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Rheinfelden

Schützen und informieren: Waldameisen-Götti Urs Jost bei einem Waldameisenhaufen oberhalb der Kantonsstrasse Rheinfelden–Magden, der nicht nur mit einem Schutzgitter, sondern auch mit einer Info-Tafel versehen ist.  Foto: Jörg WägliSeit rund fünf Jahren ist Urs Jost aus Rheinfelden «Waldameisen-Götti». Zuständig für den Grossraum Rheinfelden kümmert er sich um den Schutz dieser seit 1994 national als «gefährdet» eingestuften und geschützten Tierart. Eine Notwenigkeit, denn im Grossraum Rheinfelden ist die Zahl der Waldameisenhaufen rückläufig. In einer Woche lädt Urs Jost zu einem Vortrag über seine Arbeit und das für die Ökologie so wertvolle kleine Lebewesen ein.

JÖRG WÄGLI

Im Vergleich zum Jahr 1986 sind die Wälder im Grossraum Rheinfelden, von Kaiseraugst bis Wallbach, inklusive Magden und Olsberg, mehrheitlich ärmer geworden – ärmer an Waldameisen, die sehr viel zur Biodiversität und Stabilisierung der Natur beitragen. In Rheinfelden muss im Vergleich zu den 80er-Jahren ein Rückgang der Wald­ameisenhaufen um rund 25 Prozent zur Kenntnis genommen werden. In Magden findet man heute noch rund die Hälfte und in Olsberg lediglich einen Drittel der Waldameisenstandorte – und in Kaiseraugst gar keinen mehr. Durch einen Dokumentarfilm auf die Waldameisen und ihre Probleme aufmerksam geworden, hat sich Urs Jost vor etwa fünf Jahren zum Ziel gesetzt, etwas zum Schutz der «verkannten Helfer im Wald» zu unternehmen und liess sich bei «Ameisenzeit», einem Projekt der Baselbieter und Basler Waldeigentümer und Naturschützer zum «Waldameisen-Götti» ausbilden.
Der Rückgang der Waldameisen lässt sich zwar dank langjähriger Vorarbeit des ehemaligen Revierförsters Ernst Omlin, der sich bis 1990 mit viel Elan dem Thema Waldameisen gewidmet hatte, dokumentieren. Was jedoch der Hauptgrund für den Rückgang ist, lässt sich nicht genau sagen. Die Einflüsse der Zivilisation spielen aber sicher eine Rolle.

Waldameisengötti Rony Schmid ganz im Süden des Grossraums Rheinfelden bei einem der höchstgelegenen Waldameisenhaufen an der Gemeindegrenze Magden-Olsberg.  Foto: zVgRückgang stoppen
Im eigentlichen Sinne einer Wiederaufnahme des Waldameisenschutzes, der von 1976 bis 1990 im ganzen Kanton Aargau betrieben worden war, ist es Urs Jost ein Anliegen, diesen Rückgang zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen. Zusammen mit «Götti»-Kollege Rony Schmid engagiert er sich für den Schutz der Waldameisen, ideell und materiell unterstützt vom Natur- und Vogelschutzverein Rheinfelden und dem Projekt «Ameisenzeit». Grosse Unterstützung erfahren Jost und Schmid zudem von den zuständigen Forstteams um Förster Bruno Staudacher (Rheinfelden) und Revierförster Urs Steck (Möhlin). «Allein Urs Steck hat uns in den vergangenen Jahren etwa 40 Waldameisenhaufen gezeigt», erzählt Urs Jost. Diese wurden alle fein säuberlich auf einem speziellen Formular erfasst. Diese Formulare werden anschlies­send an Förster Bruno Staudacher und Revierförster Urs Steck weitergeleitet, welche sie ins Forst-EDV-System aufnehmen. Dank dieser zentralen Erfassung wissen die jeweiligen Forstteams, wo sie bei ihrer Arbeit auf Waldameisen Rücksicht nehmen müssen. So werden beispielsweise 4 bis 5 Meter um einen Waldameisenhaufen, welcher zusätzlich mit einem Markierungspfahl versehen wird, keine Forstarbeiten verrichtet. Insgesamt konnten Urs Jost und Rony Schmid bis heute rund 80 Waldameisenhaufen registrieren und die jeweilige Waldameisenart, von denen es bei uns vier gibt, durch das Musée Zoologique Lausanne bestimmen lassen.

