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Möhlin

Einmal selbst das Steuer eines Airliners in die Hand nehmen, mit dem Segler in der Thermik kreisen oder mit dem Hubschrauber zum Rundflug starten. Für Modellflieger kein Traum. Oder doch? – Seit vier Jahren steht die Modellfluggruppe Fricktal ohne Flugplatz da. Über das Baugesuch für eine neue Start- und Landebahn auf dem Gebiet Langacher in Möhlin wird voraussichtlich im ersten Quartal 2020 entschieden.

MARIANNE VETTER

Modellflieger im BauManche Karriere zum Ingenieur oder zum Berufspiloten ist mit dem Modellflug gestartet. Das kann Tommy Bieri, Präsident der MG Fricktal und Flugzeugmechaniker bei der Schweizer Luftwaffe, nur bestätigen. Der Modellflug hat ihn schon seit Kindertagen begleitet. Kenntnisse über Aerodynamik, Flugphysik, Elektronik und Materialeinsatz sind wichtige Kriterien zur Ausübung dieses anspruchsvollen Hobbys. Im Winter verbringen die Modellflieger viel Zeit im Hobbyraum – im Sommer auf dem Flugplatz. – Normalerweise!

Seit Jahren kämpft die Modellfluggruppe Fricktal, die auf mehr als 50 Jahre Ver-einstätigkeit zurückblicken kann, um ein neues Domizil. Nach dem «Aus» in Rheinfelden – die Modellflieger mussten ihr Flugfeld im Rheinfelder Gebiet Grossgrütt aufgeben – investierte der Verein viel Zeit und Aufwand in eine neue Modellflieger Bieri mit seinen KindernStandortsuche. Eine vereinsinterne Arbeitsgruppe erarbeitete von 2016 bis 2017 eine Standortevaluation. «Im Umkreis von 15 Kilometern wurden 40 mögliche Standorte geprüft. Für geeignet befunden wurde letztlich das Gebiet Langacher in Möhlin, nahe der Autobahn A 3», erzählt Tommy Bieri. «Bei den Abklärungen miteinbezogen wurden der Natur- und Vogelschutzverein Möhlin und Jagdgesellschaften». Bieri hält fest: «Die erstellten Gutachten wurden positiv bewertet, Gefahr für Tier und Umwelt bestehen auf dem Gebiet nicht.»

So die eine Seite: Doch nicht überall stösst das Vorhaben, welches vom Kanton bereits abgesegnet wurde, auf ein positives Echo. Widerstand kündigt sich an: Derzeit liegen der Gemeinde zehn Einsprachen / 102 Sammelunterschriften zum geplanten Projekt vor, das schon seit geraumer Zeit (2018 wurde das erste Baugesuch eingereicht) für Turbulenzen sorgt.

Einer der Hauptkritikpunkte ist die befürchtete Lärmbelästigung. Die Besitzer der an das Gebiet angrenzenden Reiterhöfe, Reitverein Birkenhof und Pensionsstall Röti, sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Reiter haben bereits geäussert, dass sie den Stall wechseln müssten, wenn der geplante Modellflugplatz realisiert würde. «Pferde sind Fluchttiere, sie reagieren extrem ängstlich auf Flieger», hält eine Reiterin fest. «Ein Ausritt über den Feldweg zur Linde – der durch das Gebiet führt – wäre wie bisher nicht mehr möglich.» Es gebe zwar Alternativen, aber hierzu müsste die nahegelegene Autobahn überquert werden. Theoretisch wäre dies möglich – über Autobahnbrücke oder -unterführung – in der Praxis für Pferd und Reiter aber defintiv zu gefährlich», so die Aussage. Die Besitzer der Reiterhöfe sind alles andere als glücklich über die Pläne einer Start- und Landebahn. Für sie steht fest: «Ein Modellflugplatz gehört nicht in eine Landwirtschaftszone.» Ein weiterer Einsprachepunkt: «Es werde weder Rücksicht auf das nahe gelegene Hirschgehege noch auf die Störche oder das angrenzende Bioland genommen.»

Für die Modellflieger sind die Einwände nicht neu: «Wir haben versucht diese Vorwürfe zu widerlegen. Allerdings brachte die einberufene Einwendungsverhandlung im vergangenen November nicht den gewünschten Erfolg.»
Die Reaktionen der Gegenpartei kann Tommy Bieri nicht nachvollziehen. «Modellflugplätze befinden sich in der Schweiz überwiegend in der Landwirtschaftszone – auch in der Umgebung von Reitställen. Die Reiterhöfe «Birkenhof» und «Röti» befinden sich ausserhalb des Flugraumes, der eine rund 400 Meter, der andere rund 720 Meter entfernt. Und auch das Hirschgehege liegt wie die Schutzzone ‹Chili› ausserhalb der Flugzone. Diese Schutzräume werden durch den Modellflug nicht tangiert, was die Prüfung eines externen Wildtierbiologen ergab.» Und er fügt an: Die Technik habe sich auch im Modellbau weiterentwickelt. Modellflugzeuge mit Elektromotoren seien vor Ort kaum hörbar – und diese machen immerhin 80 bis 90 Prozent der Flugbewegungen aus. «Wir sind verantwortungsvolle Modellpiloten und fliegen seit mehr als 40 Jahren unfallfrei.»

Das Baugesuch für den neuen Modellflugplatz in Möhlin liegt der Gemeinde seit Anfang 2019 vor. Mit einer Entscheidung seitens des Gemeinderats werde in den kommenden Wochen gerechnet.

Unsere Bilder: Faszination Modellfliegen. Fotos: MG Fricktal
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