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Magden

Mit dem Kinder- und Jugendfest wurde die Zertifizierung von Magden als kinderfreundliche Gemeinde durch UNICEF gefeiert. Foto: Jörn Kerckhoff

Bekannt war es schon lange, doch seit der Zertifikatsüberreichung am Samstag ist es nun endgültig besiegelt: Magden ist eine kinderfreundliche Gemeinde – oder zumindest auf dem Weg dorthin. Aus den Händen der Geschäftsführerin UNICEF-Schweiz, Bettina Junker, nahm Gemeinde- und Grossrätin Carole Binder-Meury (SP) während eines Kinder- und Jugendfestes die Urkunde entgegen.
JÖRN KERCKHOFF

In ihrer kurzen Ansprache machte Binder-Meury, die auch den Vorsitz des OKs innehatt, das sich um die Erreichung des Status der kinderfreundlichen Gemeinde kümmerte, deutlich, dass Magden erst ganz am Anfang eines Prozesses stehe, der sich im Idealfall zum Selbstläufer entwickeln soll. «Das ist mein Traum», erklärte sie. Um das Label der kinderfreundlichen Gemeinde langfristig zu sichern, sei die Mitwirkung des ganzen Ortes notwendig. Vor allem die Kinder und Jugendlichen sprach Carole Binder-Meury an: «Ihr habt das Recht, euch einzumischen und mitzureden, ihr müsst es aber auch von euch aus machen.»

Jedes Kind hat das Recht, sein Potenzial zu entfalten
Die «kinderfreundliche Gemeinde» ist ein Zertifikat, das aus der Kinderrechtskonvention der UN (Vereinte Nationen) hervorgegangen ist. Diese besagt, dass jedes Kind der Welt ein Recht darauf hat, gesund und sicher aufzuwachsen, sein Potenzial zu entfalten, angehört und ernst genommen zu werden. So hat es die Uno-Generalversammlung im Jahr 1989 Jahren in der Konvention über die Rechte des Kindes festgeschrieben. Die Schweiz ratifizierte diese Konvention im Jahr 1997.
Sicherheit und Gehör sollen die Kinder auch in Magden finden, das ist der Plan, den das OK – neben Carole Binder-Meury gehören diesem auch noch Julian Terzetti und Ismael Martinez an – für den Ort verfolgen. Sicherheit etwa auf dem Kindergarten- und Schulweg, Gehör, wenn es um Anliegen der Kinder und Jugendlichen gehe, nennt die OK-Chefin ein paar Beispiele. Dabei sei ihr bewusst, dass Kinderfreundlichkeit nicht nur aus materiellen Dingen bestehe, sondern auch aus immateriellen. Da gelte es auch für die Erwachsenen, Vorbild in gewissen Situationen zu sein, oder auch darum, Kindern tatsächlich zuzuhören und sie ernst zu nehmen. Dinge, die die UN-Konvention vorsieht, die aber in weiten Teilen der Welt noch nicht einmal ansatzweise umgesetzt sind.

Kinder sind immer das schwächste Glied einer Gesellschaft
«Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es in der Welt nicht mehr so viele kriegerische Konflikte wie im Moment», macht Bettina Junker denn auch deutlich, dass Kinder die schwächsten Mitglieder einer Gesellschaft sind und dass das Ausrufen von Kinderrechten durch die UN erstmal noch nicht viel bewirkt. Und das noch nicht einmal nur in extremen Krisengebieten. «Im Kanton Aargau ist Magden erst die siebte Gemeinde, die das Zertifikat der kinderfreundlichen Gemeinde erhält, in der Gesamtschweiz und Lichtenstein ist es die 47.», so die UNICEF-Geschäftsführerin. Und sie gibt zu: «24 Jahre nach der Ratifizierung der UN-Konvention ist das tatsächlich nicht sehr viel, da ist noch eine Menge Luft nach oben.»
Anja Bernet, die als Teamleiterin bei UNICEF Schweiz tätig ist, weiss aus ihrer täglichen Arbeit, dass die Verantwortlichen in vielen Gemeinden und Städten der Schweiz gar keine Notwenigkeit sehen, sich um das Zertifikat der «kinderfreundlichen Gemeinde» zu bemühen. «Wir sind doch schon kinderfreundlich», sei eine Antwort, die sie regelmässig zu hören bekomme. Und in anderen Ländern sei das Problem doch viel grösser, sei auch eine weit verbreitete Meinung.

