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Von links: Martin Bopp, Geschäftsführer Hightech Zentrum Aargau, Regierungsrat Alex Hürzeler, Raymond Zehringer, KTI und Werner Rutsch, NTN Innovative Oberflächen referierten im 1. Teil des Anlasses.(pd) Nanotechnologien haben im Alltag – auch im Aargau – längst Einzug gehalten. Wo und wie sie genau in der Pharma-, Maschinen und Metallindustrie, im Bereich Energie- und Elektrotechnik und nicht zu vergessen in der Kunststoffbranche angewendet werden, darüber wurde am Montag im Hightech Zentrum Aargau informiert.

Regierungsrat Alex Hürzeler weiss: Nanotechnologien spielen eine zentrale Rolle.Regierungsrat Alex Hürzeler macht in seinem Impulsreferat deutlich, wie wichtig die Entwicklungen im Bereich der Nanotechnologien sind und wieso der Kanton Träger des Swiss Nanoscience Institute (SNI) an der Universität Basel ist: «Das SNI von grosser Bedeutung für uns. Einerseits stärken wir in der Grundlagenforschung den bereits bestehenden nationalen Forschungsschwerpunkt Nanotechnologien. Andererseits verbinden wir die Grundlagenforschung mit Institutionen, die den Anwendungsbezug und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft im Blick haben – die FHNW und das PSI. Der Aargau fördert diese Verbindung von Grundlagenforschung und Anwendungsbezug mit rund 5 Mio. Franken pro Jahr. Und das aus gutem Grund: Mit unserem Engagement setzen wir uns dafür ein, die Brücke zwischen der hochklassigen Grundlagenforschung und der Marktumsetzung. Das SNI schafft eine Wertschöpfungskette, die von der Forschung bis hin zur Produktentwicklung und der technischer Anwendung reicht.»

Von links: Norbert Münzel, Rolic Technologies, Andreas Schreiner, Novartis Schweiz, Peter Grambow, Nanoinitiative Bayern und Andreas Hafner, BASF Schweiz referierten im 2. Teil des Anlasses (es fehlt Chau Hon Ho, ABB Forschungszentrum).Nano-Argovia-Projekte
Eine dieser Brücken zwischen der Forschung am SNI und den Anwendungen in der Industrie schlägt das Nano-Argovia-Programmn. Forschungspartner aus dem SNI-Netzwerk arbeiten im Rahmen eines Projektes eng mit einem Industrieunternehmen aus der Nordwestschweiz zusammen. Im Jahr 2015 wurden 15 Argovia-Projekte mit einem Gesamtfinanzvolumen von etwa 1,3 Millionen Franken gefördert. Neun der Kooperationen – also 60 % – kamen mit Firmen aus dem Kanton Aargau zustande. Peter Frei, Technologie- und Innovationsexperte ist im Hightech Zentrum Aargau die Ansprechperson im Bereich Nanotechnologien und weiss: «Die Zusammenarbeit mit dem SNI ist unkompliziert und kooperativ. Auch das Engagement im Advisory Board Nano – wie auch das des PSI und der FHNW – schätzen wir sehr.»

Von Nanotechnologien umgeben
Dass wir umgeben sind von Nanoteilchen zeigt Werner Rutsch in seinen Ausführungen. Seine Recherchen haben ergeben: «Das am weitesten verbreitete Nanomaterial ist zugleich das älteste Produkt der Menschheit: Russ. Als man lernte mit Nano umzugehen, hat man bestehende Materialien kleiner gemacht und die Vorteile der neuen Eigenschaften genutzt.»

