Ein Produkt der  
Die grösste Wochenzeitung im Fricktal
fricktal info
Verlag: 
Mobus AG, 4332 Stein
  Inserate: 
Texte:
inserat@fricktal.info
redaktion@fricktal.info
Fricktalwetter
Bedeckt
24.7 °C Luftfeuchtigkeit: 67%

Montag
19.1 °C | 31.8 °C

Dienstag
19 °C | 29.4 °C

Bundesfeierrede von Noëlle Rüetschi, Radsportlerin und Studentin, in Gipf-Oberfrick

(Es gilt das gesprochene Wort)

Guete Obe mitenand!
Zerscht möcht ich, wie mer das bi so Rede macht, alli ganz herzlich begrüesse und mech für die grossi Ehre bedanke, won ich hütt Obe überchume, indem ich die Rede do dörf halte. Es isch s'erscht Mol, won ich öppis i dere Art dörf mache und drum, nebem Fakt, dass mer hütt de erscht August fiired, für mich persönlich no öppis ganz Bsunderigs.
Ich ben d'Noëlle, do im Dorf ufgwachse, id Schuel gange und han – bis uf e churzi Usnahm – mis ganze Läbe do verbracht. Ich ben viel dusse unterwegs, vor allem uf em Velo. Chlini Randbemerkig: Won ich ahgfange han Velofahre, am Ahfang dehei ufem Vorplatz, denn bi eus do im Dorf, bini au s eint oder ander Mol vom Weg abcho und ergendwo iegfahre. Damals han ich natürlich nonig gwüsst, dass mich das Velo spöter mol dur halb Europa füehre wird. Ich ha unzählige Kilometer dörfe fahre, wunderschöni Ort gseh und viel erlebt. Aber öppis vom Schönschte isch gsi: Egal, vo wo ich wieder hei cho bi – s'Fricktal het sich immer wie dehei aagfühlt. Über die chline Zwüschefäll vo früehner lache mer eus hütt no schlapp, wemer a dene Ort im Dorf verbilaufed. Aber ich han wiitergüebt und bin immer wiiter cho mitem Velo. Dur das han ich ned nur grossi Teil vo Europa dörfe gseh, sondern vor allem au wie schön eusi Region eigentlech isch.
Ich han lang überleit, über was ich euch hüt Obig sött verzelle. Ich ha ned welle e politischi Rede halte, au kei belehrendi und kei langwiligi. Und scho gar keini, wo nume d'Problem vo dere Welt zeigt. Devo ghöre mer jede Tag meh als gnueg.
Ned dass die Problem ned wichtig wäred – im Gägeteil. Aber mängisch nähmed sie so viel Platz ii, dass mer vergessed, wie viel Schöns und Guets eus eigentlich umgit. Und genau drum passt de 1. August perfekt. Er git eus Gelegeheit, eifach mol chli innezhalte und eus z'öberlege, was mer eigentlich alles händ. Mer läbed i eim vo de sicherste Länder vo de Welt. Mir chönd frei säge, was mer dänked. Mir gönd am Morge go schaffe oder id Schuel und chönd am Obe wieder hei cho. Mir händ e wunderschöni, intakti Natur direkt vor de Huustür, gueti Nochbere (hoffendlech), Verein, wo s'Dorf läbig und farbig mached, und Lüt, wo sich freiwillig für d'Gmeinschaft iihsetzed. Das isch alles öberhaupt ned sälbschtverständlich.
Ich han scho verschiedeni Länder in Europa dörfe bereise. Überall hani viel Schöns entdeckt. Aber jedes Mol, wenn ich wieder hei cho bi, han ich gmerkt: Mer händs scho au wahnsinnig guet und schön.
Ich han mich bi de Vorbereitig uf hüt Obe gfrogt, was Heimat eigentlech isch. Isch Heimat en Ort? Es Huus? Es Land? Ich glaube für mech, isch Heimat viel meh es Gfühl. Es Gfühl vo dehei sii. Es Gfühl, irgendwo anezghöre. Heimat sind für mich d'Gerüch, won ich scho sit Chind uf em Wäg id Schuel kenne. Es isch de Blick über s'Fricktal, wenn d'Sunne undergoht. Es sind d'Glogge vo de Chile, wo me scho fascht gar nümm bewusst wahrnimmt. Die sind zum Glück trotz einige Ihsproche vor es paar Johr bliebe. Es sind d'Lüt, wo mer grüesst, au wenn mer ihre Name villicht gar nüm weiss oder no nie würkli gwüsst hett. Und vellecht isch genau das s'Besondere a sonere Gmeind. Mer kennt sich. Mer hilft enand. Und mer weiss: Wenn öppis isch, denn isch öpper do.
Und jo – ned nume mir wüssed und schätzed d Schönheit vo eusem Dorf. Jede Früehlig chömed tuusigi Lüt vo wiit här, sogar us Asie, zu eus is Fricktal, zum de Chriesiweg bsueche. Für die wird amigs sogar de Verkehr greglet. Hütt isch das zum Glück nöd nötig – mini Rede het offebar nonig ganz de Status erreicht. Und das isch mer also au gad no ziemli recht.
Aber de Gedanke vo vorher zeigt öppis: Was für eus Alltag isch, isch für anderi öppis mega Bsundrigs. Mer müend also gar ned wiit sueche, zum Schöns finde. Es cha de Sunneufgang sii, won me vom Chriesiwäg oder vo de Ruine Thierstei us bestaune cha. Es cha de Duft vo frischem Brot sii, wenn me am Morge bim Beck verbilauft. Es chan ein feine Cervelat sii, womer ide Metzg chauft und denn a einere vo de schöne Brötelstelle chan brötle. Es cha en Spaziergang dor s'Dorf sii, vellecht mitemne Glacestop, es Schwätzli über de Gartehaag, es Lache mit Fründe oder eifach es paar Minute Rue uf emne Bänkli und vo dene hämmer dank em Verschönerigsverein jo zum Glück gneug. Und s guete dra: S Meischte choschtet fascht nüt.
Aber oft gönd mer grad a dene Momänt verbi. Es pressiert, mer lueged ufs Handy oder sind mitem Chopf scho mit de Gedanke bi de nöchschte Ufgab. Ich nimme mich dört überhaupt ned us. Ich mache das sälber meh als gnueg. Villicht isch aber de 1. August genau de Tag, wo mer eus wieder chli chönd erinnere, bewusster z'läbe. Ned nume z'luege, was eus no fehlt, sondern au z'gseh, was mer scho alles händ. Da isch nämlich öberhaupt ned selbstverständlich und die Vergangeheit ned immer so gsie. Schliesslich hett mer de Grossvater verzellt, dass mer vor es paar Generatione no isch uf Bad Säckinge go Eier verkaufe, numme zum chli Geld verdiene. Eusi Region isch früehner nämlich eher ärmlich gsie und ganz viel sind damols usgwanderet. Aber au scho i dere Ziit händ d Lüüt gschätzt, was die Region alles z büüte hett.
Denn Dankbarkeit isch öppis Chliises. Aber sie cha öppis Grosses uslöse. Wer dankbar isch, luegt und goht andersch dor de Tag ond d Welt. Und ich glaube, genau das bruched mer i de hütige Zyt mängisch meh als no meh Schlagzeile, no meh Ufreigig oder no meh Perfektion. Was d'Schwiiz und au de erscht August usmacht, sind nämlich ned nume d’Bärge, Schoggi, Chäs und Wii oder s schöne erscht Auguschtfüür. Oder mini Rede, nei Spass besiite. Ich ghöre zunere Generation, wo mit Internet, Handy und Social Media ufgwachse isch. Mir händ unglaublich viel Möglichkeite. Mir chönd praktisch jede Ort vo de Wält bereise, innert Sekunde mit Lüt uf em andere Ändi vo de Wält kommuniziere und händ fascht alles sofort zur Verfüegig. Aber grad drum glaube ich, dass öppis anders immer wichtiger wird: Wurzle z’ ha. Wüsse, wo mer dehei isch. Wüsse womer aneghört. Wüsse, weli Wärt eus wichtig send. Und Sorg dezue träge, dass au die nächschti Generation no i sonere Gmeinschaft chan uufwachse.

