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Kaiseraugster Storchengeschichte - 25 Jahre Natur- und Vogelschutzverein Kaiseraugst |
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Mittwoch, den 28. Juli 2010 um 17:45 Uhr |
In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts sank der Storchenbestand in der Schweiz von etwa 140 Brutpaaren auf null. Obschon sich die Lebensräume in der Region von Basel bis Schaffhausen dem Rhein entlang bereits in den dreissiger Jahren extrem verschlechterten, konnte sich der Storch in diesen Gebieten der Schweiz, wohl wegen der besseren klimatischen Verhältnisse, am längsten halten.
Urs Wullschleger
Dazu einige Beispiele: In Kaiseraugst bis 1931, in Möhlin bis 1935, in der Schweizerhalle bis 1942 und in Allschwil bis 1948. Die Ursachen sind vielfältig, welche zum Verschwinden des Weissstorches in der Schweiz beigetragen haben. Ein nachweisbarer Rückgang auch in noch intakten Brutgebieten lässt darauf schliessen, dass der Verlust an Lebensraum nur ein Grund unter vielen sein kann. Sicher spielt auch das Winterquartier eine wesentliche Rolle. Dieses liegt im Bereich der Sahelzone, wo immer wieder jahrelange Trockenheit die Nahrungsgrundlage schmälert. Der grösste Verlustfaktor aber ist dem Zug in den Süden zuzuschreiben. Viele Störche kollidieren mit elektrischen Leitungen oder fallen Stromschlägen zum Opfer.
Wiederansiedlungsprojekt fruchtete
Seit 1948 ist es aber wieder aufwärts gegangen. Allerdings ist dafür nicht die Natur verantwortlich, sondern der Mensch und dabei in erster Linie Max Bloesch, welcher mit der Gründung des Wiederansiedlungsprojekts 1948 den stolzen Vogel zurückbrachte. Von Algerien wurden Störche eingeflogen. In Altreu und in einer ganzen Reihe weiterer Stationen (in Möhlin ab 1970) wurden Störche aufgezogen, und nach der Bildung von Brutpaaren sorgten sie ihrerseits für Nachwuchs, der inzwischen wieder die ursprünglichen Zugwege einschlägt. Im Jahre 2008 waren es bereits wieder 224 Brutpaare in der Schweiz. Das Ziel ist es, wieder 300 Brutpaare in der Schweiz zu haben.
Storchennest in Kaiseraugst
Im Herbst 1990 ergriff in Kaiseraugst Wolfgang Fluch die Initiative und reparierte mit Marcel Meyer das Storchennest auf dem Kirchturm der Christkatholischen Kirche. Und siehe da, im Frühling 1991 bezog ein Storchenpaar das Nest und fing an zu brüten. Genau 60 Jahre nach der letzten Brut in Kaiseraugst schlüpften zwei Jungstörche. Der Storchenvater stammte aus einer Brut von 1988 im Zoo Basel, die Storchenmutter von 1989 aus Seltz im Elsass. Von 1991 bis 2002 zogen sie 27 Störche auf. Im Frühling 2003 erschien das Männchen mit der Nr. 3028 nicht mehr. Die Storchenmutter musste nach einem neuen Partner Ausschau halten. Der neue Storchenvater mit der Nr. 4780 wurde 1993 in Altreu geboren, war also schon 10 Jahre alt, als er mit dem Brutgeschäft in Kaiseraugst anfing. Vier Jungstörche wurden in diesem Jahr beringt, die Kaiseraugst dann im August Richtung Süden verliessen.
2004 musste schon wieder ein Wechsel stattfinden, denn das Storchenweibchen mit der Nr. 1383 zeigte sich auch nicht mehr in Kaiseraugst. Das Storchenweibchen mit Nr. 6160, geboren 2000 im Zoo Basel, ersetzte das vermiss- te Weibchen. Im Jahre 2006 gab es wieder einen Wechsel. Das Männchen bekam eine neue Partnerin. Leider gingen die Jungstörche nach dem Schlüpfen in diesem nasskalten Frühling ein. Auch im Jahre 2007 gab es keine Brut, da sich zwei Weibchen über längere Zeit um das Männchen stritten. 2008 konnte der Storchenvater mit einem neuen Weibchen wieder erfolgreich vier Jungstörche aufziehen.
Bisher 48 Störche beringt
Auch 2009 war ein erfolgreiches Jahr. Mit den zwei vom Kirchturm und den drei Jungstörchen vom Camping, die dieses Jahr geschlüpft sind, konnten in den zwanzig erfolgreichen Jahren 48 Störche beringt werden.
Zweites Storchenpaar nistete in Kaiseraugst
Genau zum zwanzigjährigen Jubiläum der Störche in Kaiseraugst baute ein zweites Storchenpaar ein neues Nest. Der Storch, der letztes Jahr öfters in Kaiseraugst anzutreffen war, baute mit einem in Radolfzell beringten Storchenweibchen auf einem abgesägten Baum beim Camping ein Nest. Nach etwa zehn Tagen mussten wir nach der Ringnummer feststellen, dass er das Weibchen ausgewechselt hat. Zur grossen Freude aller Campingbewohner und Kaiseraugs- ter haben die beiden drei Jungstörche aufgezogen.
Seit 1991 betreut Urs Wullschleger vom Natur- und Vogelschutzverein mit Ernst Fischler, Storch Schweiz, und seit 2008 auch noch mit Bruno Gartelli, Zoo Basel, die Kaiseraugster Störche.
Nächsten Monat berichtet der Natur- und Vogelschutzverein Kaiseraugst über Schmetterlinge in Kaiseraugst.
Bild 1: Kopulation der Störche auf dem Campingplatz
Bild 2: Jungstörche auf dem Kirchturm
Bild 3: Beringung der Störche mittels Hebebühne
Bild 4: Die Storchenfamilie auf dem Campingplatz (Fotos: Urs Wullschleger)
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