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Magden

André Schreyer dirigierte bei der Bundesfeier die MG Magden und hielt auch die Festansprache. Foto: Jörn Kerckhoff

«Ich habe mir lange überlegt, welches Thema der Leitfaden der heutigen Ansprache sein könnte», erklärte Magdens Gemeindeammann André Schreyer in seiner Rede zur Bundesfeier am 1. August. Solidarität in der Krise war das Thema, für das sich Schreyer schliesslich entschied. Die Coronapandemie und der Krieg in der Ukraine sowie das Verhalten der Menschen in solchen Krisen bieten ja genügend Stoff für eine Ansprache.

JÖRN KERCKHOFF

Zahlreiche Besucher waren auf den Dorfplatz beim Schulhaus gekommen, um der Bundesfeier beizuwohnen. «Was Feuerwerk und Höhenfeuer angeht, macht uns die Trockenheit zwar einen Strich durch die Rechnung, aber einige Tiere und Mitbewohner werden das Knallen sicher nicht vermissen», so Schreyer. Worauf die Besucher glücklicherweise nicht verzichten mussten, war Musik. Und auch da war André Schreyer gefordert und zwar als Dirigent der Musikgesellschaft Magden, die einige Stücke zum Festprogramm beitrug. Der Männerchor trat ebenfalls auf, der Damenturnverein Magden sorgte für den Apéro.
André Schreyer erinnerte in seiner Ansprache daran, dass die Schweiz aus dem Willen heraus entstanden sei, eine Nation, eine Gemeinschaft zu bilden. Und dieser Wille müsse stets neu gebildet werden, woran der 1. August erinnere. Der Wille zur Gemeinschaft zeige sich besonders in der Solidarität, die in Krisenzeiten gezeigt werde – oder eben auch nicht. Die Coronapandemie wie auch der Ukraine-Krieg hätten zu Beginn eine grosse Solidarität zutage gebracht, schilderte Schreyer. In beiden Fällen habe es viel Hilfsbereitschaft gegeben, die mit der Zeit aber abgeflaut sei, so der Gemeindeammann. An die Stelle von Hilfsbereitschaft trete offenbar irgendwann der Egoismus. Ein Szenario, dass bei den zahlreichen Krisen und Herausforderungen – auch den Klimawandel führte Schreyer ins Feld und machte auf die enorme Verschwendung von Ressourcen in der Schweiz aufmerksam – nicht angebracht sei. Schreyer sprach die Probleme konkret an und nutzte seine Ansprache zum 731. Geburtstag der Schweiz für den Aufruf: «zäme geits!»

Bild: André Schreyer dirigierte bei der Bundesfeier die MG Magden und hielt auch die Festansprache. Foto: Jörn Kerckhoff

 