Was d Schwiiz würkli usmacht… sind d'Mensche.
Will wenn mer ehrlich sind, funktionert es Dorf wie euses nur, will so viel Lüt freiwillig öppis mached. Öpper organisiert s' Chriesifescht, öpper pflegt eusi Infrastruktur, öpper probt jedi Wuche im Musikverein, öpper chunnt z'Nacht us em Bett, wenn d'Füürwehr alarmiert wird und no so vieli meh. Und mängisch merkt me das gar ned. Es funktioniert eifach. Aber genau das isch ned sälbschtverständlich. Gmeinschaft entstoht ned eifach. Sie entstoht, will ganz viel Lüüt tagtäglich öppis dezue biiträge – mängisch sichtbar und mängisch ganz still im Hintergrund. Für das möcht ich hüt Obig eifach mol Danke säge.
Danke all dene, wo sich iisetzed. Danke all dene, wo Verantwortig öbernähmed. Danke all dene, wo mit chline Geste de Alltag vo andere ond sich selber es bitzli schöner mached. Ich wünsch mer, dass mer eus die Wert chönd erhalte. Dass mer d'Solidarität, de Respekt und de Zämehalt bewahred. Und dass mer trotz all de stetige Veränderige nie vergessed, wie guet mer's eigentlech händ.
Zum Schluss möcht ich euch no zwöi Sache mit uf de Wäg geh. Ich weiss ned, wo mich min Wäg i de nächschte Johr ane füehrt. Das wüsse mer alli ned und das macht eus glaub allne mängisch echli z schaffe. Aber ich weiss, Gipf-Oberfrick wird immer en Teil vo mir sii. Will Heimat nimmt me ned im Koffer mit – me treit sie im Härz. 
Und genau drum hoffe ich, dass mer Sorg träge zu dem, wo mer händ. Zu eusem Dorf. Zu eusem Zämehalt. Und vor allem zunenand. Denn am Ändi sind ned d'Gebäude oder d'Strosse es Dorf. Es sind d'Mensche, wo drin läbed. 
Und no öppis… Wenn ihr morn oder die nächschte Täg wieder mol dusse underwägs sind – öb uf em Velo, bim Spaziere oder eifach uf em Wäg zum Beck – denn lueged euch euses Dorf bewusst aa. Vellecht gsänd ihr öppis, wo euch bis jetzt gar nie ufgfalle isch. Vellecht nähmed ihr euch es paar Minute meh Zyt. Und vellecht wird euch denn wieder bewusst, dass s'Glück gar ned immer wiit wäg liit, sondern oft grad vor de eignigi Huustür.
I dem Sinn wünsche ich euch allne en wunderschöne erschte August, gueti Gspröch, schöni Begegnige und vor allem vill Freud mitenand. Hebed Sorg, gnüsset de Obe – und es Hoch uf euses Dorf, uf euse Zämehalt und uf d'Schwiiz.
Danke vielmol!