Kosten sparen, Produktionssicherheit erhöhen
Teilnehmende am Anlass waren auch Heike Troller, Unternehmerin aus Murgenthal und Norbert Schläfli, Unternehmer aus Zofingen. Nanotechnologien haben einen grossen Einfluss in ihren Betrieben. Norbert Schläfli befasst sich seit Jahren mit den neusten Entwicklungen: «Die Drucktechniken haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Wo früher der Hundertstel-Millimeter als kleinste Einheit stand, geht heute das Limit über den Tausendstel hinaus, dem Nanometer entgegen. Damit hat die Genauigkeit in allen Bereichen des funktionalen Druckens um ein Vielfaches zugenommen. Die Druckgenauigkeit, die im Bereich des Unsichtbaren liegt, ist eine tägliche Herausforderung, die uns fasziniert und jenseits vom Limit liegt.» Auch Heike Troller kennt die Bedürfnisse ihrer Kunden und seit über 50 Jahren auf höchste Qualität: «Der grosse Vorteil unserer Düsen ist die hohe Präzision. Die garantierte Querprofilgenauigkeit bei der Beschichtung die je nach Anwendung bis in den Nanobereich geht, ermöglicht es unseren Kunden, die Produktionskosten zu reduzieren und die Produktionssicherheit zu erhöhen. So kann eine Verbesserung der Querprofilgenauigkeit um 1 % die Rohkosteneinsparungen für die Jahresproduktion so stark senken, dass die Investitionskosten bereits innerhalb dieser Zeit amortisiert sind. Hier haben wir klar einen Vorteil gegenüber den Mitbewerbern, welche bei Fertigungsgenauigkeiten von 0,5 Mikrometer nicht mehr mithalten können.»

Markus GublerMarkus Gubler, Leiter Technik und Produktion, Jakob Härdi AG, Oberentfelden:
«Die Nanotechnologie ermöglicht uns in neue Bereiche vorzustossen in denen wir uns von den Mitbewerbern abheben können. Wir suchen mit dieser Technologie nach möglichen Anwendungsgebieten die die bisherigen Verfahren und Eigenschaften der Produkte ersetzen oder verbessern. Die Herausforderung besteht darin, die Eigenschaften der Nanoteilchen auf das Produkt zu übertragen. Dabei müssen Verfahren zur Anwendung kommen, die in der Industrie praxisgerecht und günstig sind. Was sich an der Veranstaltung deutlich gezeigt hat ist, dass wir (Schweizer) viel in F&E investieren und investieren müssen. Nur durch dieses Know How können wir uns am Weltmarkt etablieren. Bisher gelingt uns das sehr gut. Durch Veranstaltungen wie die gestrige wir das Wissen und der Technologietransfer gefördert und in die KMU’ getragen. Generell finde ich die Unterstützung durch das Hightech Zentrum eine grossartige Sache. Gerade kleinere Unternehmen die nicht die finanziellen Möglichkeiten eines Grosskonzerns haben, profitieren sehr von diesem Angebot.»

Rainer GretherRainer Grether, General Manager, Georg Utz AG, Bremgarten:
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Wir produzieren auch elektrisch conductive oder dissipative Produkte für z.B. die Elektronikindustrie. Bei den heutigen Rohstoffen sind die dafür notwendigen Additive/ Batches in hohen Dosierungen zuzumischen und haben damit auch einen, meist negativen, Effekt auf die Eigenschaften des Produktes. Ein weiterer Negativeffekt ist auch das einzusetzende Material. Additive für die genannten Eigenschaften müssen meist hoch dosiert werden und schlagen sich damit im Preis des Endproduktes nieder. Wir könnten dies mit der Nanotechnologie möglicherweise umgehen. Die ganz grosse Frage hinter der Technologie ist für uns die der Umweltverträglichkeit. Unsere Produkte werden oft in der Lebensmittelindustrie eingesetzt und bei der Nutzung sind Beschädigungen der Oberfläche und Materialabrieb durch das Handling an der Tagesordnung. Sind in diesem Materialabrieb nun Nanopartikel nicht oder nicht mehr perfekt in der Matrix eingebunden können diese in die Luft kommen? Die zweite Frage die sich für uns stellt ist die des Recyclings. Wir verarbeiten bei Utz rund 50 % an wieder aufbereiteten Materialien welche wir teilweise auch selbst herstellen. Wir machen dies durch Shreddern oder Einmahlen von Produkten nach deren Lebenszyklus. Was passiert dabei und wie muss ein Produkt oder das Material nach z.B. 30 Jahren Einsatz endgültig entsorgt werden? Die Chancen sind vorhanden. Für uns könnte es z. B. bedeuten, dass mit wesentlich leichteren Produktkonstruktionen ein enormer Zugewinn an mechanischer Festigkeit erreicht werden kann, oder dass heute gewünschte Leitfähigkeiten mit einem Minimum an beigemischtem Additiv erzielt werden könnten. Gewicht kostet nicht nur bei der Herstellung Geld sondern in hohem Masse auch beim Transport und Additive sind meist wesentlich teurer als die Basismaterialien. Keine Hightech- Anwendungen sondern ganz banal erzielte Vorteile.»