Einzelne Nester gilt es mit speziellen Schutzgittern zu versehen. Foto: zVgSchutz und Pflege
Doch das Finden und Registrieren der Waldameisenhaufen ist nur ein - zwar äus­serst wichtiger – Teil der Arbeit eines Waldameisen-Göttis. Einzelne Nester gilt es auch mit speziellen Schutzgittern zu versehen. «Es sind vor allem Wildschweine und Dachse, die sich an einen Waldameisenhaufen heranmachen», weiss Urs Jost, «und auch vor dem Menschen müssen die Haufen geschützt werden.» Diese Arbeiten führen Urs Jost und Rony Schmid vor allem in jenen Gebieten aus, in welchen die Zahl der Nester rückläufig ist. «In Möhlin und Wallbach, Gebiete, in denen die Zahl der Waldameisen bisher stabil ist, verzichten wir vorläufig auf Schutzmassnahmen», so Urs Jost, der sich darüber freut, dass Beat Waldmeier, ein langjähriger Forstwart, der vor der Pensionierung steht und sich letzten Herbst ebenfalls zum Waldameisen-Götti hat ausbilden lassen, das Team demnächst verstärken wird.
Und diese Verstärkung tut gut, denn neben den Schutzmassnahmen werden auch konkrete Nestpflegearbeiten ausgeführt. So müssen immer wieder mal Pflanzen, beispielsweise Brombeerranken, auf der Nestkuppe sorgfältig abgeschnitten oder zu viel Schatten spendende Stauden abgesägt werden. Und nach Sturmwinden gilt es zudem den einen oder anderen heruntergefallenen Ast wegzuräumen. Schliesslich hat der Waldameisen-Götti auch ein Auge darauf zu werfen, dass die Transportwege offen sind.

Mit Informationstafeln wird die Bevölkerung für den «kleinen Helfer im Wald» sensibilisiert. Foto: zVg Fünftes und sechstes Bild:

Waldameisenschutz in der Grossregion Rheinfelden

Am Mittwoch, 20. März, lädt Waldameisen-Götti Urs Jost um 19 Uhr in die Stadtbibliothek Rheinfelden, Marktgasse 10, zu einem Vortrag ein (mit Apéro): Waldameisen die verkannten Helfer, Informationen über Wesen und Nutzen sowie den Waldameisenschutz im Grossraum Rheinfelden inkl. Informationen, was im Grossraum Kaiseraugst/Olsberg/Magden/ Rheinfelden/Möhlin/Wallbach unternommen wurde und was im 2018 geschah?

Bevölkerung informieren und sensibilisieren
Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Element der Götti-Tätigkeit ist auch die Öffentlichkeitsarbeit. So freut sich Urs Jost, dass mittlerweile drei Waldameisenhaufen mit Infotafeln ausgestattet werden konnten. «Dies ist sehr wertvoll», betont er, «denn wir wollen, dass die Bevölkerung auf die Waldameisen und ihre wertvolle Tätigkeit im Wald aufmerksam wird.» Zudem lädt der Rheinfelder Waldameisen-Götti nächsten Mittwoch, 20. März, bereits zum zweiten Mal zu einem Vortrag ein (siehe Kasten).

Grosser Nutzen für die Natur
An diesem Abend wird Urs Jost über das Wesen und den Nutzen der Waldameisen informieren, über die faszinierende Gemeinschaft, welche Königin(nen), Arbeiterinnen und Männchen in einem «Waldameisen-Staat» bilden, und ihre Bedeutung für die Vielfalt und das Funktionieren der Natur. So greifen Waldameisen etwa regulierend bei Schädlingsinvasionen ein, verbreiten mehr als 150 Pflanzenarten im Wald, tragen damit zu einer artenreichen Begrünung der Wälder bei und fördern Insekten, die Honigtau produzieren. Unter anderem konnte auch festgestellt werden, dass in der Nähe von Ameisenkolonien die Produktion von Waldhonig der Bienen grösser ist als ohne Ameisen. Im Weiteren wird Urs Jost in seinem Vortrag über die Massnahmen zum Schutz der Waldameisen im Grossraum Rheinfelden berichten.

...zur Hälfte im geschützen Innenraum: Hier haben die Waldameisen eine Waldhütte «bezogen». Fotos: zVgZur Hälfte draussen....

Unsere Bilder
Erstes Bild: Schützen und informieren: Waldameisen-Götti Urs Jost bei einem Waldameisenhaufen oberhalb der Kantonsstrasse Rheinfelden–Magden, der nicht nur mit einem Schutzgitter, sondern auch mit einer Info-Tafel versehen ist. Foto: Jörg Wägli
Zweites Bild: Waldameisengötti Rony Schmid ganz im Süden des Grossraums Rheinfelden bei einem der höchstgelegenen Waldameisenhaufen an der Gemeindegrenze Magden-Olsberg. Foto: zVg
Drittes Bild: Einzelne Nester gilt es mit speziellen Schutzgittern zu versehen. Foto: zVg
Viertes Bild: Mit Informationstafeln wird die Bevölkerung für den «kleinen Helfer im Wald» sensibilisiert. Foto: zVg
Fünftes und sechstes Bild: Zur Hälfte draussen, zur Hälfte im geschützen Innenraum: Hier haben die Waldameisen eine Waldhütte «bezogen». Fotos: zVg
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