Bettina Junker (links) überreichte Carole Binder-Meury die Zertifizierung. Foto: Jörn KerckhoffEinsamkeit und Ungleichheit sind grosse Probleme
«Man kann Kinderrecht nicht gewichten», macht Bernet jedoch deutlich. Die Situation von Kindern in Kriegsgebieten sei mit der von Kindern in der Schweiz und Lichtenstein natürlich nicht vergleichbar. Doch gerade die Corona-Pandemie habe auch bei Kindern in so genannten Wohlstandsgesellschaften grosse Probleme zutage gefördert. Zum einen litten Kinder und Jugendliche stark unter Vereinsamung, psychische Probleme hätten in den vergangenen eineinhalb Jahren deutlich zugenommen, zum anderen sei auch die Schere zwischen privilegierten und nicht privilegierten Kindern nochmal stark auseinandergegangen. Nicht alle Kinder hätten etwa beim Unterricht zuhause die gleichen Möglichkeiten gehabt.
Wie kinderfreundlich Magden nun tatsächlich ist, muss sich erst noch zeigen. Das Zertifikat gab es am Samstag nämlich erstmal nur dafür, dass die Gemeinde Pläne erstellt hat, mit denen die Kinderfreundlichkeit erreicht werden soll. In den kommenden Jahren geht es an die Umsetzung. In zwei Jahren erfolgt eine erste Bestandsaufnahme, in vier Jahren soll das Zertifikat erneuert werden, dazu müssen die Pläne dann aber auch umgesetzt sein.

Mitwirkung als Schritt zum Staatsbürger
Ein wichtiger Baustein dabei sei tatsächlich, dass Kinder und Jugendliche an Prozessen in der Gemeinde beteiligt und ihre Standpunkte zu Projekten und Entwicklungen gehört würden. Darin sind sich Carole Binder-Meury und Bettina Junke einig. Und dann eben auch mitanzupacken, wenn es an die Umsetzung verschiedener Projekte für Kinder und Jugendlich geht. So, wie es jetzt schon ein Gymnasiast aus Magden macht, der aktuell dabei ist, eine Streetwork-Anlage zu errichten, wie Carole Binder-Meury berichtet. «Diese Mitwirkung ist auch ein erster Schritt auf dem Weg, ein Staatsbürger zu werden», erklärt Bettina Junker.

Die achtjährige Lia und ihre Mama Anina Grasser finden es in Magden schon ziemlich toll. Foto: Jörn KerckhoffGute Perspektive, aber auch noch Potenzial
Und wie kinderfreundlich empfinden Kinder und Erwachsene die Gemeinde im Moment? «Mir gefällt es hier gut», berichtet die achtjährige Lia. Zum Beispiel sei die Badi super und ausserdem finde sie es gut, dass ihre Lehrerinnen in der Schule nicht streng seien. Das Fest zur Zertifikatsübergabe fand sie auch super. An dem wirkten übrigens auch der TV Magden, das Team der Mediathek, der Elternrat, die Elternvereinigung und die «Chinderinsle Magden» mit.
«Durch den dörflichen Charakter ist Magden schon sehr kinderfreundlich», findet auch Lias Mama Anina Gasser. Der Pausenplatz der Schule sei ein guter Treffpunkt für Kinder und Erwachsene. Allerdings sieht sie noch Potenzial bei der Ausstattung der Spielplätze.

Bilder: Mit dem Kinder- und Jugendfest wurde die Zertifizierung von Magden als kinderfreundliche Gemeinde durch UNICEF gefeiert.
Bettina Junker (links) überreichte Carole Binder-Meury die Zertifizierung.
Die achtjährige Lia und ihre Mama Anina Grasser finden es in Magden schon ziemlich toll. Fotos: Jörn Kerckhoff

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