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Rheinfelden

Stefan Fath ist ein so genannter Greenkeeper, ein ausgebildeter Gras-Profi für den Golfplatz. Seit nunmehr acht Saisons sorgt er Sommer wie Winter für perfekte Rasenflächen auf dem Golfplatz in Rheinfelden. Mit simpler Rasenpflege im üblichen Sinn hat diese Tätigkeit allerdings nichts zu tun. Vielmehr ist es eine Wissenschaft für sich. Im Gespräch mit fricktal.info berichtete der Rasen-Profi über seinen nicht alltäglichen «grünen» Beruf.
CHARLOTTE FRÖSE

«Ein Greenkeeper muss das Gras wachsen hören, er muss den Rasen lesen, analysieren und verstehen, sonst ist der Platz nicht in Ordnung. Für mich ist dies einer der schönsten Berufe der Welt», betont Stefan Fath. Er ist im Rheinfelder Golfzentrum auf dem Kieshübelhof seit 2008 als Head-Greenkeeper mit zwei ebenfalls qualifizierten Helfern dafür zuständig, dass Golfer auf dem 24 Hektar grossen Gelände der 9-Loch-Anlage optimale Bedingungen vorfinden, damit die kleinen weissen Bälle ungehindert über das Green rollen und ihr Ziel im Loch finden. Auf dem Golfplatz ist er es, der das Spiel wesentlich mitentscheidet. Denn nur wenn die Golfer einen makellos gepflegten Rasen vorfinden, können sie bestmögliche Ergebnisse erspielen.
Greens, Tees und Fairways
Der Rasen ist immer ein grosses Thema im Golfclub und dessen Aushängeschild. Das Wichtigste für die Golfer ist das «Green», es ist das «Allerheiligste» rund ums Loch und der Rasen in diesem Bereich ist entscheidend für das Rollverhalten des Balles. Rund zwei Millimeter wächst ein Grashalm pro Tag, deshalb braucht es hier eine besondere Pflege. Bei einer Schnitthöhe von 2 bis 4 Millimetern rollt der Ball im Idealfall wie auf einer Glasscheibe, erklärt Stefan Fath. In Rheinfelden werden die Grashalme auf dem Green auf einer aktuelle Länge von 3,5 Millimetern gehalten. Jeden Morgen zwischen 6 und 7 Uhr werden die Greens nach einem täglich wechselnden Schema auf Länge getrimmt. Besondere Profi-Maschinen mit 11-Blatt-Spindeln und Groomer (Kamm) sorgen dafür, dass die Grashalme nach dem Mähen senkrecht stehen und nicht einfach plattgewalzt werden. Ab und an ist aber auch sensible Handarbeit mit kleinem Gerät gefragt. Pflege brauchen aber auch die übrigen Flächen auf dem Golfplatz, wie Tees (Abspielbereiche) und Fairways (Spielbahnen) oder das Rough (halbhohes und hohes Gras im Randbereich). Zu bearbeitende Bereiche des Golfplatzes sind zudem die Abschlagplätze und Übungsfelder und nicht zu vergessen die Bunker. Es sind bei weitem jedoch nicht nur Mäharbeiten zu verrichten, auch Vertikutieren, Aerifizieren, Vertidrain, Sanden, Topdressen oder Spiken kommen dazu. Bereits beim Bau des Golfplatzes muss übrigens schon an den richtigen Bodenaufbau gedacht werden.
Zur Bewässerung sind unterirdisch kilometerlange Wasserleitungen und Steuerkabel verlegt. Die Bewässerung wird über PC gesteuert. Gerade in der momentan heissen Periode erfordert dies viel Fingerspitzengefühl vom Greenkeeper. «Wir bewässern jetzt vor allem nachts alle zwei bis drei Tage. Zur Abkühlung geben wir aber auch unter dem Tag ab und zu eine kurze Beregnung, damit sich der Rasen durch die Verdunstung des Wassers abkühlen kann», erklärt Fath. Übrigens ein Tipp, der auch dem Rasen im eigenen Garten gut tut, wie der Fachmann verrät.
Um die Vitalität der Graspflanzen zu erreichen und zu erhalten, bedarf es zudem einer ausgefeilten Strategie der Düngung. Dabei spielt der Naturschutz eine entscheidende Rolle. Nur die Grüns, sie machen nur etwa 0,5 Hektar der Gesamtfläche aus, werden relativ gut mit Nährstoffen versorgt, jedoch mit weniger Stickstoff als ein vergleichsweise landwirtschaftlicher Grünlandbetrieb einsetzt.
Intensive Ausbildung
Für Stefan Fath, er ist 48 Jahre alt und stammt aus der Gegend um Heilbronn, war schon seit seiner frühen Jugend klar, wo seine Berufsausbildung hingehen soll, es sollte auf jeden Fall ein «Grüner Beruf» sein, wie er betont. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung als Landmaschinenmechaniker. Darauf folgte ein Agrarstudium. Damit brachte er Technik und Natur unter einen Hut und schuf so die idealen Voraussetzung für seinen späteren Beruf als Greenkeeper. Dazu absolvierte er eine weitere dreijährige Ausbildung auf einem Golfplatz, eine Kombination aus praktischer Arbeit und begleitenden Kursen und abschliessenden Prüfungen. Stefan Fath sattelte aber noch eine Ausbildung oben drauf, er liess sich zum Head-Greenkeeper ausbilden.
Head-Greenkeeper begleiten Golfanlagenbetreiber in allen Bereichen des Golfplatzes wie Optimierung, Sanierung, Umstrukturierung oder Neuausrichtung.
Stefan Fath absolvierte seine Ausbildung in Deutschland und war, bevor er in die Schweiz übersiedelte, auf drei Golfplätzen in Deutschland bei Kassel und Frankfurt tätig. Seit einiger Zeit ist eine Ausbildung zum Greenkeeper auch in der Schweiz möglich.
Wenn sich jemand der auf der Suche nach einer Ausbildung ist und sich für die Tätigkeit rund um den Golf-Rasen interessiert, kann er sich über das Golfzentrum Rheinfelden (www.golfzentrum.ch) an Stefan Fath wegen eines Praktikums wenden.

Bilder: Stefan Fath ist ein so genannter Greenkeeper, ein ausgebildeter Gras-Profi für den Golfplatz; Eine kleine Grasprobe gibt Einblick in die sensiblen Bereiche unter der Oberfläche (Fotos: Charlotte Fröse)
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