Rolf MeyerhansRolf Meyerhans, Abteilungsleiter Technik und Innovation, Müller Martini, Zofingen:
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Der Einsatz von Nanotechnologien muss in den Köpfen der Entwickler präsent sein. Voraussetzung dafür ist, dass Forschungsschwerpunkte bekannt sind und so mögliche Ansätze bereits in der frühen Phase des Innovationsprozesses integriert werden können. Der Einfache Zugang, welcher das Hightech Zentrum Aargau zu den Wissensträgern ermöglicht, vereinfacht dieses Unterfangen. Nanotechnologien bieten Chancen für die Umsetzung von neuen, wirtschaftlicheren Lösungen. Die neuen Materialeigenschaften ermöglichen Produkteentwicklungen, welche mit konventionellen Mitteln nicht realisierbar wären. Für mich steht fest: Die Sicherstellung der Technologiefähigkeit eines Unternehmens erhöht die Wettbewerbskraft – auch im internationalen Umfeld.»

Souad BoulmaazDr. Souad Boulmaaz, Lab Manager, BASF Schweiz AG, Basel:
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Persönlich sehe ich den grössten Nutzen beim Einsatz von Nanotechnologien in sehr vielen Bereichen: In der Medizin in den Bereichen Produkteentwicklungen, Ersatzorgane und für neue Therapieanwendungen. In der  Mikroelektronik, wo z.B. elektronische Bauteile bis in den Nanometerbereich verkleinert werden, um Rechenkapazitäten und die Geschwindigkeit von Computerchips zu steigern und auch im Maschinenbau bei der Entwicklung neuer Messgeräte und Messmethoden. Als Forschung und Entwicklungs-Mitarbeiterin bin ich fest überzeugt, dass die grössten Entdeckungen noch nicht gemacht worden sind.»

Hugo HuberHugo Huber, Gispermeister, Huber Gipserei AG, Muri:
«Ich war nicht überrascht, jedoch sehr beeindruckt vom vielfältigen Einsatz der Nanotechnologien. Gross wäre mein Interesse an detaillierten Informationen für die Gipserbranche – neue Materialien für Putz, Farben und die Beschichtung von Fassaden – auch zum Thema Sicherheit im Umgang mit Nanomaterialien wünsche ich mir detaillierte Informationen.»

Unsere Bilder (Fotos: zVg)
Erstes Bild (von links): Martin Bopp, Geschäftsführer Hightech Zentrum Aargau, Regierungsrat Alex Hürzeler, Raymond Zehringer, KTI und Werner Rutsch, NTN Innovative Oberflächen referierten im 1. Teil des Anlasses.
Zweites Bild: Regierungsrat Alex Hürzeler weiss: Nanotechnologien spielen eine zentrale Rolle.
Drittes Bild (von links): Norbert Münzel, Rolic Technologies, Andreas Schreiner, Novartis Schweiz, Peter Grambow, Nanoinitiative Bayern und Andreas Hafner, BASF Schweiz referierten im 2. Teil des Anlasses (es fehlt Chau Hon Ho, ABB Forschungszentrum).
Viertes Bild: Markus Gubler
Fünftes Bild: Rainer Grether
Sechstes Bild: Rolf Meyerhans
Siebstes Bild: Souad Boulmaaz
Achtes Bild: Hugo Huber

 

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