. Dieser setzt sich seit nunmehr über 140 Jahren für psychisch Kranke Menschen im Kanton Aargau ein. Eine Anfrage für deren Präsidium stiess auf offene Ohren. Sie war bereit, sich nochmals mit voller Kraft und viel Freude für eine Herzensangelegenheit einzusetzen. Und so übernahm sie im Jahr 2008 das Präsidium des Vereins Anker. Zur gleichen Zeit gab sie ihren Abschied aus dem Grossen Rat und trat kurz darauf auch als Präsidentin der SP des Bezirks Rheinfelden zurück.

Kleine Mädchen und ein Kater
Das Wichtigste in ihrem Leben? Der gute Zusammenhalt in der Familie. Sich zwischen die Kinder und deren Vater zu stellen, wäre für sie nie in Frage gekommen; sie habe nie Angst um ihren Platz als Mutter gehabt. Mittlerweile ist sie vierfache Grossmutter und zweifache Urgrossmutter. So oft es geht geniesst sie Zeit mit ihren beiden Urenkelinnen. Was aktuell zu ihrem grossen Bedauern nicht möglich ist.
Nebst der Familie und Sport liebt sie auch die Musik, sowohl Klassik als auch Rock. Leider ist ein guter Freund, der sie gerne zu kulturellen Anlässen begleitete, vor rund zwei Jahren verstorben.
Und dann ist da noch Mäxli. Er geniesst einen grossen Stellenwert in ihrem Leben. Und das ist ihm durchaus bewusst. Mit allen möglichen Einfällen gelingt es ihm immer wieder, die Aufmerksamkeit von der Besucherin weg auf sich zu lenken. Aber wer kann das einem fast blinden Kater schon übelnehmen?

Griechenland und runder Geburtstag
Auf die Frage, welche Ziele sie noch habe, kommt es wie aus der Pistole geschossen: «Nach Kreta in die Ferien!» Auch ihre Ferienpläne wurden komplett über den Haufen geworfen wegen Corona. Dabei verbindet sie mit Griechenland Erinnerungen an glückliche Ferien mit ihrem Mann Georges. Leider konnten sie später wegen der rasch fortschreitenden Krankheit nicht mehr gemeinsam in die Ferien reisen. Eine gute Freundin begleitet sie stattdessen seit gut 25 Jahren. Hoffentlich klappt es im nächsten Jahr wieder, das wäre ein schönes Geschenk zum 80. Geburtstag.

Bild: Doris Benker am Rhein in Möhlin. Foto: Brigitte Keller
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