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Möhlin

 (jw) Was mit der ersten Premiere vor 60 Jahren begann, ist heute noch ein Versprechen: Das Lehrertheater Möhlin. Ein Versprechen für tollen, qualitativ hochstehenden Theatergenuss mit einem Laientheater. Dieses Jahr wartet die total 52 Personen umfassende Truppe mit der Komödie «Der Vorname» («Le prénom») auf. Die 61. Premiere des traditionellen Lehrertheaters findet am Samstag, 25. August, statt.

«Der Zuschauer wird nach dieser Komödie mit einem guten Gefühl nach Hause gehen», ist sich Dieter Schlachter, der bei der diesjährigen Produktion Regie führt, sicher: «Sie ist ein Amüsement.» Obwohl: In der Komödie aus der Feder der beiden Franzosen Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière, welche 2010 in Paris uraufgeführt wurde, werden ernste Themen angesprochen und diese sind sehr nahe an der Realität – an der Realität in Familie und Freundeskreis.

Regisseur Dieter SchlachterEs läuft aus dem Ruder
Es soll ein gemütlicher Abend werden in der Wohnung von Professor Pierre Garaud (Karin Erni) und seiner Frau Elisabeth (Christine Walser). Nur Freunde und Familie sind zu Gast: Elisabeths Bruder Vincent (Benjamoin Zingg) mit seiner schwangeren Frau Anna (Daria Würz), dazu Claude Gatignol (Daniel Zingg), Freund seit Kindertagen. Die Runde ist friedlich – zu friedlich für Vincent und so provoziert der begnadete Selbstdarsteller mit der Frage nach dem Vornamen seines noch ungeborenen Sohnes und macht «Stimmung». Die Provokation greift, es entsteht eine hitzige Diskus­sion, die dazu führt, dass das Familientreffen aus dem Ruder läuft. Die Jugendfreunde Pierre und Vincent sind nun in der Laune, sich endlich einmal ein paar Wahrheiten zu sagen, die man im Interesse eines gemütlichen Abendessen besser verschweigen würde... Der Abend wird – wie im richtigen Leben – zur Gratwanderung: Endet er in einer Tragödie oder schaffen die Protagonisten, die sich doch eigentlich alle mögen, noch rechtzeitig die Wende?

Inhaltliche Spannung
«Das Stück lebt von den Dialogen und der inhaltlichen Spannung», so Regisseur Dieter Schlachter. Eine echte Herausforderung für die fünf Schauspieler. Zum Einen erfordert die eher ungewöhnlich niedrige Zahl an Darstellern für jeden Einzelnen eine happige Portion Text. Zum Anderen bedeutet das Spiel in einem Akt, ohne klaren Szenenwechsel oder eine Pause, eine enorm lange Präsenzzeit. «Wach blieben, zu jeder Zeit voll dabei sein, um den nächsten Einsatz nicht zu verpassen», so umschreibt denn auch Daniel Zingg, der wie die anderen schon mehrmals auf der Lehrertheaterbühne stand (keiner aber mehr als zehnmal), das für ihn Herausfordernste an dieser Komödie. Und «Der Vorname», so verrät Lehrertheater-«Urgestein» Dieter Schlach­ter (erstmals stand er 1982 als Spieler auf der Bühne): «bleibt trotz aller Spannungen bis zum Schluss eine Komödie.»

 Theatergenuss und kulinarische Verwöhneinheiten
Nach der intensiven letzten Ferienwoche, in welcher von Samstag bis Samstag ganztags geprobt wurden, stehen diese und nächste Woche «nur noch» Abendproben auf dem Programm. Daneben wird dem Bühnenbild (im denkmalgeschützten Saal im Bata Club Haus ebenfalls eine Herausforderung) der letzte Schliff verliehen. Premiere ist dann am Samstag, 25. August, um 20.15 Uhr. Dieser folgen bis zur Derniere am 22. September zwölf weitere Aufführungen, welche nebst bühnenreifen Theatergenuss auch kulinarische Verwöhneinheiten verspricht. Erstmals kann das Lehrer­theater von der Zusammenarbeit mit dem erst im Mai im Bata Club Haus eröffneten Restaurant profitieren, und so können die Besucher vor Theaterbeginn ein leichter Theatermenü oder einen Apéro geniessen. Ebenfalls geöffnet ist vor und nach der Vorstellung die Bar im Theatersaal – und die Getränke können die Zuschauer ungeniert mit an die Bistrotischchen (total 120 Plätze) mitnehmen, von welchen aus sie dem «nicht ganz so gemütlichen Familientreffen» beiwohnen werden. Und nach den Aufführungen trifft man die Schauspielerinnen und Schauspieler an der Theaterbar, bevor man dann «mit einem guten Gefühl» nach Haus geht.