Die Festansprache von André Schreyer im Wortlaut
Liebe Magdemerinnen und Magdemer
Liebe Gäste
Im Namen des Gemeinderates und der Fastnachtsgesellschaft ist es mir eine grosse Freude, Sie zu unserer heutigen 1.-August-Feier auf dem Dorfplatz zu begrüssen. Das Wetter ist hervorragend, aber die Trockenheit macht einen Strich durch die Rechnung, was Feuerwerk und Höhenfeuer betrifft. Einige Tiere und auch Mitbewohner werden das fehlende Knallen der verschiedenen Feuerwerke aber sicher nicht vermissen.
Als erstes möchte ich den diesjährigen Aktiven, die den heutigen Anlass ermöglichen ganz herzlich danken. Es sind dies die reformierte Kirche, die anschliessend ein kleines aber feines Konzert mit ihrem Glockenspiel bieten wird. Musikalisch weiter umrahmt wird der offizielle Festakt durch den Männerchor Magden und die Musikgesellschaft Magden. Die beiden Vereine sind in der letzten Zeit öfters zusammen aufgetreten und haben für Freude gesorgt. Für den Ausschank und die Betreuung des Apéros ist wiederum der Damenturnverein Magden zuständig. Vielen Dank euch allen für euren Einsatz, dies ist euer Applaus.
Ich habe mir lange überlegt, welches Thema der Leitfaden der heutigen Ansprache sein könnte. Die Coronapandemie wird in diesem Jahr wohl an keiner Ansprache fehlen. Es ist ja eine grosse Erleichterung, dass wir uns heute Abend ohne Einschränkungen wie Maskentragen, social distancing usw. treffen können. Ich möchte nicht die Pandemie in den Mittelpunkt stellen, aber ich habe zwei Beobachtungen gemacht, die mich zum Kern der Rede bringen sollen. Im Sommer 2020 wurde die Schweiz fast lahm gelegt, die Folge war eine riesige Welle der Solidarität. Nachbarn haben einander geholfen, Kinder den Ältern Einkäufe gemacht, es wurde zueinander geschaut und geholfen. Je länger die Pandemiemassnahmen gingen und je mehr sogenannte Experten mitdiskutierten, umso weniger Solidarität wurde gelebt. Demonstrationen, Diskussionen, Widerstand usw. waren nun vorherrschend. Von gemeinsamem Meistern der Krise keine Spur mehr.
Seit Beginn dieses Jahres prägt uns der Krieg in der Ukraine und dessen Folgen. Auch hier war zuerst eine unglaubliche Welle der Solidarität zu spüren. Familien rückten zusammen und nahmen Schutzsuchende Personen bei sich auf und tun das noch immer, auch hier in Magden, vielen herzlichen Dank dafür. Spendenaktionen erreichten Rekordergebnisse. Leider spürt man nun ein Abnehmen dieser Solidaritätswelle und die politischen Diskussionen sind schon jetzt daran, die Eigeninteressen in den Mittelpunkt zu stellen.
Beide Ereignisse zeigen das Gleiche: Wenn das Gemeinsame, die Gemeinschaft in den Mittelpunkt gestellt wird, so funktioniert das Zusammenleben, wenn der Indiviualismus und der Egoismus regiert, so zerfällt dies.
Was feiern wir eigentlich am 1. August?
Wir feiern symbolisch den Geburtstag unseres Landes. Aber die Schweiz hat keinen Geburtstag. Die Schweiz ist nicht natürlich geboren oder entstanden. Die Schweiz ist «nur» eine Idee, aber wie ich finde: eine ziemlich gute Idee. Die Schweiz ist der Wille und das Bekenntnis, eine Nation, eine Gemeinschaft bilden zu wollen. Dieser Wille ist jedoch nicht geboren worden. Dieser Wille muss immer neu gebildet und erarbeitet werden, zum Beispiel eben jährlich am 1. August. Gemeinsam und solidarisch die Herausforderungen der Zeit zu meistern.
Wir stehen in vielerlei Hinsicht vor einer Zeitenwende, die nach Lösungen verlangt, die von der grossen Mehrheit der Bevölkerung getragen werden. Philipp Reichen hielt uns im «Tages-Anzeiger» den Spiegel vor die Augen: «Und während die Schweizerinnen und Schweizer nach zwei Pandemiejahren wieder in Ferienflieger steigen, hinterlässt der Klimawandel immer deutlichere Spuren. Es herrscht akute Waldbrandgefahr. Seen, Flüsse, Bäche trocknen aus. In den Bergen drohen Tiere zu verdursten.» Mein Wunsch nach Freiheit, mein Wunsch, möglichst unbeschränkt in fremde Länder zu reisen, kollidiert kolossal mit den unbestrittenen Folgen. Wo ist da die Solidarität? Ganz einfach: mit künftigen Generationen!
Ein nächstes Thema: Energiesicherheit. So schnell werden wir die sich im Schlafmodus befindliche Energiewende nicht schaffen. Aber ich kann der Energieverschwendung Einhalt gebieten durch minime Veränderungen: Heizung runterdrehen, PC ausschalten, wenn ich nicht arbeite, meinen persönlichen Energieverbrauch kritisch hinterfragen. Generell hat die Schweiz nach wie vor einen zu grossen Rohstoffverbrauch pro Kopf und liegt damit vor Ländern wie den USA, China und all unseren Nachbarländern. Wir sind reich, können uns vieles leisten, wir gehen verschwenderisch um mit den Rohstoffen (der Hit: Klimaanlagen auf dem Campingplatz!). Gleichzeitig nimmt die Armutsquote in der Schweiz zu: 15,4 Prozent der Bevölkerung gelten als armutsgefährdet.
Unsere Bundesverfassung gibt dazu eine eindeutige Antwort: «Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.» Oder mit anderen Worten: Solidarität ist gefragt.
Und was bringt uns diese Solidarität? Wenn nur ein paar Wenige solidarisch sind, fast nichts. Wenn wir alle etwas tun, dann verändert sich Vieles. Solidarität ist die treibende Kraft einer funktionierenden Demokratie und deren Zivilgesellschaft. Dieser zivilgesellschaftliche Zusammenschluss verlangt aber, dass alle teilhaben können: Junge und Alte, Männer und Frauen, Linke und Rechte.
Zäme geits!
Der Austausch innerhalb und ausserhalb unserer Landesgrenzen ist eine Bereicherung und eine Chance. Denn die heutigen grossen Probleme lassen sich nur lösen, wenn wir zusammenarbeiten. Egal ob es sich um den Klimawandel, um die Pandemie, Gesundheit oder um Migrationsfragen handelt, um die Nahrungsmittelproduktion, die Lö-sung der Wasserprobleme, um den Verkehr oder die soziale Wohlfahrt.
Nur mit Zusammenarbeit lösen wir alle unsere Herausforderungen. Statt über die gekappte Zusammenarbeit in Bildung und Forschung mit der EU zu jammern, sollten wir das Verhältnis zu unseren Nachbarn klären. Nur eine offene, kooperationsfähige Schweiz ist eine starke Schweiz. Nur gemeinsam geht’s.
Packen wir’s an!
Ich wünsche Ihnen nun einen wunderschönen Abend, viel Freude beim gemeinsamen Bräteln, beim Lampionumzug mit den Kindern, auch wenn heuer das Feuerwerk halt fehlt.
Besten Dank
 
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