(Es gilt das gesprochene Wort)
Liebe Magdemerinnen, liebe Magdemer
Liebe Neuzuzüger:innen
Ich freue mich, heute mit Ihnen allen hier zu stehen und den Geburtstag unserer Schweiz zu feiern. Wenn ich umherschaue, sehe ich das, was unser Land im Innersten ausmacht: Gesichter, die einander kennen, Generationen, die zusammenkommen, und eine Gemeinschaft, die lebendig ist.
Ein Nationalfeiertag ist vielleicht auch ein Moment, um zurückzuschauen auf das, was uns eint – und ebenso nach vorne auf das, was uns erwartet.
Wenn wir heute den Blick nach vorne richten, dann fällt dieser in eine Zeit, die bei vielen vielleicht auch von Verunsicherung geprägt ist. Die politische Weltsituation ist aufgewühlt, von Konflikten geprägt und oft unberechenbar. Viele Gewissheiten, die uns lange selbstverständlich schienen, sind ins Wanken geraten.
Wir feiern den heutigen 1. August nicht auf einer einsamen Insel. Wir feiern ihn in einer Welt, die spürbar aus den Fugen geraten ist. Wenn wir die Nachrichten einschalten, sehen wir globale Konflikte, geopolitische Spannungen und einen Ton in der internationalen Politik, der rauer und unversöhnlicher geworden ist.
Und das macht etwas mit uns. Es verunsichert. Es verleitet dazu, sich zurückzuziehen, von alledem nichts mehr mitzubekommen.
Wenn die Zeiten unsicher werden, neigen wir Menschen oft zu einer Abwehrreaktion: Wir suchen Schuldige. Es wird geschimpft – auf «die Politik», auf «die Behörden», auf «die Medien», auf „«die da oben». Es ist heute unglaublich leicht geworden, vom Sofa aus die Welt zu kritisieren. Ein paar Klicks in den sozialen Medien, ein paar scharfe Worte, und schon hat man seinem Ärger Luft gemacht.
Doch das Problem ist: Mit Schimpfen ist gar nichts gelöst, allenfalls ein bisschen Dampf abgelassen….
Unsere Demokratie ist aber keine Zuschauersportart, wo man am Rand sitzt und die Spieler:innen ausbuht. Unsere Demokratie lebt vom Mitmachen. Und sie lebt von etwas, die in der heutigen Weltlage leider immer seltener wird: von Vertrauen.
Damit meine ich kein blindes Vertrauen. Kritik und Kontrolle gehören zur Demokratie. Aber wir brauchen ein Grundvertrauen in die Menschen, die für unsere Gemeinschaft arbeiten – sei es in der Gemeinde, im Kanton oder im Bund. Hinter jeder Behörde, hinter jedem Ausschuss und hinter jeder Verwaltung sitzen Menschen, die versuchen, die besten Lösungen für uns alle zu finden.
Demokratie bedeutet, dieses Vertrauen zu schenken – und gleichzeitig bereit zu sein, selbst Verantwortung zu übernehmen. Wer etwas verändern will, schimpft nicht nur am Stammtisch, sondern bringt sich ein. Er oder sie stellt sich zur Verfügung, übernimmt ein Amt, engagiert sich im Verein oder bringt an der Gemeindeversammlung sachliche Argumente vor.
Die Schweiz und unsere direkte Demokratie sind das exakte Gegenteil von Polarisierung. Sie basieren auf drei Grundpfeilern, die wir gerade jetzt wie einen Schatz hüten müssen:
1. Der Respekt vor der anderen Meinung: Dass wir dem Gegenüber glauben, dass er oder sie auch das Beste fürs Land will – selbst wenn der Weg dorthin ein anderer ist.
2. Die Kultur des Kompromisses: Die Fähigkeit, trotz grosser Unterschiede so lange am selben Tisch zu sitzen, bis eine Lösung steht, die für alle tragbar ist. Das ist nicht immer attraktiv, das gibt keine lauten Schlagzeilen, aber es hält eine Gesellschaft gesund.
3. Die Solidarität: Dass wir als Gemeinschaft funktionieren und niemanden zurücklassen.
Der Mythos des Rütlischwurs erzählt uns ja keine Schönwetter-Geschichte. Die Eidgenossen haben sich damals nicht zusammengeschlossen, weil alles so friedlich und einfach war. Im Gegenteil: Sie haben sich in einer rauen, bedrohlichen und unberechenbaren Zeit zusammengetan. Ihr Versprechen war kurz gesagt: «Wir stehen füreinander ein, wenn es stürmisch wird.»
Das ist der wahre Geist des Rütlischwurs: Nicht darauf zu warten, dass ein anderer die Probleme löst, sondern selbst anzupacken.
Die grosse Weltpolitik können wir hier in Magden nicht im Alleingang lenken. Aber wir haben die Verantwortung für unsere eigene kleine Welt. Und diese kleine Welt ist das Fundament des grossen Ganzen. Wenn das Fundament stark ist, wankt das Haus auch im Sturm nicht so schnell.
Als Gemeindepräsidentin macht es mir grosse Freude zu sehen, wie lebendig und engagiert unser Dorf mit seinen knapp 4000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist. Und auch deshalb ist mir dieser Anlass so wichtig, um von Herzen Danke zu sagen:
Danke für Ihr politisches Interesse: Dass Sie beispielsweise an den Gemeindeversammlungen mitdiskutieren, Anträge stellen und auch mal kritisch nachhaken. Das Sie mit Fragen und Anregungen auf die Verwaltung und den GR zukommen. Das ist gelebte direkte Demokratie im Kleinen. So «konsumieren» Sie Magden nicht nur, sondern gestalten es mit.
Danke auch an unserer Feuerwehr, die Tag und Nacht, im Alltag wie in Ausnahmesituationen, für unsere Sicherheit einsteht.
Danke an alle Kommissionen
Danke an alle Vereine in Sport und Musik: Sie investieren unzählige Stunden auch in die Jugendförderung, und bringen uns an Festen wie heute zusammen und gestalten mit. Sie schaffen ein Stück Heimatgefühl.
Da wird überall viel gearbeitet, mitgedacht und gegenseitig unterstützt. Sie alle investieren ihre wertvolle Freizeit und Ihr Herzblut. Sie tun das für Menschen in Magden, die Sie vielleicht gar nicht persönlich kennen. Und genau das ist die beste Antwort auf die Krisen.
Wir stehen zusammen und sind füreinander da. Und es würde mich freuen, wenn Sie das so mitnehmen heute.
Feiern wir das Gemeinsame, stossen miteinander an und lernen uns besser kennen bei interessanten Gesprächen. Dazu soll dieser Anlass da sein.
Vielen Dank, dass Sie gekommen sind und nun allen einen wunderschönen 1. August!