Vorverkauf
Tickets für die insgesamt 13 Aufführungen der Komödie «Der Name» von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière (Deutsch von georg Holzer) mit dem Lehrertheater Möhlin unter der Regie von Dieter Schlachter sind im Vorverkauf erhältlich:
• in der Papeterie Isenegger, Riburgerstrasse 1 in Möhlin (Tel. 061 855 38 02) oder
• online unter www.lehrertheater.ch.
Für Kurzentschlossene ist die Abendkasse zudem jeweils ab 19.30 Uhr geöffnet.
Spieldaten: Gespielt wird nach der Premiere vom Samstag, 25. August, jeweils am Mittwoch, Freitag und Samstag um 20.15 Uhr. Derniere ist am Samstag, 22. September, 20.15 Uhr.

60 Jahre Lehrertheater Möhlin 1958 – 2018
Was im Jahre 1958 mit «Der Regenmacher». einem Stück von R.N. Nash begann, findet in diesem Jahr seine Fortsetzung mit der Komödie «Der Vorname» von M. Delaporte und A. de La Patellière. Seit 60 Jahren bringt das Lehrertheater Möhlin jeweils pro Jahr ein Stück zur Aufführung, in einigen Jahren kam es sogar zu zwei Produktionen.
Als «Gründerväter» gelten die Brüder Marcel und Heini Kunz. Als im Jahre 1960 die Bezirksschule eröffnet wurde, kamen viele neue Lehrerinnen und Lehrer nach Möhlin und viele von ihnen waren theaterbegeisterte Pädagogen. Heini Kunz prägte das Lehrertheater Möhlin über Jahrzehnte bis kurz vor seinem Tod im Jahre 2010. Aber auch andere Namen bleiben unvergessen: Erich Kim, Engelbert Wolleb, Karl Jeisy, Bruno Egloff, Paul Kuhn, Therese Richard, Regine Roth, Niklaus Schmidlin; für das Bühnenbild Verantwortliche Joseph Strebel, Paul Agustoni, Viktor Hottinger und viele mehr. Die Liste liesse sich fortsetzen, haben doch in den letzten 60 Jahren über 800 Personen im Lehrertheater Möhlin aktiv mitgewirkt.
60 Jahre sind das Resultat einer gewissen Beharrlichkeit. Es war und ist schon ein eigenwilliges Grüppchen von Lehrerinnen und Nicht-Lehrern des Nicht-nur-Lehrertheaters, das Jahr für Jahr einen Grossteil seiner Freizeit der Theaterleidenschaft opfert. Einerseits handelt es sich um ein eingespieltes Team, andererseits steht das Lehrertheater allen offen, auch Nicht-Lehrern, was immer wieder zu neuen Begegnungen führt. Es geht das Gerücht, dass sich sogar Rheinfelder und Rheinfelderinnen in Möhlin engagieren sollen! So sind viele Freundschaften entstanden (wie viele dieser Freundschaften intensiviert wurden und direkt zum Traualtar führten, lässt sich nur abschätzen). Längst ist der Name nicht mehr Programm, und doch ist zurzeit noch immer etwa die Hälfte aller Aktiven im Lehrberuf tätig.
Das Lehrertheater Möhlin ist ein Laientheater, aber die Konstanz und die damit verbundene (gefährliche!) Routine garantiert eine gewisse Qualität. Natürlich gibt es Produktionen, die nicht in jeder Hinsicht überzeugen konnten, doch überwiegen die Stücke, die positiv in Erinnerung bleiben. Erwähnt sei nur «Urfaust», «Ein Sommernachtstraum», «Die Schwarze Spinne», «Das Weite suchen», «Der nackte Wahnsinn» oder «Der Besuch der alten Dame»; ergänzt durch viele Cabaretproduktionen wie «Die unaufhaltsame Gründung der Stadt Rheinfelden», «Us dr Schuel gschwätzt», «Vaganzen um Finanzen» und «üsi switz», die alle vom Lehrertheater selbst geschrieben wurden.
Über 30 Jahre lang gastierte das Lehrertheater in der «Rössli-Schüüre». Sie gilt als Heimat des Lehrertheaters, ihre Atmosphäre ist kaum zu ersetzen. Die ersten (Freilicht-)Produktionen aber spielten im «Sunnepark», später auf dem «Fuchsrain». Nach dem Auszug aus der «Rössli-Schüüre» fand das Lehrertheater einen neuen Theaterraum in den alten Industriebauten im Bata-Park.
Nachdem das «Club Haus» im Bata-Park renoviert worden war, konnte der Saal in Betrieb genommen werden. So hat das Lehrertheater Möhlin wieder einen Spielort gefunden, der als Raum allein viel zu erzählen hat, der mit und von seinen Geschichten lebt.
Über 100'000 Besucherinnen und Besucher haben in den letzten 60 Jahren eine Aufführung des Lehrertheaters besucht. Die Vergangenheit wirkt prägend, 60 Jahre sind eine lange Zeit. Doch ist auch heute ein Team am Werk, das die Zukunft gestalten will, das mit tragischen, komödiantischen, beeindruckenden Produktionen das Publikum begeistern möchte und das sich freuen würde, wenn auch weiterhin viele Zuschauerinnen und Zuschauer jeden Alters den Weg ins «Bata Club Haus» finden würden.
Dieter Schlachter

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